Wahrscheinlich träumt jeder Schauspieler von genau so einer Rolle, wie sie Gil Ofarim ergattert hat: Im ARD-Film "Das Wasser des Lebens" spielt er einen waschechten Märchenprinzen.

Ja, so sans, die Prinzen: Als Teenager wurde Gil Ofarim für eine Foto-Love-Story in der Jugendzeitschrift "Bravo" entdeckt, in der er einen Musiker darstellte. Daraus entwickelte sich eine Musikkarriere, später kamen die Schauspielerei, das Synchronsprechen und das Modeln hinzu. Auch wenn die Jahre des ganz großen Hypes um seine Person passé sind und der Münchner inzwischen weitgehend unbehelligt von Fanhysterie lebt, arbeitete er unentwegt weiter an seiner Karriere.

In diesem Jahr brillierte der vielseitig begabte 35-Jährige etwa auch als Tänzer und Erstplatzierter von "Let's Dance" (RTL). Jetzt sorgt der Frauenschwarm in einer klassischen Mantel- und Degenrolle wieder einmal als Schauspieler für Furore: als intriganter Prinz im ARD-Märchenfilm "Das Wasser des Lebens" (Montag, 25. Dezember, 14.15 Uhr, Das Erste) – eine echte Traumrolle.

Im Interview spricht Gil Ofarim über das Leben als die beste Schule und verrät, worauf er sich im kommenden Jahr besonders freut.

prisma: Ihr Märchen-Film wird an Weihnachten ausgestrahlt. Wie verbringen Sie persönlich die Festtage?

Gil Ofarim: Im Kreis meiner Familie. Als Kind eines jüdischen Vaters haben wir Weihnachten früher nicht gefeiert. Inzwischen ist es ein schöner und wichtiger Brauch für mich geworden, vor allem seit ich selbst Kinder habe. Die Familie kommt zusammen, man isst, man feiert. Und man kommt ein bisschen zur Ruhe, das finde ich gut.

prisma: Mit dem Weihnachtsfest neigt sich auch das Jahr dem Ende zu. Wenn Sie ein Resümee ziehen müssten, was war Ihr persönliches Highlight der vergangenen zwölf Monate?

Ofarim: Die Geburt meiner Tochter Anfang des Jahres. Und die Feier zum 80. Geburtstag meines Vaters. Dass meine Kinder mit ihrem Opa diesen Tag feiern konnten, und wir alle gemeinsam gesungen haben, das war wunderschön.

prisma: Gibt es Dinge im nächsten Jahr, auf die Sie sich jetzt schon freuen?

Ofarim: Ja, anlässlich meines 20-jährigen Bühnenjubiläums gehe ich auf Solo-Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Da bin ich ehrlich gesagt schon ein bisschen aufgeregt.

prisma: Sie geben in "Das Wasser des Lebens" den nicht ganz so klassischen Märchenprinzen – eine tolle Rolle, aber der Mann hat einen etwas fragwürdigen Charakter!.

Ofarim: Ja (lacht). Der Prinz weiß, was er kann, wer er ist, und er weiß vor allem, was wer will: nämlich die Krone. Er ist nicht gerade der Sympathischste, aber er ist trotzdem ein charmanter Mann, wie ich finde.

prisma: War es leicht, sich mit dieser Figur zu indentifizieren?

Ofarim: Nun ja, ich dränge mich nicht so gerne in den Mittelpunkt wie er. Zudem bin ich jemand, der nach dem Prinzip "Leben und leben lassen" handelt, das kann man vom Prinzen nicht unbedingt behaupten. Was uns verbindet: Auch ich habe einen Vater und einen Bruder und finde diesen Kampf der Brüder um die Gunst des Vaters spannend. Andererseits ist es erschreckend zu sehen, wie weit jemand gehen würde, um sein Ziel zu erreichen. Es hat mich schon sehr gereizt, so einen Fiesling darzustellen. Ich konnte mich austoben. Bislang habe ich ja immer nur Helden verkörpern dürfen, da ist der Handlungsspielraum eingeschränkter. Es war der Reiz des Neuen.

prisma: Kamen da Facetten in Ihnen zum Vorschein, die Sie bislang nicht kannten?

