"37°"-Reportage

"Unser verrücktes Jahr": Kleinunternehmer in der Corona-Krise

von Rupert Sommer

Eine ZDF-Reportage hat drei kleine Betriebe bei ihrem Kampf ums Überleben in der Corona-Krise begleitet. Zwischen Existenzangst und kreativen Ideen.

ZDF
37°: Unser verrücktes Jahr
Dokumentation • 09.03.2021 • 22:15 Uhr

Es sind nicht nur die Großkonzerne und gigantischen Industriebetriebe, die das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden. 40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland arbeiten in Kleinst- und Kleinunternehmen. Diese Tatsache darf man in Zeiten, in denen oft zynisch darüber gestritten, welche Tätigkeiten angeblich "systemrelevant" sind, nicht vergessen werden. Die Corona-Auflagen mit ihren Abstand- und Hygienebestimmungen, die bekanntlich bis hin zu mehrwöchigen erzwungenen Betriebsschließungen führen, treffen gerade die "Kleinen" besonders hart.

Die beiden Reporter Charlotte Gerling und Enrico Demurray haben für die ZDF-Langzeitbetrachtung "37°: Unser verrücktes Jahr" drei in Corona-Zeiten hart gebeutelten Unternehmen ein Jahr lang mit der Kamera begleitet.

Vorgestellt werden die Besitzer einer Wäscherei, eines Start-ups für Caravan-Vermittlung und eines Restaurants. Dabei zeigt der Filmbeitrag nicht nur, wie nervenaufreibend und belastend der tägliche Existenzkampf für die sympathischen, vom Selbermacher-Geist geprägten Unternehmer ist. Gezeigt werden auch kreative Ideen, mit denen sich mitten in höchster Not doch noch Auswege aus der Krise finden lassen. Alles in allem ergibt sich – an drei gut ausgewählten Beispielen – ein Spiegelbild der Gesellschaft in besonderes herausfordernden Zeiten – mit ihren Höhen und Tiefen, mit Hoffnung und Frustration, mit Einschnitten und Aufwärtstrends.

Schon der erste Lockdown im März vergangenen Jahres traf den kleinen Familienbetrieb Hausmann, eine Wäscherei in Falkensee, unerwartet hart. Zum Glück half erst einmal das staatliche Kurzarbeitergeld dabei, die Mitarbeiter zu halten und die schwerste Zeit zu überbrücken. Doch die Hausmann-Beschäftigten mussten erhebliche finanzielle Einbußen hinnehmen – und das in einer Branche, die bekanntlich keine Spitzenlöhne zahlt. Immerhin müssen weiterhin laufende Kosten, etwa für Miete und Versicherungen, bezahlt werden. Nach mehreren Wochen des Hoffens im vergangenen Sommer, als der Betrieb sogar neue Kundschaft aus der Gastronomie gewinnen konnte, wirkte die Lage im Herbst umso trostloser: Der zweite Lockdown zwang die Hausmanns fast komplett in die Knie.

Auch das Berliner Start-up PaulCamper, das sich auf die Vermittlung der plötzlich so gefragten Wohnmobile spezialisiert hat, traf der November-Lockdown 2020 bis ins Mark. Nach einer guten Saison entwickelte sich die Auftragslage ab dem Herbst nahezu desaströs. Kein Wunder: Wer bucht schon einen Urlaub, wenn ans Verreisen ohnehin nicht zu denken ist? Was bei dem jungen Betrieb besonders verhängnisvoll wirkte: Start-up-Unternehmen sind vor allem in der Anfangsphase, in der sie stark wachsen müssen, auf Kapital angewiesen. Unternehmerische Gewinne stellen sich üblicherweise erst später ein. Doch an Kredite zu gelangen, ist schwer, und staatliche Hilfen erhält PaulCamper auch nicht. Für Gründer Dirk Fehse steht die Zukunft auf dem Spiel.

Zu guter Letzt berichtet der Beitrag von Melanie und Miro, die in Rostock gerade erst ein Jahr vor dem ersten Lockdown im März 2020 ihr neues Speiselokal "Blauer Esel" eröffnet hatten. Sie hatten all ihre Ersparnisse in ihren Lebenstraum gesteckt und auch noch Geld bei einer Bank aufgenommen. Plötzlich der Tiefschlag: Der Betrieb musste Corona-bedingt geschlossen werden. Alle 25 Mitarbeiter gingen in Kurzarbeit, die Gaststätte drohte zu veröden. Doch dann entwickelten die Jung-Gastronomen ein neues Geschäftsfeld – mit einem Liefer- und Abholservice. Auch für sie wirkte der zweite Lockdown wie ein Schock: Dass er gefühlt überhaupt nicht mehr aufhören will, verunsichert das Ehepaar schwer.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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