Im Interview

Vanessa Loibl über „Stardust Hotel“: „Nia ist auf jeden Fall auch ein Schlitzohr“

22.05.2026, 13.42 Uhr
In der neuen Serie „Stardust Hotel“ landet Nia überschuldet in einem Hotel im All – und findet dort vielleicht mehr als nur eine Lösung für ihre Probleme. Vanessa Loibl spricht über Angst vor Nähe, Androiden, Familiengefühl und die Frage, was überhaupt noch vom Menschlichen übrig ist.
Vanessa Loibl lächelt.
Vanessa Loibl in ihrer Rolle als Nia  Fotoquelle: SWR/Christine Schroede

Nia kommt überschuldet ins Stardust-Hotel – und wirkt erst einmal wie jemand, der eher durchs Leben stolpert. Was verrät dieser Einstieg über sie?

Vanessa Loibl: Nia stolpert eher durch ihr Leben. Es fällt ihr schwer, konsequent an einem Ort zu bleiben oder sich wirklich auf jemanden oder etwas einzulassen. Dahinter steckt für mich eine Angst vor Nähe. Sie bleibt nie lange irgendwo – und sie ist auch jemand, der viel verdrängt. Wenn sie Schulden hat, dann schiebt sie das erst einmal weg und mauschelt sich irgendwie durch. Sie ist auf jeden Fall auch ein Schlitzohr.

Man ahnt ja auch, dass diese Schwierigkeiten mit Nähe nicht aus dem Nichts kommen – gerade mit Blick auf ihre Schwester.

Ja, ihre Schwester ist zwar liebenswürdig, aber auch schwierig, ein bisschen wie Nia selbst. Das hat sicher mit ihrer Kindheit zu tun. Die beiden hatten dieselben Eltern und dadurch wahrscheinlich auch ähnliche Verletzungen oder Traumata. Das ist zumindest das Gerüst, das ich mir für Nia überlegt habe.

Kannst du ein bisschen mehr über dieses Gerüst verraten?

Oft ist es so, dass man Drehbücher bekommt und eine Figur spielt, deren Hintergrund innerhalb der Geschichte gar keinen Raum hat. Für mich ist es trotzdem wichtig, mir zu überlegen: Woher kommt diese Figur? Warum ist sie so, wie sie ist? Bei Nia habe ich mir vorgestellt, dass sie nicht genug Liebe von ihren Eltern bekommen hat. Vielleicht gab es Desinteresse, vielleicht auch einen schweren Verlust. Das ist ein Gerüst, an dem ich mich entlanghangeln kann.

Das heißt, du legst dir grob etwas zurecht – aber nicht zwingend konkret: Das waren Vater und Mutter, das ist passiert, und deshalb ist sie genauso geworden?

Das kommt auf die Figur an. Ich lege für jede Rolle ein Buch an und schreibe dort Dinge hinein. Manchmal arbeitet man auch mit Coaches. Bei dieser Rolle habe ich das nicht gemacht, weil alles sehr schnell ging – vom Casting bis zum Drehstart war nicht so viel Zeit. Aber ich versuche schon, so konkret wie möglich zu arbeiten. Mein komplettes Gerüst will ich aber nicht verraten – das ist mein Geheimnis.

Verstehe. Wir haben jetzt schon über Nias Planlosigkeit gesprochen. Was würdest du denn als ihre größte Stärke bezeichnen?

Ihre größte Stärke ist, dass sie in jeder Notsituation irgendwie eine Lösung parat hat. Sie ist spontan, sie ist humorvoll. Auch wenn alle denken, dass es nicht mehr weitergeht, hat Nia noch ein Ass im Ärmel. Ob das dann immer gut funktioniert, ist eine andere Frage – aber sie hat den Willen dazu.

Sehr viel weniger spontan ist Adam. Ergänzen sich Adam und Nia gerade deshalb so gut?

Ja, ich glaube schon. Adam ist jemand, der sich sehr stark an Regeln orientiert – was ja auch klar ist, weil er ein Android ist. Das kollidiert mit Nias Spontanität. Er hat Schwierigkeiten, wenn Dinge nicht nach Plan laufen. Gleichzeitig schätzt Nia das an ihm und findet es auch süß. Im Gegensatz zu ihr ist Adam sehr ehrlich und aufrichtig. Nia mauschelt eher herum. Ich glaube, die beiden können viel voneinander lernen: Adam von Nias Spontanität und davon, auch mal lockerzulassen. Und Nia von ihm, was Ehrlichkeit betrifft. Insofern ergänzen sie sich schon gut – Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an.

Wann wird Nia klar, dass das Stardust-Hotel für sie mehr ist als nur eine Lösung für ihre Schulden?

Ich glaube, sie spürt das schon relativ früh, verdrängt es aber erst einmal. Es gibt diesen Moment, in dem sie und Adam das Stardust gemeinsam retten. Da merkt sie zum ersten Mal: Hier gibt es so etwas wie ein Familiengefühl. Das findet sie schön, aber sie kann noch nicht richtig damit umgehen.

Ein wichtiger Teil der Serie ist auch das Setting: Ein Hotel im All – das klingt schon ziemlich verrückt. Wie schnell hattest du beim Lesen das Gefühl: Das kann funktionieren?

Wenn man so ein Drehbuch liest, ist es erst einmal sehr abstrakt. Auch beim Casting war das noch so. Da bekommt man dann zum Beispiel einen Motorradhelm aufgesetzt. Da dachte ich zwischendurch schon: Wird das jetzt trashig? Ich hatte Roboter im Kopf, die aussehen, als hätte man sich als Kind mit einer Pappkiste verkleidet. Aber als ich die Entwürfe sah, war mir klar: Das ist qualitativ sehr hochwertig. Über die Kostüme habe ich mich richtig gefreut, die sind toll geworden. Und als ich dann das erste Mal im Kostüm am Set stand, wusste ich, dass es gut werden wird.

Jetzt bin ich neugierig: Warum hattest du beim Casting einen Motorradhelm auf?

Ich habe in der Serie einen Astronautinnen-Anzug an. Beim Casting sitzt man aber meistens in einem relativ spartanischen Raum. Trotzdem muss man versuchen, diesen Vibe rüberzubringen. In der Requisite gab es einen Motorradhelm, der dann als Ersatz für den Astronautenhelm hergehalten hat.

Das ist sehr kreativ. Aber unabhängig von diesem intergalaktischen Setting erzählt „Stardust Hotel“ eine sehr menschliche Geschichte: Es geht um Schulden, Familie, Neuanfang. Was ist für dich der Mehrwert dieses Settings? Warum nicht einfach ein Hotel auf der Erde?

Weil wir alle ahnen, was wahrscheinlich mit der Menschheit passieren wird. Wir werden es wohl nicht mehr erleben, aber man sieht schon jetzt: Die Menschen – vor allem reiche Menschen – suchen nach Alternativen. Gleichzeitig zerstören wir unseren Planeten. Deshalb finde ich es spannend, sich so ein Szenario vorzustellen und sich damit zu konfrontieren.

Das Setting gibt der Serie auch die Möglichkeit, heutige Konventionen zu hinterfragen – wie etwa die Folge zum Thema Hochzeit.

Ja, auf jeden Fall. Es gibt auch andere Filme, die mit Sprache oder Konventionen spielen – etwa „Dogtooth“ von Yorgos Lanthimos. Aber dieses Setting gibt einem natürlich einen Raum, in dem man neue Regeln erfinden kann. Man kann sich fragen: Wenn die Menschen sehr weit in der Zukunft sind, was ist von unseren heutigen Regeln und Ritualen noch übrig? Was ist überhaupt noch vom Menschlichen übrig?

Am Ende ist die Serie aber auch etwas fürs Herz. Sie ist unterhaltsam. Und gleichzeitig ist es gar nicht so weit weg von unserer Welt. KI spielt jetzt schon eine große Rolle – sie steht nicht erst in den Startlöchern, sie hat sich bereits ausgebreitet. Ich habe neulich bei meiner Physiotherapie angerufen, und da ging eine KI-Stimme ran, mit österreichischem Akzent. Ich habe ganz normal mit ihr gesprochen. Das ist schon verrückt.

Das passt gut zur Serie. Die Roboter in „Stardust Hotel“ wirken ja auch nicht nur wie Maschinen. Sie haben Gefühle, Gedanken, sind in Konflikte eingebunden, sind eingeschnappt – da steckt sehr viel Menschliches drin.

Total. Wenn man sich vorstellt, wie sich Technik in ein paar hundert Jahren entwickeln könnte, ist das gar nicht so abwegig. Ich kenne mich technisch nicht genug aus, um zu sagen, ob Maschinen irgendwann wirklich Gefühle entwickeln können. Aber wenn es jetzt schon KI-Stimmen gibt, mit denen man ganz normal telefoniert, wird sich das sicher wahnsinnig schnell weiterentwickeln. Vielleicht ist es irgendwann tatsächlich möglich, dass Maschinen etwas fühlen. Ich halte das nicht für unwahrscheinlich – auch wenn es bestimmt noch ein bisschen dauert.

Zum Abschluss noch eine Frage: Welche Figur aus „Stardust Hotel“ würdest du gerne mal für einen Abend an der Hotelbar treffen?

Vero Sue – definitiv.

Weil sie 200 Jahre alt ist?

Ich glaube einfach, dass es Spaß machen würde, mit ihr ein paar Drinks zu nehmen. Und ja, auch weil sie eine gewisse Erfahrung hat und bestimmt viel zu erzählen hätte. Deshalb wäre sie meine Wahl.

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