Die neue britisch-amerikanische Science-Fiction-Serie nach Kurzgeschichten Philip K. Dicks ("Blade Runner") erzählt zehn Szenarien, wie es der Menschheit in naher und ferner Zukunft gehen könnte.

Eine betagte Dame will die Erde sehen, von der die Großmutter erzählte. Das Problem: Der Planet existiert nicht mehr. Die Menschheit lebt längst in anderen Regionen der Galaxis. Zwei gelangweilte Weltraum-Touristenführer wollen der gut zahlenden Rentnerin den Trip dennoch ermöglichen. Sie starten eine Fake-Reise zum blauen Planeten.

Es sind Storys wie "Impossible Planet", eine 1953 veröffentlichte, elfseitige Kurzgeschichte Philip K. Dicks, die das Werk des amerikanischen Autors auch heute noch relevant machen. Nicht nur, dass Dicks Geschichten ungeheuer klug und spannend erzählt sind. Sie waren zur Zeit ihres Entstehens geradezu visionär in Sachen Zukunft. Künstliche Intelligenz, Fragen der Ethik in Zeiten "neuer Möglichkeiten" und nicht zuletzt die Entwicklung der politischen Systeme – all diese Sujets wusste der 1982 mit nur 53 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls verstorbene Autor zu bedienen. Nun macht die Amazon-Serie "Philip K. Dick's Electric Dreams" zehn seiner Geschichten zu Kurzfilmen.

Philip K. Dick darf getrost als wichtigster Vorlagenschreiber des Filmgenres Science Fiction bezeichnet werden. Hollywood-Produktionen wie "Blade Runner", "Minority Report" oder "Total Recall", auch die Amazon-Serie "Man In The High Castle" beruhen auf seinen literarischen Vorlagen. Auf die Idee, zehn seiner Geschichten in rund 45 Minuten lange Kurzfilme zu gießen, kam allerdings nicht Amazon, sondern der britische Privatsender Channel 4. Dort feierten die Filme auch im Wochenrhythmus seit September 2017 ihre Weltpremiere. Weitere Märkte, zum Beispiel die USA oder Deutschland, werden allerdings via Amazon Prime bedient. Konzeptionell erinnert "Philip K. Dick's Electric Dreams" stark an eine andere Serie, die Channel 4 aus der Taufe hob. "Black Mirror", dessen dritte und die gerade angelaufene vierte Staffel von Netflix realisiert wurde, zeigte zuvor schon überaus spannende Zukunftsszenarien der Menschheit, die vom britischen Autor und Produzenten Charlie Brooker erdacht wurden.

Prominente Darsteller

Wie "Black Mirror" ist "Philip K. Dick's Electric Dreams" eine sogenannte Anthologie-Serie, die mit jeder Folge eine neue Geschichte mit neuem Personal erzählt. Im neuen Amazon-Programm sind es Lebenswelten, die sich manchmal recht nah an der Gegenwart orientierten wie in "The Commuter". Timothy Spall ("Mr. Turner - Meister des Lichts") spielt darin einen kleinen Bahnangestellten, der eine neue, geheime Haltestelle seiner Züge entdeckt. Hier verlassen Pendler den Zug, die sich in einer unbeschwerten Kleinstadt von ihren Traumata befreien lassen. Das Problem: auch ihr wirkliches Leben verändert sich mit und so findet der Mann zu Hause, dass er niemals jenen Sohn hatte, mit dem er zuletzt so viele Probleme hatte.

Andere Episoden wie der besagten Space-Trip mit der legendären Geraldine Chaplin oder die mit Steve Buscemi besetzte Folge "Crazy Diamond" betreten hingegen Welten, die äußerst futuristisch sind und die das Leben der Menschheit in hunderten von Jahren thematisieren. Ohnehin ist die Besetzung der Serie fast durch die Bank weg prominent: Bryan Cranston aus "Breaking Bad", der das gesamte Projekt mitproduzierte, tritt in der Folge "Human Is" als Hauptdarsteller auf. Weitere Stars sind Anna Paquin aus "True Blood" in der Folge "Real Life" oder auch die "Game of Thrones"-Stars Richard Madden ("The Hood Maker") und Liam Cunningham ("Human Is").

Nicht alle Geschichten sind exzellent

Die Qualität der Episoden ist unterschiedlich, erreicht aber nicht den extrem hohen Standard der "Channel 4"-Vorläuferproduktion "Black Mirror". Manche der Folgen leiden darunter, dass bestimmte Plots wie die geheime Übernahme unserer Mitmenschen durch Aliens wie in "Father Thing" mit "Little Sunshine"-Star Greg Kinnear längst zum gut durchdeklinierten Allgemeingut des Science Fiction-Genres gehören. Andere Episoden wie "The Impossible Planet" erzählen hingegen eine starke Geschichte mit ebensolchen Schauspielern, können aber in Sachen Optik nicht vollends überzeugen.

Trotz dieser Makel ist "Philip K. Dick's Electric Dreams" sehenswert. Der Grund dafür ist: Oft sieht man exzellente Geschichten. Die meisten Plots des jung verstorbenen Sci-Fi Propheten Philip K. Dick, der einen Großteil seines erwachsenen Lebens auf Drogen und in Arbeitswut verbrachte, sind eben immer noch um Klassen besser als das, was sich "zukunftsorientierte" Drehbuchautoren heute ausdenken.


Quelle: teleschau – der Mediendienst