Zweiter Film "Ein neues Leben"

"Hartwig Seeler": Zwei Traumatisierte treffen aufeinander

von Maximilian Haase

Hartwig Seeler unterstützt im zweiten Teil der ARD-Reihe eine Kollegin, die ein schweres Trauma zu verarbeiten hat und auf einer schönen Mittelmeerinsel untertauchen will. Empfehlenswert.

ARD
Hartwig Seeler – Ein neues Leben
Kriminalfilm • 10.04.2021 • 20:15 Uhr

Die meisten Menschen denken bei "Seeler" wohl an die gleichnamige deutsche Fußballlegende. Doch auch ein anderer Mann dieses Namens könnte sich wachsender Beliebtheit erfreuen – wenngleich es sich dabei um die fiktive Figur "Hartwig Seeler" handelt. 2019 startete die nach dem Privatdetektiv benannte neue Krimireihe und bescherte der ARD gleich mit der ersten Folge eine Einschaltquote von über 20 Prozent. Das lag nicht nur am soliden Spiel von Hauptdarsteller Matthias Koeberlin, sondern auch an Drehbuch und Inszenierung des österreichischen Regisseurs Johannes Fabrick, der nun auch für den zweiten Film "Ein neues Leben" für Skript und Regie verantwortlich zeichnete. Mehr Drama denn Krimi, gelingt das filmische Ausloten psychischer Abgründe abermals – auch dank der herausragenden Episodenhauptdarstellerin Emily Cox.

Cox spielt die Polizistin Tascha, eine ehemalige Kollegin Seelers, die mit dem Privatdetektiv nicht nur befreundet ist, sondern auch ein Trauma teilt: Bei einem gemeinsamen Fall ließ sich die taffe doch verletzliche Ermittlerin gegen eine Geisel austauschen; 36 Stunden war sie in der Gewalt des brutalen Täters Gerald Metzner (Maximilian Brauer). Nun, da der Kriminelle aus dem Gefängnis entlassen wird, fürchtet Tascha seine Rache: "Er beobachtet mich. Er wartet auf seine Gelegenheit", sagt sie an einer Stelle, und bittet Seeler daher um einen außergewöhnlichen Gefallen: Er soll ihr dabei helfen, unterzutauchen und auf der Mittelmeerinsel Gozo das titelgebende neue Leben zu starten.

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Entsprechend mediterran fallen die hübsch in Szene gesetzten Landschaftsbilder aus, die im zweiten Krimiteil die zuvor dominierende Thrillerdüsterkeit kontrastieren. "Ich will nicht mit der Aufschrift 'Opfer' rumrennen", versucht sich Tascha, die schon als Kind viel Zeit auf Gozo verbrachte, in der Fremde von der Vergangenheit zu lösen. Cox lotet mit ihrem Spiel die ganze Bandbreite traumatischer Erinnerungen aus – vom Vergessenwollen über Panikattacken bis hin zum (wahrscheinlich) heilsamen Anbändeln mit Seeler. Der jedoch, das weiß der Zuschauer aus dem ersten Teil, ist nach dem Tod seiner Frau Maria (Dagny Dewath) selbst eine geschundene Seele. Zwei Traumatisierte treffen aufeinander, und fast scheint es, als könnten sie gemeinsam ihren psychischen Abgründen entfliehen.

Doch, wie sollte es anders sein, spitzt sich zwischen den staubig-sonnigen Straßen und traumhaften Olivenhainen Gozos das Drama erst recht zu. Während der Kriminelle von seinem Bewährungshelfer (Maximilian Grill) eine gute Prognose erhält ("Du schaffst das" – "Dein Wort in Gottes Ohr"), steigt Taschas Furcht vor dem Täter weiter ins Unermessliche. Seeler ahnt, dass sie etwas verschweigt. Es ist der Auftakt zu einem furiosen letzten Krimidrittel, das von zahlreichen Überraschungen und Wendungen geprägt ist.

Neben dem Drehbuch und Emily Cox überzeugt dabei abermals auch Hauptdarsteller Koeberlin, der seinem Seeler eine Tiefe verleiht, die darauf wartet, in weiteren Filmen ausgelotet zu werden. Ein schönes Motto hat er sich schon zurechtgelegt: "Hauptsächlich suche ich Vermisste. Manchmal auch solche, die gar nicht gefunden werden wollen."

Hartwig Seeler – Ein neues Leben – Sa. 10.04. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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