Neue ZDF-Serie

"Fritzie – Der Himmel muss warten": Wenn eine Diagnose alles ändert

von Eric Leimann

In der ersten Szene der neuen ZDF-Serie "Fritzie – Der Himmel muss warten" bekommt die Hauptfigur die niederschmetternde Diagnose: Brustkrebs. Publikumsliebling Tanja Wedhorn und ein für ZDF-Verhältnisse überraschend modernes Drehbuch könnten die Serie zum Erfolg machen.

ZDF
Fritzie – Der Himmel muss warten
Miniserie • 01.10.2020 • 20:15 Uhr

Es gibt in dieser Serie keine Fritzie ohne Krebs. Gleich in der ersten Szene macht eine Ärztin Lehrerin Fritzie Kühne (Tanja Wedhorn, "Praxis mit Meerblick") deutlich, dass sie schwer krank ist: Brustkrebs, der schon die Lymphknoten befallen hat. Die Endvierzigerin, Mutter von Teenager-Sohn Florian (Nick Julius Schuck) und Frau des Kriminalpolizisten Stefan (Florian Panzner), wird sich einer Brustentfernung mit anschließender Chemotherapie unterziehen müssen. Doch Fritzie flieht erst mal aus der unwirklichen Situation des Arztsprechzimmers zurück in ihr altes Leben. In jenem arbeitet sie als engagierte Lehrerin an der Seite ihrer Freundin und Schulleiterin Selma (Neda Rahmanian), sie ist Pädagogin aus Leidenschaft. Also gilt es, bulimische Schülerinnen, die von einer Modelkarriere träumen, zurück in ein gesundes Teenagerleben zu führen oder die wütende Energie einer Fridays-for-Future-artigen Bewegung an der Schule in konstruktiven Bahnen zu halten.

Irgendwann macht es jedoch keinen Sinn mehr, die Krankheit zu leugnen und so zu tun, als gäbe es das neue belastete Leben nicht. Fritzie öffnet sich, manchmal brutal und ihre Umwelt überrumpelnd, sie erzählt von ihrer Krankheit. Nur dass Nötigste meistens, denn Fritzie ist eine Kämpferin, die es nicht mag, wenn sich andere in übermäßiger Sorge um sie befinden oder gar Mitleid aufkommt.

HALLO WOCHENENDE!
Noch mehr TV- und Streaming-Tipps, Promi-Interviews und attraktive Gewinnspiele: Zum Start ins Wochenende schicken wir Ihnen jeden Freitag unseren Newsletter aus der Redaktion.

Über sechs Episoden, in der linearen ZDF-Ausstrahlung werden sie jeweils am Donnerstag, 20.15 Uhr, in Doppelfolgen gezeigt, entfaltet sich so die Reise eine Frau in ihr neues Leben mit Krebs. Wer auf die ZDF-Mediathek zurückgreift, kann die Miniserie übrigens bereits seit 24. September komplett abrufen. Das Besondere am Drehbuch von Headautorin Kerstin Höckel, die fast genauso alt wie Hauptdarstellerin Wedhorn ist, liegt in der Umsetzung dieser an sich dramatischen Krankengeschichte. Über den Krebs entdeckt nämlich Fritzie das Leben neu. Was ist ihr wirklich wichtig an der Arbeit mit den Jugendlichen an der Schule? Will sie mit Langzeitpartner Stefan, der alles für sie tun will, tatsächlich zusammenbleiben? Und was sagen eigentlich die Frauen in der Selbsthilfegruppe – welche hat ihr Leben wie geändert?

"Fritzie – Der Himmel muss warten" ist zumindest für das ZDF eine ungewöhnliche Produktion, die ihr an klassischen Familienserien geschultes Mainstream-Publikum aber fest im Blick hat. Die Tonalität der viereinhalb Stunden ist heiter-melancholisch, die Serie vemischt Dramatisches mit Komödiantischem. "Dramedy" sagt man dazu gerne beim Privatfernsehen, wobei die angestrebte Gleichzeitigkeit von Lachen und Weinen manchmal in einem argen Krampf endet. Der Sender VOX hatte in den letzten Jahren ein recht gutes Händchen für derlei Produkte, angefangen beim gefeierten Jugendprodukt "Club der roten Bänder" bis hin zur leider viel zu wenig beachteten und nach nur einer Staffel beendeten brillanten Familienserie "Das Wichtigste im Leben" mit Jürgen Vogel und Bettina Lamprecht.

Wenn nun das ZDF eine ähnliche Stimmung und Erzählweise wählt, ist das für den Mainzer Sender ein durchaus etwas gewagter Schritt, da man nicht weiß, ob die ambivalenten Gefühle samt Abschreckthema Krebs von einem älteren Traditionspublikum goutiert wird. Dank Publikumsliebling Tanja Wedhorn, die auch diese Hauptrolle authentisch sympathisch verkörpert, könnte es jedoch gelingen.

Ansonsten müsste man auf einen Erfolg in der Mediathek – mit ihrem jüngeren Publikum – und eine erfolgreiche Weitervermarktung auf anderen Plattformen hoffen. Andere Fernsehnationen sind mit komödiantisch konfundierten "Krebsserien" schon weiter. Die fantatische Laura Linney, vielleicht ein wenig "Fritzie"-Vorbild, gewann bereits 2011 einen Golden Globe als "Beste Hauptdarstellerin Comedy/Musical", eine Emmy-Nominierung gab's für die Rolle einer Hausfrau mit Krebsdiagnose zudem. Das Problem des Plots ist natürlich, dass ein Serientod der Protagonistin eine Weiterführung der Erzählung ausschließt, während ein ewiges Hin und Her zwischen (Krankheits)drama und Erlösung irgendwann überkonstruiert wirken könnte. Bei "The Big C" war nach vier Staffeln Schluss. "Fritzie" muss zunächst mal die erste überleben.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH