Psychologe Paul hat im zweiten Film der Reihe "Käthe und ich" ganz schön viele Probleme. Nicht nur die Sorge um seine Frau – sie liegt im Wachkoma – treibt ihn um. Plötzlich taucht auch noch ein Baby auf, das angeblich sein Kind ist.

Paul Winter (Christoph Schechinger) macht wieder Schweres durch, obwohl es zu Beginn des zweiten Films der neuen Freitags-Reihe "Käthe und ich" ja erst mal ganz anders aussieht. Da jagt auf dem Gemeinschaftshof (mit Tierarztpraxis!) die Shepherd-Hündin Käthe, die sonst Paul immer so segensreich bei seinen Therapien begleitet, einer Gans hinterher. Und wer da sagt, es wäre Tierquälerei, ist ein Schuft. Käthe will nur spielen – und zum Lachen ist es ja auch. Andererseits ist Pauls, des Psychologen Schicksal, durchaus traurig. Nicht nur, dass seine Frau Erina (Nadja Bobyleva), vormals immerhin eine weltweit erfolgreiche Ballerina, seit einem Autounfall gelähmt im Wachkoma liegt – man will Paul auch noch zum Vater des Babys machen, dass da plötzlich so drollig in Windeln gewickelt im Garten des schönen Gemeinschaftsgehöfts an der Mecklenburger Müritz liegt.

Kleine Warnung vor dem Hunde: Rückblenden und Jetztzeit mischen sich ab sofort gewaltig (Drehbuch: Brigitte Müller, Regie: Philipp Osthus).

Der von oder wenigstens mit der besten Freundin verursachte Unfall will natürlich aufgearbeitet sein. Immerhin sind sechs Monate seit dem Unglück vergangen – eine Frist, die wenig Hoffnung weckt. Wie gut, dass es da nicht nur die vierbeinige Therapiebegleiterin Käthe gibt, sondern auch noch die gestandene Pflegerin Hildegard (Mariele Millowitsch), die alles im Griff hat und stets weiß, wie man ein schweres Leben besteht. So rät sie denn auch Paul aus ganzer Seele: "Tun Sie das ihrer Frau nicht an, den Glauben zu verlieren!" Hildegard hat ihren Job im Krankenhaus aufgegeben, weil sie die dortige Hierarchie nicht ausgehalten hat. Jetzt angelt sie erst mal "gern", sagt aber: "Fische mag ich nicht!" Wow – welch ein Rätsel.

In der Gegenwart hat Paul sich seltsamsten Unterstellungen zu erwehren. Insbesondere die befreundete Tierärztin Jule (Mona Pirzad) haut ihm viel um die Ohren, sie lässt nichts aus, um ihm irgendwelche Seitensprünge zu unterstellen. Käthe, die Hündin, schnüffelt das Baby so komisch an – lässt das nicht auf gleiche Gene schließen? Und dann ist da auch noch eine Patientin, selbst Ärztin, die der Psychologe vor Monaten behandelt hat, die dann aber so plötzlich verschwand ...

Ach, wer zählt die Schicksale auf dem Backstein-Gehöft an der silbern glänzenden, zum Szenenwechsel Drohnen-umflogenen Müritz auf? Finstere frontale Anschuldigungen, wie man sie aus Daily Soaps gut kennt, lösen sich mit allerlei Kummerkasten-Weisheiten ab. Paul, der Tiertherapeut, trifft in der "besten Freundin" auf eine Antipodin, die auf Hypnose-Therapien schwört. Und zwischendurch wird – just vor der Koma-Patientin – auch mal wieder aus Tolstois "Ana Karenina" vorgelesen: "Alle glücklichen Familien gleichen einander ..."

Bei alldem verliert der Psychologe Paul die geduldige Lebensbejahung nicht. Nicht einmal, als man ihm eine falsche DNA-Analyse beim selbst bestellten Vaterschaftstest unterstellt, verliert er die Fassung.

In diesem "Medical", wie es der Sender selbst durchaus zutreffend eingeordnet hat, ist sicher noch viel Raum für allerlei Verflechtungen unter Tier- und anderen Medizinern, wie auch Psychologen – mit und ohne Hund oder Hypnose. Allerdings sieht die Herr-und-Hund-Serie (Käthe ist wirklich drollig mit ihrem ewigen Schlafzimmerblick) auch ganz so aus, als wäre sie samt Zeitsprüngen, Hundedressur und Drohnenflügen über Mecklenburg dem Konzept einer langlaufenden Vorabendserie entstiegen. (Teil drei und vier wurden soeben abgedreht.)


Quelle: teleschau – der Mediendienst