16.09.2021 Zweite Staffel

Hat "Kampf der Realitystars" das Trash-TV gerettet?

von Antje Rehse
Echte Profis: Kader Loth, Claudia Obert und Sylvia Wollny.
Echte Profis: Kader Loth, Claudia Obert und Sylvia Wollny.  Fotoquelle: RTLZWEI, Banijay Productions Ger

In der zweiten Staffel von "Kampf der Realitystars" bewegte sich RTLZWEI traumwandlerisch sicher unterhalb der Niveaugrenze, ohne dabei gewisse Grenzen zu unterschreiten – oder seine Zuschauer einzuschläfern. Damit bewiesen die Macher, dass das zuletzt so in Verruf geratene Genre des Trash-TV noch nicht endgültig verloren ist.

Zoff ohne Mobbing. Eine Gruppendynamik, bei der man sich nicht angwidert wegdrehen muss. Und dann noch Spiele, die trotz (oder gerade wegen) eines nur in homöopathischen Dosen eingesetzten Ekel-Faktors durchaus unterhaltsam waren. Die zweite Staffel von "Kampf der Realitystars" hat das geschafft, woran Sendungen wie "Promis unter Palmen" und "Das Sommerhaus der Stars" zuletzt gescheitert waren. Doch was war das Erfolgsrezept? Wir haben die Zutaten zusammengestellt.

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Beim Cast bewiesen die Macher ein gutes Händchen. Reality-Königinnen wie Claudia Obert und Kader Loth wissen ganz genau, was sie in einer solchen Show erwartet – und was von ihnen erwartet wird. "Bauer sucht Frau"-Liebling Narumol muss vermutlich nicht mal schauspielern, um die Herzen der Zuschauer zu erobern. Walther Hoffmann hat bei "Traumfrau gesucht" sehr intensiv dafür trainiert, als Fremdscham-Kauz in einem Reality-Format zu brillieren. Dazu der ehemalige "Bachelor" Andrej Mangold, der durch seinen "Sommerhaus"-Skandal offensichtlich jede Menge dazu gelernt hat und diesmal auch bei hohem Wellengang auf der Reality-See relativ souverän navigierte.

Ein gewisses Risiko ging der Sender durch die Besetzung von Prinz Frédéric von Anhalt ein, doch die Gruppe hatte den skandalträchtigen Adoptivadel gut im Griff. Dass die Mischung am Ende so gut passte, war sicherlich auch Glück. Man darf allerdings auch davon ausgehen, dass die Verantwortlichen die Promis im Vorfeld sehr genau gebrieft hatten, um Mobbing-Eskapaden wie in anderen Formaten zu verhindern. Zoff und Zeterei: Ja! Hass: Nein!

Öfter mal was Neues

Bis kurz vor Schluss ziehen bei "Kampf der Realitystars" in jeder Folge neue Kandidaten ein, die dann über den nächsten Rauswurf entscheiden. Das bringt nicht nur frischen Wind, sondern hilft auch, festgefahrene Strukturen in der Gruppendynamik zu sprengen. Szenen wie in der vergangenen "Sommerhaus"-Staffel, in der sich die Fronten immer weiter verhärteten, gab es deshalb nicht. Übrigens bedient sich SAT.1 bei "Promi Big Brother" mit den zwei verschiedenen Wohnbereichen, bei denen immer wieder kräftig durchgemischt wird, eines ähnlichen Kniffs.

Schnipp schnapp, Langeweile ab

Entscheidend für den Erfolg einer solchen Sendung ist auch der Schnitt. Welche Szenen, die das Trash-TV womöglich weiter in Verruf gebracht hätten, rausgeschnitten wurden, wissen wir nicht. Auffallend war aber, dass bei "Kampf der Realitystars" die Mischung aus Szenen des Zusammenlebens, Spielen und Interviews in der Regel gut passte. Langweilige Spiele, die sich schier endlos in die Länge ziehen? Das gab es bei "Kampf der Realitystars" nicht.

Ihr seid Reality-TV - steht dazu!

Der eigentliche Clou der Sendung ist aber, dass das Format sehr gekonnt mit der "vierten Wand" spielt. Keine andere Trash-TV-Sendung geht so ehrlich und selbstironisch damit um, dass sie eine Trash-TV-Sendung ist. So mussten die Kandidaten in einem Spiel sogar erraten, wer wohl die meiste Gage bekommt, wer als erstes angefragt wurde und wer im Vorfeld die meisten Änderungen im Vertrag verlangt hatte. Dieser Teil des Reality-TV findet normalerweise nur in der Berichterstattung der Boulevardmedien statt, "Kampf der Realitystars" holte ihn direkt in die Sendung. In einem anderen Spiel sollten die Kandidaten einschätzen, wer denn von ihnen der unbekannteste und damit ultimative Z-Promi ist. Damit fand diese Metaebene, die RTL im "Dschungelcamp" durch die ironischen Kommentare von Sonja Zietlow und Daniel Hartwich schafft, bei "Kampf der Realitystars" den Weg mitten hinein in die Sala. Die teilweise fast schon genial zu nennenden Bauchbinden taten ihr Übriges, um die Show zu einer gelungenen Parodie auf das Genre zu machen.

Natürlich hat RTLZWEI das Reality-TV nicht neu erfunden. Den Grimmepreis wird es dafür vermutlich auch nicht geben. Und ja, im Zweifel sollte man sich vielleicht doch lieber einen guten Film, Nachrichten oder eine wissenswerte Doku im Fernsehen anschauen. Doch wer Trash-TV mag, der musste sich beim Gucken der zweiten Staffel zumindest nicht schämen. Und das ist ja immerhin schon etwas.

Im Finale von "Kampf der Realitystars" holte sich Popstar Loona den Sieg vor Andrej Mangold und Claudia Obert.

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