Ofarim: Nicht unbedingt. Aber ich hatte schon meine Erfolgserlebnisse (lacht): Als die Klappe fiel und zwei Leute am Set unabhängig voneinander sagten: "Was für ein fieses Arschloch", dann hatte ich mein Ziel als Schauspieler in diesem Moment erreicht. Es gab außerdem großartige und intensive Szenen zwischen mir und meinem Film-Vater (gespielt von Matthias Brenner, d. Red). Etwa als ich ihn davon überzeugen will, meinen Bruder zu töten. Da war es mucksmäuschenstill am Set, so eine Situation geht einem tatsächlich nahe.

prisma: Wie ist das Verhältnis zu Ihrem eigenen Bruder? Kennen Sie Machtkämpfe?

Ofarim: Überhaupt nicht. Wir sind ein Herz und eine Seele. Wir lieben uns und stehen in regem Austausch miteinander. Ich habe ein inniges Verhältnis zu meiner Familie.

prisma: Sie haben gesagt, dass Sie sich nicht gern in den Mittelpunkt drängen. Wie ist es dann, in der Öffentlichkeit zu stehen?

Ofarim: Das ist ein Teil meines Jobs. Wenn ich nicht gerade Filme drehe, bin ich Musiker, ich bin der Frontmann einer Band, gehe auf Tournee, gebe Konzerte, da steht man zwangsläufig im Zentrum der Aufmerksamkeit. Das mache ich auch gerne, es ist mir jedoch nicht wichtig. Ich bin definitiv nicht derjenige, der bei Red Carpet-Veranstaltungen am lautesten in Richtung Kameras schreit.

prisma: Neben Ihrer Arbeit als Schauspieler und Musiker, treten Sie als Synchronsprecher und Model in Erscheinung. In welcher Rolle fühlen Sie sich denn am wohlsten?

Ofarim: Es ist die Mischung. Ich bin wirklich dankbar für das Leben, das ich führen darf, und die Abwechslung, die ich dadurch habe. Ich könnte mich gar nicht für eine Tätigkeit entscheiden.

prisma: Gibt es weitere Berufe, die Sie gerne ausprobieren würden?

Ofarim: Ich liebe die Fotografie. Es würde mich reizen, einen eigenen Bildband zu machen. Aber so weit bin ich noch lange nicht.

prisma: Was fotografieren Sie denn?

Ofarim: Menschen und Situationen. Aktuell bin ich wohl der verrückteste Kinderfotograf der Welt. Vermutlich würden das auch andere junge Väter von sich behaupten.

prisma: Haben Sie sich das Fotografieren selbst beigebracht?

Ofarim: Ja, ich habe nichts von dem, was ich mache, gelernt. Ich war auf keiner Musikschule, ich war auf keinem Konservatorium, ich war auf keiner Schauspielschule, und das Synchronsprechen habe ich mir ebenfalls selbst beigebracht. Ich sage immer: Sauge alles auf, was du nur kannst, vergiss es dann schnell wieder und mache deinen eigenen Stiefel draus!

prisma: Woher kommt das Können dann, ist es Talent, Disziplin? Oder ist es der Mut, Dinge einfach zu machen?

Ofarim: Mein Vater hat mir einen wichtigen Satz mit auf den Weg gegeben: "Wenn du etwas wirklich willst, dann schaffst du es." Gemäß diesem Credo lebe ich. Andererseits weiß ich: "Von nichts kommt nichts." Man muss üben, man muss trainieren, man muss hart arbeiten. Wenn man das akzeptiert hat, dann kann man wirklich alles schaffen.

prisma: Gab es Situationen, in denen Sie an die Grenzen des Machbaren gestoßen sind?

Ofarim: An meine Grenzen stoße ich oft, und das ist wichtig und gut so. So bleibt man mit den Füßen auf dem Boden und merkt gleichzeitig, woran man weiterarbeiten muss. Insofern, ja, ich gelange öfters an meine Grenzen, aber das heißt nicht, dass ich dann aufgebe.


Quelle: teleschau – der Mediendienst