Doku im BR

"Spider Murphy Gang": Rebellen seit über 40 Jahren

von Rupert Sommer

Sie sind die wohl kultigste bayerischen Band, surften auf der Neuen Deutschen Welle, sind im Kern aber immer aufrechte Rock'n'Roller geblieben.

BR
Spider Murphy Gang – Glory Days of Rock'n'Roll
Dokumentarfilm

Auch ein Stück Heimatgeschichte: Sie erzählt von Amerika-Sehnsüchten, von dem hochinfektiösen Blues- und Rock'n'Roll-Virus und der enormen Schwierigkeit, im München der Nachkriegszeit überhaupt eine E-Gitarre und eine für wilde Kerle standesgemäße Blue Jeans aufzutreiben. Der augenzwinkernd charmante, gleichermaßen raubeinige wie liebevolle Dokumentarfilm "Spider Murphy Gang – Glory Days of Rock'n'Roll" berichtet von der kompromisslosen Liebe zur Musik, vom alten Schwabing und von zwei Freunden, deren Hartnäckigkeit es zu verdanken ist, dass auch den Bayern ihre Rock'n'Roll-Rendezvous beschert wurden.

Der Film von Jens Pfeifer, der nun im BR-Fernsehen wiederholt wird, feierte seine Premiere 2019 auf dem Filmfest München. Nun läuft die BR-Koproduktion auf dem speziellen Schaufenster-Sendeplatz: "LETsDOK – Die Lange Nacht des Dokumentarfilms", so lautet das Motto an diesem Abend im Dritten.

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Man tut der Spider Murphy Gang gewiss nicht unbedingt hartes Unrecht, wenn man sie fast schon stereotyp mit ihrem Bierzelt-Kracher "Skandal im Sperrbezirk", ihrem großen Hit, verbindet – jenem Song, mit dem sie sich eher ungewollt mitten hinein in die Pop-Wirren der Neue-Deutsche-Welle-Begeisterung der 80er-Jahre verirrt hatte. Direkt hinein in den Trubel, zu den Massen und zu den vielen schönen jungen Mädchen, die sie auf der Bühne bejubeln – dorthin wollten Günther Sigl und sein ganz spezieller Lebens-Spezl Barny Murphy ja schon immer. Dafür ließen sie ihre bürgerlichen Lebensläufe hinter sich. Sigl gab sogar eine Banklehre auf. Das Rechnen und Zahlen-Denken hat der verschmitzte gebürtige Schongauer, dem auch mit 74 Jahren immer noch so etwas wie ein Lausbuben-Grinsen im Gesicht steht, nie abgelegt.

"1962 fing alles an, als ich mit ein paar Freunden eine erste Band aufmachte, um ein paar Beatles-Songs nachzuspielen. Wie man das damals halt gemacht hat. Wir waren vier Buben in einem Keller – und wollten alle Paul, John, George und Ringo sein", erinnert sich Sigl im Rückblick auf seine ersten Gehversuche als Band-Musiker. 1971 ging's dann ernsthaft los, als er bei der Bank kündigte. 1977 gründete er die Spider Murphy Gang, die sich seither nie aufgelöst hat. Am 28. und 29. Oktober 2017 feierte man den 40. Geburtstag in der jeweils ausverkauften Münchner Olympiahalle, bis zum Einbruch durch die Corona-Kontaktbeschränkungen füllten die "Spiders" weiterhin fleißig die Konzertsäle.

Der sehenswerte Dokumentarfilm blickt noch einmal ganz zurück auf die Anfänge in kleinen Schwabinger Clubs, den deutschlandweiten Durchbruch mit "Skandal im Sperrbezirk" im Jahr 1981 und die verrückte Zeit danach an der Spitze der Charts, die selbst für den Songschreiber Sigl im Rückblick unwirklich wirkt. Roter Faden der Dramaturgie ist das frotzelnde Miteinander der beiden Band-Köpfe Sigl und Murphy. Gitarrist und Co-Bandgründer Murphy, der eigentlich Gerhard Gmell heißt, will dabei seinen Mitmusiker immer wieder dazu überreden, doch noch einen neuen Song einzuspielen. Sigl ziert sich im Film lange – und hat den neuen Kracher in Wirklichkeit längst fertig. Es ist der titelgebende Song "Glory Days Of Rock'n'Roll".

Selbst eingefleischte Fans und Weggefährten der Band dürften in der Nahbetrachtung ihrer Helden immer noch ein wenig Neues entdecken. So kommt Jens Pfeifer, der nicht nur Regie führte, sondern mit Stefan Donaubauer auch das Drehbuch schrieb, den gelegentlich durchaus sperrigen Protagonisten stets sehr nah. Außerdem kann er aus teilweise zuvor noch nicht veröffentlichtem Archivmaterial sowie aus sehr offenen Interviews schöpfen.

Spider Murphy Gang – Glory Days of Rock'n'Roll – Sa. 18.09. – BR: 22.30 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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