Animationsfilm bei SAT.1

"Chaos im Netz": Ralph und Vanellope im Neuland Internet

von Anne Funk

Der Protagonist aus "Ralph reichts" entdeckt gemeinsam mit seiner Freundin Vanellope das Neuland Internet. Bei SAT.1 läuft der sehenswerte Animationsfilm nun erstmals im Free-TV.

SAT.1
Chaos im Netz
Animationsfilm • 09.10.2021 • 20:15 Uhr

Im Jahr 2012 hatte Ralph genug: genug davon, ein Bösewicht zu sein, genug davon, ausgegrenzt zu werden, genug davon, keine Freunde zu haben. Das änderte sich in "Ralph reichts", dem ersten Teil des Disney-Märchens über den Protagonisten des alten Arcade-Spiels "Fix It Felix Jr." 2018 kehrte Ralph zurück ins Rampenlicht – doch während der sympathische Held sein Leben in geregelten Bahnen genießt, ist seine Freundin Vanellope von Schweetz in "Chaos im Netz" (nun erstmals im Free-TV bei SAT.1) alles andere als zufrieden.

Die Rennfahrerin aus dem Spiel "Sugar Rush" ist es nun, die genug von allem hat: von ihrem Spiel, von den immergleichen Rennstrecken – Tag ein, Tag aus derselbe Ablauf. Als aber das Spiel abgeschaltet werden soll, gerät die sonst so quirlige Vanellope in eine tiefe Lebenskrise. Da "Chaos im Netz" vor allem eine Geschichte über Freundschaft ist, nimmt Ralph die Dinge in die Hand und macht sich zusammen mit seiner kleinen Freundin auf ins Neuland Internet. Möglich macht das die Neuanschaffung von Spielhallen-Besitzer Mr. Litwak: ein WLAN-Router.

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"Chaos im Netz" ist eine der wenigen Fortsetzungen eines Animationsfilms aus dem Hause Disney, doch es hat sich gelohnt. Bereits vor dem deutschen Kinostart konnte das Sequel mehr als 435 Millionen US-Dollar einspielen – eine Summe, die weder "Fantasia 2000" (1999) noch "Bernard und Bianca im Känguruland" (1990) erreichen konnten. Und auch die Zuschauerzahl hierzulande konnte sich sehen lassen: 2019 strömten mehr als 1,3 Millionen Menschen in die Lichtspielhäuser und bescherten "Chaos im Netz" Platz 19 in den Kino-Jahrescharts.

Dass sich die Fortsetzung finanziell für Disney gelohnt hat, steht also außer Frage. Doch auch inhaltlich ist das 2.0-Abenteuer von Ralph eine logische Konsequenz des ersten Teils. Und die wussten die Regisseure Rich Moore und Phil Johnston mit Bravour umzusetzen.

Perfekte Balance zwischen Selbstironie und Hommage

Wie man es vom Micky-Maus-Konzern gewohnt ist, wurde "Chaos im Netz" mit viel Liebe zum Detail und zum Animations- Handwerk erschaffen. Seien es die Augen der Suchmaschine KnowsMore, die trotz Computertechnik per Hand animiert wurden, oder die Darstellung von 8-Bit-Games-Helden, Gastauftritten aus Marvel-Streifen und alten Disney-Filmen. Es liegt so nahe, aus dem Vollen der Disney-Vergangenheit zu schöpfen: Wenn Vanellope sich in die Garderobe sämtlicher Disney-Prinzessinnen verirrt, gehört das wohl zu den lustigsten Szenen, die Disneys Kreative bisher erschaffen haben.

Dabei ist vor allem die perfekte Balance zwischen Selbstironie und Hommage hervorzuheben. Von den royalen Schönheiten wird Vanellope belehrt, wenn sie nur einen besonderen Herzenswunsch habe und dabei sehnsüchtig auf Wasser starre, würde auch sie ihr persönliches Lied singen können – wie es Schneewittchen, Arielle und Co. bereits vor ihr taten. Dass Vanellopes Song schlussendlich "A Place Called Slaughter House" (zu Deutsch: "Ein Ort namens Schlachthaus") heißt, statt eines weißen Täubchens eine graue Straßentaube mit nur einem Bein auf ihrer Hand landet und das Wasser, auf das sie starrt, eine dreckige Pfütze auf dem Asphalt ist, zeugt eben genau von dieser Balance.

Wollte man seiner Großmutter erklären, was das Internet genau ist – man würde es wohl so versuchen: eine Mega-City, größer als New York. Massen an Menschen in Form von Avataren, die sich durch das unermessliche Angebot der Websites wühlen, sich im Social District vergnügen, Web-Berühmtheiten Herzen zuwerfen oder auf der Homepage von Disney testen, welche Prinzessin ihre beste Freundin ist. Auch die dunkle Seite des Internets hat ihren Platz: Wenn Ralph zufällig auf die Kommentare unter seinen selbst produzierten Videos stößt, bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Ob wegen der fiesen Kommentare oder weil man sich der Tatsache bewusst wird, wie sehr sich gerade hier die digitale Realität widerspiegelt – es ist wohl von beidem etwas.

Chaos im Netz – Sa. 09.10. – SAT.1: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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