"Und morgen die ganze Welt"

Wie gut ist der deutsche Oscar-Beitrag?

Das politische Drama "Und morgen die ganze Welt" soll einen Oscar für Deutschland holen. Zuletzt gelang das einem deutschen Film vor 13 Jahren.

Deutschland schickt ein politisches Drama ins Rennen um die Oscars: "Und morgen die ganze Welt" wurde in München als deutscher Beitrag für die Academy Awards bekanntgegeben. "Ein sehr persönlicher Film mit großer, emotionaler Wucht", hieß es in der Begründung der Jury. Heute, da die Demokratie unter Druck gerate, stelle der Film laut Jury die Frage, ob Gewalt gerechtfertigt oder notwendig sei. In dem Drama, das heute (29.10.) in den Kinos startet, schließt sich eine junge Frau der Antifa an und sieht sich mit der Gewaltfrage konfrontiert. Regisseurin Julia von Heinz weiß um das Milieu, von dem sie erzählt.

"Politische Anliegen zu vermitteln, kenne ich sehr gut aus der Arbeit in der linken Szene", sagt die Berliner Regisseurin, die bislang eher durch den Kinderfilm "Hanni & Nanni 2" und die Hape-Kerkeling-Verfilmung "Ich bin dann mal weg" bekannt wurde. "Man will seinen Zuschauer erziehen, trägt praktisch die Fackel der Wahrheit durchs Land, und andere Meinungen lässt man kaum gelten. All das habe ich lange hinter mir gelassen", so von Heinz.

Der Film, der seine Weltpremiere im September bei den Filmfestspielen in Venedig feierte, stellt eine von Mala Emde verkörperte junge Frau namens Luisa in den Mittelpunkt. Die Studentin stammt aus einer wohlhabendem, konservativen Familie. Bald kommt sie mit einem linksalternativen Wohnprojekt in Mannheim in Kontakt, für das sie sich bald engagiert. Gemeinsam gehen sie auf Demonstrationen, sammeln Informationen über bekannte Rechtsradikale. Einmal, bei einem Protest gegen eine rechte Partei (die hier zwar anders heißt, aber doch sehr an die AfD erinnert), eskaliert der Protest. Luisa wird verletzt, findet aber auch Gefallen an der körperlichen Auseinandersetzung mit den Rechten. Sie radikalisiert sich zunehmend, auch Gewalt akzeptiert sie bald als Möglichkeit des politischen Protests.

Im vergangenen Jahr hatte Deutschland das Sozialdrama "Systemsprenger" ins Oscar-Rennen geschickt – allerdings vergeblich: Der Film erhielt keine Nominierung, am Ende gewann schließlich der südkoreanische Beitrag "Parasite", der unter anderem auch als bester Film prämiert wurde. Zuletzt war Florian Henckel von Donnersmarcks Film "Werk ohne Autor" 2019 für den sogenannten Auslands-Oscar nominiert, unterlag aber dem Drama "Roma" des Mexikaners Alfonso Cuarón. Henckel von Donnersmarcks Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" war 2007 der letzte deutsche Spielfilm, der einen Oscar gewann.

Ausgewählt wurde der deutsche Oscar-Beitrag von einer Jury, die aus Repräsentanten von acht verschiedenen deutschen Film-Organisationen besteht, darunter auch Senta Berger als Mitglied der Deutschen Filmakademie. Beauftragt wurde die Jury von German Films, der Auslandsvertretung des deutschen Films. Ob "Und morgen die ganze Welt" tatsächlich eine Chance auf einen Oscar-Gewinn bekommt, liegt allerdings in den Händen der Academy of Motion Picuture Arts and Sciences in Los Angeles: Sie verkündet voraussichtlich am 5. Februar 2021, welche fünf Werke ins Rennen um den Preis als bester internationaler Spielfilm gehen. Vergeben werden die Oscars schließlich am 25. April 2021 – sofern die Corona-Pandemie diesem Zeitplan keinen Strich durch die Rechnung macht.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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