Film im ZDF

"Freaks – Du bist eine von uns": das große Durcheinander

von Andreas Fischer

Eine Mutter entdeckt ihre Superkräfte und ist damit ziemlich überfordert. Das ZDF zeigt den Netflix-Film erstmals im Free-TV, allerdings zu sehr später Stunde.

ZDF
Freaks – Du bist eine von uns
Science-Fiction • 21.09.2021 • 00:10 Uhr

Die Pillen, die Wendy (Cornelia Gröschel) täglich schluckt, seien nur da, um ihr wahres Ich zu unterdrücken, sagt der Penner. Dann springt er von einer Brücke und lässt sich von einem LKW überfahren. Für die schüchterne Schnitzelverkäuferin ist das ein vergleichsweise kleiner Schock. Denn am nächsten Tag steht Marek (Wotan Wilke Möhring) putzmunter vor ihr. Er ist unverwundbar. Und vielleicht schlummern auch in Wendy ungeahnte Kräfte? Das tun sie: Mit "Freaks – Du bist eine von uns" (2020) wagte Netflix den Versuch, einen deutschen Superheldenfilm zu produzieren. Nun feiert er im ZDF im Rahmen des "kleinen Fernsehspiels" seine Free-TV-Premiere.

Tatsächlich setzt Wendy die Medikamente ab und sich plötzlich überall durch: Ihre fiese Chefin macht ungewollte Luftsprünge, die Vergewaltiger auf dem Parkplatz lernen schmerzhaft das Fliegen. Wendy kann sich zwar ein wenig Glück in ihrer prekären Stadtrandhölle mit all den unbezahlten Rechnungen erkaufen. Von ihren Superkräften ist sie ansonsten aber überfordert und muss einen inneren Kampf zwischen gut sein wollen und nicht zu böse werden austragen.

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Und dann sind da auch noch eine fiese Ärztin (Corinna May) und ein Kollege (Tim Oliver Schultz), der sich mit seinen Kräften ziemlich schnell für die dunkle Seite entscheidet. Sätze wie "Was glaubst Du, wie viele da draußen täglich ihre blauen Pillen fressen? Wir sind keine Psychos, nur anders" fallen dabei in vielen Variationen.

"Freaks" ist verkopft, aber nicht durchdacht – und macht es sich ziemlich einfach. Einerseits weil das Drehbuch von Marc O. Song ("Dark") bedeutungsschwanger vieles behauptet, was der Film nicht beweisen mag. Anderseits scheint Regisseur Felix Binder ("Der Club der roten Bänder") nicht so recht zu wissen, wo er hin will. Ein bisschen Genreparodie von "Matrix" über Marvel bis hin zu den DC Comics hier, ein bisschen Gesellschaftskritik dort, dazu ein ziemliches – mit Verlaub – Gefasel, von "denen da oben" die "uns" ein Gefängnis aus Lügen bauen. Viel zusammen passt in diesem Durcheinander nicht.

Das ist ziemlich ärgerlich, weil sich "Freaks" eigentlich ziemlich gut auf einen Kern konzentrieren könnte: Viele Effekte, die ablenken würden, gibt es – vielleicht aus Budgetgründen – nicht. Wenn es dann doch mal blitzt und donnert oder Straßenlaternen verknotet werden, dann ist das charmant gemacht und sinnvoll in die Szenen eingebunden. Denn eigentlich, das haben Song und Binder erkannt, sind Superkräfte auch nur eine Metapher für den Mut, sich von Alltagsarschlöchern nicht alles gefallen zu lassen und die Überwindung, endlich aus dem Hamsterrad auszubrechen, in dem man manchmal steckt und einfach nicht vorwärtskommt, egal wie sehr man sich abstrampelt.

Der Film ist eine Kooperation des "Kleinen Fernsehspiels" des ZDF und der Streaming-Plattform Netflix, wo er am 2. September 2020 veröffentlicht wurde.

Freaks – Du bist eine von uns – Mo. 20.09. – ZDF: 00.10 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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