Komödie im ZDF

"Matze, Kebab und Sauerkraut": Überdreht und witzig mit bester Besetzung

von Sarah Kohlberger

Hakim und Noah sind verliebt in dieselbe Frau – und plötzlich wird ihre Religion zum Thema. "Matze, Kebab und Sauerkraut" ist eine quirlige, witzige Culture-Clash-Komödie mit vielen Klischees.

ZDF
Matze, Kebab und Sauerkraut
Culture-Clash-Komödie • 29.10.2020 • 20:15 Uhr

Hakim (Omar El-Saeidi) und Noah (Franz Dinda) sind allerbeste Freunde – und haben den gleichen Frauengeschmack. Schon im Kindesalter verliebten sie sich in dasselbe Mädchen. Viele Jahre später, beide Männer sind inzwischen 30 Jahre alt, wiederholt sich das Drama: Hakim und Noah sind beide schockverliebt, und stellen zu ihrem Entsetzen fest, dass es sich um ein und dieselbe Frau handelt. Das allein ist schon verwirrend genug. Doch Regisseur Christoph Schnee setzt noch einen drauf und bringt in "Matze, Kebab und Sauerkraut" die Religion mit ins Spiel – heraus kommt eine herrlich witzige, mit Klischees überfrachtete Culture-Clash-Komödie, die das ZDF nun erstmals im Free-TV zeigt.

Dem Juden Noah und dem Muslim Hakim war es immer völlig egal, welcher Religion sie angehören – sie sind Freunde, und das kann nichts und niemand ändern. Ihre kulturellen Unterschiede werden einfach mit einem Schmunzeln hingenommen. Auch ihre Familien verstehen sich prächtig: Während sich die Mütter für Tratsch und Klatsch gerne auf der Straße treffen, sitzen die Väter regelmäßig für eine Partie Backgammon zusammen vor ihren gegenüberliegenden Geschäften in Berlin.

Wenn es aber um die zukünftigen Enkel geht, ist mit den beiden Familien nicht zu spaßen. Denn bei der Auserwählten handelt es sich um Charlotte (Christine Eixenberger). Eine Christin? Aus Bayern? Blond, groß, blaue Augen? Nein, was sollen das denn für Enkel werden? Nun werden doch alle kulturellen Eigenheiten und Traditionen der Muslime und Juden aufgefahren und dabei jegliches Klischee bedient – und zwar so extrem, dass Noah auch schon mal der Kragen platzt: "Seid einfach so wie immer! Aber anders!"

Auch Charlotte ist nicht vor Klischees sicher: Als die große, blonde, blauäugige Traumfrau mit den beiden Jungs Essen geht, bestellt sie Schweinshaxe für alle. Die beiden Verehrer beißen natürlich hinein, wenn auch zögerlich und mit verzogenem Gesichtsausdruck. Doch die spontane Sünde ist ihnen egal, ebenso, was ihre Eltern über ihre zukünftige Schwiegertochter denken. Die Freunde wollen nur eins: Charlotte erobern – koste es, was es wolle. Dass die Zukünftige da auch ein Wörtchen mitzureden hat, ist den beiden egal.

Die ziemlich überdrehte Culture-Clash-Komödie punktet mit bester Besetzung: Glanzstücke sind die muslimischen Eltern Abu Yazid, von Adnan Maral und Şiir Eloğlu verkörpert, und die jüdischen Eltern Hirschman, gespielt von Andrea Sawatzki und Francis Fulton-Smith. Als Noah aus Liebeskummer zu sterben droht, und seine Mutter (Sawatzki) sich rührend um ihn kümmert, stellt Daniel Hirschman (Fulton-Smith) nur trocken fest: "Wegen Liebeskummer sterben, ist eine gute alte jüdische Tradition." Und auch die Nebenrollen können sich sehen lassen: Während Wilson Gonzalez Ochsenknecht als reicher Schnösel Klaus ordentlich was auf den Deckel bekommt, darf Götz Otto, als der "C-Promi, den kein Mensch mehr kennt", in einem Eisbärkostüm aushelfen.

Regisseur Schnee, der bereits bei TV-Produktionen wie "Die Harald Schmidt Show" (1997 bis 1998), "Alles Atze" (2002 bis 2004) oder "Mord mit Aussicht" (2008 bis 2012) seine Hände im Spiel hatte, schuf eine turbulente Komödie, die mit starkem Timing und Gespür fürs Menschliche punktet. Das Spiel mit den Klischees und Vorurteilen gegenüber Juden und Muslimen ebenso wie gegenüber Christen ist ein schmaler Grat, der hier aber gekonnt gemeistert wird.

Ab und an öffnet Schnee die vierte Wand, um die Schauspieler direkt mit den Zuschauern kommunizieren zu lassen, oder streut Szenen zwischen Hakim und Noah ein, die stark an Filmklassiker wie "Spiel mir das Lied vom Tod" oder "Die drei Musketiere" erinnern: Einmal treten sich die beiden Freunde sogar mit Schwertern gegenüber, um auszukarteln, wer denn nun Charlotte bekommen solle. Eine schwierige Dreiecksbeziehung – doch am Ende findet sich ein Weg, der aus dem Dilemma zwischen Religion, Liebe und Freundschaft herausführt. Und zwar, so viel sei verraten, einer, mit dem tatsächlich alle zufrieden sind.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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