Neue ZDF-Reihe

Theresa Wolff: Spuk-Krimis aus Thüringen?

von Eric Leimann

Eine naturverbundene Försterstochter klärt als Gerichtsmedizinerin Verbrechen in Jena auf. Der erste Teil der neuen Krimi-Reihe im ZDF kommt noch etwas brav daher, doch die Figuren haben Potenzial.

ZDF
Theresa Wolff – Home Sweet Home
Kriminalfilm • 09.10.2021 • 20:15 Uhr

Der langjährige ZDF-Samstagskrimi "Kommissarin Heller" ist im Januar 2021 zu Ende gegangen. Hauptfigur Winnie Heller, gespielt von Lisa Wagner, wurde in der letzten Folge vom Blitz erschlagen. Naturnah hat das ZDF nun auch ihre Nachfolgerin aufgestellt: Nina Gummich ("Charité", "Das letzte Wort") spielt die junge Gerichtsmedizinerin Theresa Wolff, die für ihre erste Stelle aus Berlin in ihre Heimatstadt Jena zurückkehrt. Dort wirkte ihr verstorbener Vater als Förster. Auch Theresa hat die Gabe geerbt, mit Tieren zu sprechen und in die Natur hineinzuhorchen. Dies geht so weit, dass sich die Forensikerin Leichen nicht nur mit modernsten Methoden nähert, sondern auch deren Körper und Seelen zu spüren glaubt. Doch ein Esoterik-Krimi ist "Theresa Wolff" nicht, sondern – zumindest in seiner ersten Folge – eher etwas für deutsche TV-Krimi-Traditionalisten.

Am Fundort einer Wasserleiche lernt Dr. Wolff den alteingesessenen Kriminalhauptkommissar Robert Brückner (Thorsten Merten) kennen und fährt mit ihm zu den Angehörigen des Opfers. Nicht genug, dass Theresa mit der Toten gleich ein Zwiegespräch anfängt, nun mischt sie sich auch noch in den Kompetenzbereich des Ermittlers ein. Der Ehemann des Opfers, Uniklinikarzt Dr. Steffen Köhler (Florian Bartholomäi) ist Theresas erste Liebe – was sie Kommissar Brückner natürlich erst mal verschweigt. Logisch, dass ihr Brückner bald unterstellt, sie sei in diesem Fall befangen. Die junge Forensikerin hört jedoch keineswegs damit auf, sich in die Ermittlungen einzumischen. Und wie man sich vorstellen kann, ist der reife Kriminalist, der eine demente Frau und eine junge schwangere Freundin zu haben scheint, reichlich genervt von der nassforschen Kollegin.

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Charakterdarsteller Thorsten Merten, in Dutzenden Filmen und Serien die Idealbesetzung des kleinen Mannes mit "Straßengeruch", stand schon in der gelungenen deutschen Netflix-Serie "Das letzte Wort" (2020) zusammen mit Nina Gummich vor der Kamera. Damals spielte Nina Gummich die Tochter einer Frau (Hauptdarstellerin Anke Engelke), die nach dem Tode ihres Mannes einen Job als Trauerrednerin annimmt. Thorsten Merten verkörperte deren Auftraggeber als Bestatter in finanzieller Schieflage. Mit Gummich und Merten hat "Theresa Wolff" zwei famose Schauspieler zu bieten, deren Auftaktfall (Buch: Peter Dommaschk und Ralf Leuther, Regie: Franziska Buch) leider reichlich blass bleibt. Die hier und da eingestreuten, irritierenden Elemente wie Theresa Wolffs Affinität zur Spiritualität mit toten Wesen oder Kommissar Brückners seltsamer Beziehungsstatus wirken wie Fremdkörper aus einem – vielleicht deutlich interessanteren – Parallelfilm, die das biedermeierliche Buch hier und da aufpeppen wollen, aber irgendwie nicht zum Zuge kommen.

Da war der ZDF-Vorgänger-Krimi "Kommissarin Heller" zu seinem Beginn 2014, eine fast schon andere Fernseh-Ära, deutlich forscher, weil er den Mut hatte, eine für damalige Verhältnisse wirklich schräge Frauen- und Ermittlerinnen-Figur zu erzählen. Aufgrund des hohen schauspielerischen Potenzials, das Nina Gummich und Thorsten Merten in den neuen Thüringer Krimi mitbringen, sollte man den Stab jedoch nicht zu früh über dem Format brechen. Eine zweite Folge "Theresa Wolff" wurde gerade abgedreht. Bleibt zu hoffen, dass der neue ZDF-Samstagskrimi in Zukunft noch ein bisschen mehr Eigenheit wagt.

Theresa Wolff – Home Sweet Home – Sa. 09.10. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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