ZDF-Talkshow

Hendrik Streeck bei Lanz: "Das Virus bleibt uns lebenslang erhalten"

Coronavirus und kein Ende: Auch am Donnerstag wurde bei Markus Lanz wieder über Eigenverantwortung und staatliche Einschränkungen diskutiert. Virologe Hendrik Streeck machte deutlich, dass das Virus so schnell nicht verschwinden werde.

Aktuell kursieren alle paar Tage Erfolgsmeldungen zum vermeintlich erlösenden Corona-Impfstoff, der uns zurück in die Normalität führen soll. Virologe und Talk-Stammgast Hendrik Streeck erteilte am Donnerstag bei "Markus Lanz" jedoch allen Hoffnungen, das Virus könne zeitnah besiegt werden, eine herbe Abfuhr. "Das Virus ist da und bleibt uns lebenslang erhalten", stellte Streeck klar. Beim Kampf gegen COVID-19 handle es sich um einen "Marathon", nicht um einen Sprint. Diese Aussage war jedoch nicht als reines Alarmsignal zu verstehen, viel mehr gab sich der Bonner Virologe betont entspannt. Es gelte eben nun, für jeden Bereich "pragmatische Lösungen" zu finden.

Gastgeber Lanz wollte wissen, "wie viele akute Infektionsfälle" es gerade in Deutschland gebe. "Von 100 Prozent aller Infizierten müssen fünf Prozent stationär im Krankenhaus behandelt werden", ordnete Streeck die Situation ein. Die Lage sei aktuell demnach nicht sonderlich dramatisch. Ohnehin rät der Bonner Virologe öfters davon ab, ständig auf aktuelle Infektionszahlen zu schauen. "Ich will das Virus damit nicht kleinreden", betonte er, "aber wir sollten klären: Wo wollen wir hin, was ist unser Kompass." Michel Friedmann, ebenfalls zu Gast, ordnete diese Zahlen allerdings schnell anders ein: "Wenn Sie das aber auf eine Million nehmen, sind 50.000 Menschen schwer erkrankt. Bei zehn Millionen haben sie schon eine halbe Million Menschen, die schwer erkranken. So gesehen ist das doch alles keine Fata Morgana!"

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Grundsätzlich war man sich in der von Lanz als "kontroverse Runde" angekündigten Talk-Sendung überraschend einig, was die Verhältnismäßigkeit der staatlichen Corona-Einschränkungen angeht – kontrovers ging es eher nicht zu. Soziologe Harald Welzer, der gemeinsam mit Friedmann sein streitbares Interview-Buch "Zeitenwende – Der Angriff auf Demokratie und Menschenwürde" bewarb, sagte nach einem Einspieler zu einer Anti-Masken-Demo etwa: "Eine Maske ist keine Einschränkung, die so substanziell ist, dass man dafür plötzlich auf die Straße gehen muss."

Eigenverantwortung war hinsichtlich der Corona-Pandemie das Stichwort bei "Markus Lanz". So fand es Welzer wesentlich interessanter, "dass wir seit vielen Monaten eine Situation haben, wo die Übernahme von Verantwortung bei wahnsinnig vielen Leuten funktioniert". Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, könne auch auf die gesamte Demokratie übertragen werden. "Dass wir vielleicht lernen, dass eine Demokratie nur funktioniert, wenn sich die Bürgerinnen und Bürger selber als verantwortlich dafür empfinden." Trotz Markus Lanz' Versuchen, den Konsens in der Runde mit seinen Fragen aufzubrechen: Hierin waren sich alle einig.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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