Dieter Hallervorden

Schauspieler, Sänger, Kabarettist: Dieter 
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Schauspieler, Sänger, Kabarettist: Dieter Hallervorden
Dieter Hallervorden
Geboren: 05.09.1935 in Dessau, Deutschland

Er ist ein Pendler zwischen Blödelei, Kabarett und scharfer Satire: Dieter Hallervorden. Rechtzeitig, bevor Dessau zu 90 Prozent im Bombenhagel versank, war Hallervorden von seinen Eltern in das idyllische Harzstädtchen Quedlinburg evakuiert worden. Nach seiner Rückkehr beendete er in Dessau die Grundschule als einer der besten des Landkreises. Trotzdem wird er - als Sohn eines Flugzeugkonstrukteurs - vom "Arbeiter- und Bauernstaat" der SED nicht zum Besuch der Oberschule zugelassen. Der Zivilcourage und dem monatelangen Einsatz seines Vaters hat er es zu verdanken, dass die Entscheidung schließlich staatlicherseits rückgängig gemacht wird und Hallervorden vier Jahre später - als 17-jahriger (!) - das Abitur macht.

Danach studiert er an der Humboldt-Universität im "demokratischen" Sektor von Berlin Romanistik. Wenige Jahre später jobbt er neben dem Studium als Dolmetscher. Grundvoraussetzung: Jeder Dolmetscher hat die Fragen ausländischer Gäste nach bestem Wissen und Gewissen, d.h. konform mit dem Interesse des "Arbeiter- und Bauernstaates", zu beantworten. Da sich Hallervorden nicht an diese Direktive hält, wird es bald höchste Zeit, nach Westberlin zu flüchten. Dort setzt er sein Studium an der Freien Universität fort, belegt als zweites Fach Publizistik und hört Vorlesungen in Theaterwissenschaft.

Hallervorden jobt als Bauhilfsarbeiter, Bierfahrer und Gärtner. Zum Zeitvertreib wird er Mitglied der Theatergruppe "La Compagnie des Inconnus". Und er ist bereits im Doktorandenseminar, als er den Entschluss fast, aus dem Hobby der Schauspielerei einen Beruf zu machen. Bei der Aufnahmoprüfung für die Max-Reinhardt-Schauspielschule wird er abgelehnt - wegen Mangel an Begabung! Er gibt nicht auf, macht seine Eignungsprüfung vor einer Kommission der Bühnengenossenschaft und bekommt einen Ausbildungsplatz an der damals renommiertesten Privatschule Berlins bei Marlise Ludwig. Schon bald spielt er in der "Tribüne" und bei den "Vaganten". Hallervorden bricht sein Studium ab und gründet - gemeinsam mit anderen Kollegen - das politisch-satirische Kabarett "Die Wühlmäuse", dem er auch heute noch als Direktor vorsteht und das unter seiner Leitung mittlerweile fast 40 Jahre ohne Subventionen (!) existiert.

Er produziert im Laufe der Jahre mehr als zwei Dutzend Programme, unternimmt zahlreiche Tourneen durch Deutschland, Österreich, die Schweiz und Dänemark. Schnell folgen Funkproduktionen und kleinere Fernsehengagements. Doch bei der Aufzeichnung seines Kabarettprogramms anlässlich der Funkausstellung kommt es zum Eklat. Hallervorden widersetzt sich den Zensurbestrebungen eines Fernsehsenders - und plötzlich sind ihm für die nächsten fünf Jahre die Türen sämtlicher Rundfunk- und Fernsehanstalten verschlossen. Eine Art "Öffentlich-rechtliches Berufsverbot"!

Dann gelingt ihm mit seinem bisher einzigen Soloprogramm "Seltsame Begegnung" ein phänomenaler Erfolg. Das Programm wird vom WDR aufgezeichnet - die Fernsehsperre ist durchbrochen! Von da an geht's bergauf. Nach einer Hauptrolle in der albernen Komödie "Eine Nervensäge gegen alle" (1969) spielt er den Gangsterboss Köhler im legendären "Das Millionenspiel" von Wolfgang Menge und neben Arno Assmann den schizophrenen "Springteufel". Hallervorden dreht zwölf Folgen der satirischen Serie "Abramakabra" unter der Regie von Joachim Roering. Danach sechs Folgen von "Grand Gala", das "Lästerlexikon" u.v.m. Dr. Heinz Liesendahl holt ihn zum Süddeutschen Rundfunk nach Stuttgart. Und dort startet Hallervorden mit "Nonstop Nonsens" (1975-1980) seinen bisher größten Fernseherfolg: er verbucht Einschaltpuoten, wie sie heute allenfalls noch Champions-League-Fußhallspiele im Fernsehen verzeichnen ...

Außerdem bringt Hallervorden zehn Langspielplatten und über 30 Singles heraus. Die bekanntesten und erfolgreichsten Songs: "Mit dem Gesicht", "lch bin der schönste Mann in unserer Mietskaserne" und das zu einer für ihn selbst kaum erklärbaren Pogularität gelangte Lied "Du, die Wanne ist voll" mit Helga Feddersen. In dieser Zeit dreht er 10 Kinofilme, darunter "Ach du lieber Harry" (1980), "Der Schnüffler" (1983), "Didi auf vollen Touren" (1986), "Der Experte" (1987), "Bei mir liegen Sie richtig" (1990), und "Alles Lüge!" (1993). Mit 10 Folgen der "Didi"-Show - die er zum ersten Mal auch als sein eigener Regisseur betreut - und einer Hundert-Tage-Tournee unter dem Titel "Des Wahnsinns kesse Beute" verabschiedet sich Hallervorden am 7. März 1990 von der Figur Didi und kehrt zu seinen Wurzeln, dem politisch-satirischen Kabarett, zurück. Er gründet die Firma "Halliwood" und produziert 21 Folgen "Spottschau". Zur Überraschung der Kritiker gelingt es ihm, bei aller satirischen Schärfe und kabarettistischen Zeitkritik die Sendungen breitenwirksam zu gestalten.

Zum Jahresende 1994 kehrt er zur ARD zurück und produziert eine ebenfalls politisch-satirische Serie unter dem Titel "SpottLight", deren sechste Staffel im Frühjahr 2000 ausgestrahlt wurde. Am 4. März wurde in der ARD ein "Spott-Light Spezial" ausgestrahlt, Anlass für die Jubiläums-Gala war das 40-jährige Jubiläum des Kabaretts "Die Wühlmäuse" und dessen Umzug zum neuen Domizil im ehemaligen "Amerika-Haus" am Theodor-Heuss-Platz. Immerhin bezeichnete kein Geringerer als ARD-Programmdirektor Günter Struve "SpottLight" als einen der wenigen qualitätsvollen und quotenbringenden Garanten. Darauf Hallervorden: "Möchte dem Mann in diesem Punkt ausnahmsweise nicht widersprechen!" Einen schönen Erfolg feierte Hallervorden schließlich mit der Hauptrolle in "Sein letztes Rennen" (2013), für die er mit dem Deutschen Filmpreis als bester Hauptdarsteller geehrt wurde.

Im Dezember 2000 meldete sich Dieter Hallervorden mit 12 Folgen der Theater-Sitcom "Zebralla!" zurück. Weitere Film- und TV-Arbeiten mit Dieter Hallervorden: "1 1/2 Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde" (2008), "Armee der Stille" (2009), "Kissenschlacht", "Die zertanzten Schuhe" (beide 2011), "Das Kind", "Das Mädchen und der Tod" (beide 2012).


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