Promis schlagen Alarm

Ist die Kultur nach dem Lockdown noch zu retten?

Sie gehören zur Branche, die der neue Lockdown wohl am stärksten trifft: Künstler und Veranstalter. In einem offenen Brief fordern sie unter dem Label "Alarmstufe Rot" nun die Politik zum Handeln auf – und werden dabei von Promis wie Bela B, Peter Maffay und Campino unterstützt.

Der Name ist Programm: Die Initiative Alarmstufe Rot vertritt Comedians, Musikern und alle Menschen, die in der Veranstaltungsbranche tätig sind, und gibt ihnen eine Stimme. Die Kulturbranche, die seit Beginn der Corona-Pandemie ohnehin schwer zu kämpfen hat, fühlt sich nach den Beschlüssen des "Wellenbrecher-Lockdowns" am Mittwoch von der Politik im Stich gelassen. In einem von zahlreichen prominenten Unterstützern unterzeichneten Statement macht man unter dem Hashtag #alarmstuferot dem Ärger der deutschen Künstler Luft – und fordert konkrete Veränderungen.

"Helfen Sie uns! Jetzt! Sonst werden wir in ein paar Monaten kulturell ein ärmeres Land sein. Vieles von dem, was dann verschwindet, wird nicht wiederkommen", macht das Statement auf die Bedeutung der Kultur und die Dringlichkeit ihrer Anliegen aufmerksam. "Damit wird nicht nur produktiven Mitgliedern eines Wirtschaftssystems die Lebensgrundlage genommen, sondern eine Gesellschaft ihrer Seele beraubt." Gerade die Veranstaltungsbranche habe extreme Mühen auf sich genommen, um den Menschen ein sicheres Kulturerlebnis zu ermöglichen, ihre Anliegen würden trotzdem nicht berücksichtigt. "Damit war der Kulturbetrieb ein konstruktiver Teil der Lösung und nicht des Problems. Der politische Dank für diese Arbeit bleibt – mit Ausnahme folgenloser Lippenbekenntnisse – weitgehend aus."

Deshalb schlagen namhafte Künstler aus der Musikbranche nun Alarm: Unter anderem wurde das Statement von Bela B, den Donots, The BossHoss, Peter Maffay und Niedeckens BAP unterzeichnet. Die Anzahl prominenter Comedians liegt noch höher: Carolin Kebekus, Felix Lobrecht, Hazel Brugger, Bastian Pastewka, Mario Barth und viele mehr fordern ein Umdenken der Politik. Konkret: Eine Zusammenarbeit mit der Initiative, nützliche Finanzhilfen, einheitliche Szenarien, die eine Perspektive ermöglichen und das Schaffen von Vertrauen in größere Veranstaltungen. Adressiert ist der offene Brief an Monika Grütters, Hubertus Heil, Peter Altmaier, Olaf Scholz und Jens Spahn.

Die bisher ausgezahlten staatlichen Hilfen würden vor allem die Fixkosten decken, von denen die meisten Künstler aber nicht betroffen seien. Stattdessen würden private Ausgaben wie Wohnungsmieten und Krankenversicherungsbeiträge – für die die Hilfen nicht eingesetzt werden dürfen – die Existenz bedrohen. "Die Situation ist vielerorts so ernst, dass manche Unternehmer und Selbstständige sich bereits aus purer Verzweiflung das Leben genommen haben", heißt es weiter in dem offenen Brief.

Bereits am Mittwoch demonstrierte Alarmstufe Rot in Berlin für die Interessen der Veranstaltungsbranche, in der 1,7 Millionen Menschen beschäftigt sind. "Offensichtlich hat die Politik den Sommer verschlafen", kritisierte Campino, der Sänger der Toten Hosen. Wenn der Staat nicht handele, könne "all das, auf das sich die Leute freuen, wenn die Pandemie vorbei ist, dann weg sein."


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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