Grenzübergreifende Ermittlungen bei der SOKO: In einer Sonderfolge trifft das Team aus Leipzig auf die Kollegen aus Wien. Das Crossover funktioniert.

Mit "Der dritte Mann" erschien 1949 Carol Reeds berühmter Thriller, in dem sich Orson Welles ins Wien der Nachkriegszeit begibt. 70 Jahre später verschlägt es die Ermittler der "SOKO Leipzig" nun unter dem Titel "Der vierte Mann" zu den Kollegen in die österreichische Hauptstadt – und umgekehrt. Erstmals ermitteln die Leipziger und Wiener zusammen in einem Fall – und besuchen sich dafür gegenseitig. Das Crossover funktioniert: Wenn das eingespielte Messestadt-Team um Ines Zimmermann (Melanie Marschke) auf die österreichische Lässigkeit der Ermittler um Stefan Jürgens' Carl Ribarski trifft, ergibt sich tatsächlich eine bislang ungesehene "SOKO"-Dynamik.

Koproduziert von ZDF und ORF, dreht sich die gemeinsame "SOKO"-Sonderfolge zunächst um den Wiener Stargeiger Philipp Baumgarten, der nach einem Gastspiel im Gewandhaus Leipzig entführt wird. Verschwunden ist auch seine Geige. Um zu klären, welchen Wert das Instrument besitzt, fragen die Ermittler die SOKO-Kollegen aus Wien an. Als diese den zuständigen Geigenbauer schwer verletzt auffinden wird klar: Es handelt sich um einen gemeinsamen länderübergreifenden Fall.

Als der entführte Geiger schließlich in Leipzig gefunden wird, steht auch sein Entführer und der mutmaßliche Täter von Wien fest: Kurt Lehrmann, herausragend gespielt von Thorsten Merten, ist als Hausmeister im Gewandhaus angestellt, musste zu DDR-Zeiten aber eine langjährige Strafe absitzen. Seine Stasi-Akte ist jedoch geschwärzt, viele Hinweise auf seine Vergangenheit gibt es nicht. Als schließlich ein pensionierter Bankier ermordet wird, gilt der dauervorwurfsvoll dreinblickende Entführer als Hauptverdächtiger.

Es ist der Beginn einer Mordserie, deren Opfer einst allesamt in zwielichtige Geschäftsbeziehungen zwischen der DDR und Österreich involviert waren. Unter den Toten ist etwa ein Kunstmäzen, der einst Honorarkonsul der DDR in Österreich war. Alle Ermordeten profitierten dabei vom Vermögen einer reichen Wiener Geschäftsfrau, genannt die "Rote Fini". Mit der Zeit beginnen die Ermittler, dunkle Machenschaften und ein unheilvolles DDR-Kapitel aufzudecken, bei dem sich vieles um verschwundene Millionen des "Arbeiter- und Bauernstaats" dreht – aber auch um schwere persönliche Schicksale. In Rückblicken werden die Geschehnisse von damals angeschnitten, bisweilen allerdings recht platt. Etwa wenn ein paar Businesstypen im dunklen Hinterzimmer verschwörerisch Dinge sagen wie: "Geschäfte werden immer gemacht. Egal unter welcher Regierung wir die Gesetze umgehen".

Doch auch an persönlichen Animositäten zwischen den Ermittlern fehlt in dem wendungsreichen "SOKO"-Crossover nicht. Mentalitäten und Herangehensweisen unterscheiden sich zwischen Deutschen und Österreichern ebenso wie der Humor. Kostprobe: "Dass die DDR nicht funktioniert hat, wundert mich nicht. Mit den Abkürzungen kennt sich ja niemand aus." – "Für nen Ossi kein Problem". Und dann wäre da noch der Running Gag zwischen Ribarski und Zimmermann. Letztere weiß sich nämlich nicht mehr recht zu erinnern, ob sie bei der feucht-fröhlichen Interpol-Weiterbildung vor einiger Zeit mit ihrem Kollegen etwas angefangen hat oder nicht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst