Sergio Corbucci

Sergio Corbucci
Geboren: 06.12.1927 in Rom, Italien
Gestorben: 01.12.1990 in Rom, Italien

"Ich war fleißig, er war faul. Hätte er nur einen Teil seiner Kinoideen verwirklicht, man würde ihn heute als einen der Großen des italienischen Kinos feiern." Das sagte Sergio Leone 1970 in einem Gespräch. Mit ihm und Duccio Tessari entstand bei Dreharbeiten in Spanien die Idee zum Italowestern. Kein Film prägte das Subgenre nachhaltiger und erfolgreicher als Corbuccis Rächerballade "Django" von 1966: Ein einsamer, wortkarger Mann schleppt einen Sarg(!) durch eine widerwärtige Matschwüste. Ein paar Typen erscheinen, bringen eine Frau herangeschleppt und peitschen sie aus. Andere Typen erscheinen, knallen die ersten Typen ab, um ihrerseits die Frau zu misshandeln. Django kommt und knallt auch diese Typen ab.

Ein Dutzend Tote, kurz nach dem Vorspann. Es geht leichenreich zu in Corbuccis Western. Später wird Django den schönen Satz sagen: "Ich weiß nur eins: Wenn ich meinen Sarg aufmache, stimmt die Kasse." Denn in seinem Sarg führt er ein Maschinengewehr mit sich, mit dem er gerne einmal hundert Mann auf einen Schlag niedermäht. Es kommt, wie es kommen muss: Am Ende geht Django als einziger Überlebende, verstümmelt und erneut vereinsamt, aus dem Dauergeballer hervor. Corbuccis Kunstfigur Django (die nach dem bekannten Jazzgitarristen Django Reinhardt benannt ist), wurde zum Inbegriff des Italowestern. Der bestand letztlich nur zum geringen Teil aus künstlerisch anspruchsvollen und gut gemachten Produktionen wie Leones "Zwei glorreiche Halunken" (1966) oder "Spiel mir das Lied vom Tod" (1968). Die weitaus meisten Filme waren Aufgüsse des Django-Motivs: Ein Unrasierter befriedigt seine mehr oder minder berechtigten Rachegelüste, indem er ein paar Dutzend Leute abknallt.

Sergio Corbuccis Beiträge nehmen insofern eine Sonderstellung ein, als sie von der 1968er Filmkritik als verkappte Revolutionsdramen verstanden wurden. Rückblickend betrachtet scheint es eher so, als habe Corbucci die recht gewagten Interpretationen seiner Filme als Politparabeln nur zu gerne zugestimmt. Der für seine Zeit exzessiv brutale "Leichen pflastern seinen Weg" (1968) war der Erinnerung an Che Guevara gewidmet, deshalb kann es ein Happy End nicht geben. Am Ende wird der stumme Held von einem sadistischen Kopfgeldjäger ermordet. Der Revolutionswestern "Die gefürchteten Zwei" (1968) zeigte einen polnischen Söldner, der mexikanischen Bauern beim Aufstand gegen Ausbeutung und Unterdrückung hilft. Das thesenhafte Werk ist zu sehr Kind seiner Zeit, um über das Jahr 1968 hinaus mehr als nur ein filmhistorisches Interesse für sich beanspruchen zu können.

Danach sank Corbuccis Stern rapide. Mit keinem seiner nachfolgenden Filme - viele Drehbücher entstanden in Zusammenarbeit mit seinem ebenfalls Regie führenden Bruder Bruno - konnte er an die Qualität eines "Django" oder "Leichen pflastern seinen Weg" anschließen. "Fahrt zur Hölle, ihr Halunken" (1969), "Zwei Companeros" (1970) und "Bete, Amigo!" (1973) zelebrieren überwiegend Selbstzweck haften Sadismus, wobei Corbucci es nicht versäumt, seine Helden in ein modisch-revolutionäres Umfeld zu stellen.

Ende der Siebzigerjahre ist Corbucci endgültig zum anspruchslosen Bebilderer zweitrangiger Starvehikel und dümmlicher Klamotten herabgesunken. Seine Filmographie weist Titel auf wie "Der Supertyp" (1977, mit Adriano Celentano), "Der Supercop" (1980, mit Terence Hill) oder "Zwei Asse trumpfen auf" (1981, mit Terence Hill und Bud Spencer). Seine letzte Arbeit war der zweiteilige TV-Film "Gefährliche Begegnung" (1990). am ersten Dezember 1990 starb Corbucci fünf Tage vor seinem 63. Geburtstag an Herzversagen.

Weitere Filme von Sergio Corbucci: "Salvate mia figlia" (1951), "Insel der Sünde" (1952), "Carovana di canzoni", "Baracca e burattini", "Terra straniera", "Brutale Gewalt" (alle 1954), "Suonno d'ammore" (1955), "Ángeles sin cielo", "Die große Sünde" (beide 1957), "Die letzten Tage von Pompeji" (Buch), "I Ragazzi dei parioli" (beide 1959), "Chi si ferma è perduto" (1960), "Romulus und Remus", "Macistes größtes Abenteuer", "Totò, Peppino und das süße Leben", "I Due marescialli" (alle 1961), "Il Giorno più corto", "Lo Smemorato di Collegno" (beide 1962), "Gli Onorevoli", "Il Monaco di Monza", "Sohn des Spartacus" (alle 1963), "Il Figli del leopardo", "Minnesota Clay", "Keinen Cent für Ringos Kopf" (alle 1965), "Kopfgeld: Ein Dollar", "Ringo mit den goldenen Pistolen", "Der Mann mit der goldenen Klinge" (alle 1966), "Fluchtpunkt Akropolis", "Die Grausamen" (beide 1967), "Zum zum zum" (1968), "Er più: storia d'amore e di coltello" (1971), "Die Rote Sonne der Rache" (1972), "Die Cleveren Zwei" (1974), "Di che segno sei?", "Drei Halunken erster Klasse" (beide 1975), "Robinson jr.", "Bluff" (beide 1976), "Tre tigri contro tre tigri" (1977), "Zwei sind nicht zu bremsen", "Leichen muss man feiern, wie sie fallen". "La Mazzetta" (alle 1978), "Leinen los - wir saufen ab", "Non ti conosco più amore" (beide 1980), "Bello mio, bellezza mia" (1982), "Questo e quello", "Der Graf, der alles kann", "Sing Sing" (alle 1983), "Wie du mir, so ich dir" (1984), "Sono un fenomeno paranormale" (1985), "Rimini Rimini", "Roba da ricchi" (beide 1987), "Bandellis Alibi" (1988) und "Night Club" (1989).

Zur Filmografie von Sergio Corbucci
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