Viele lebenswichtige Moleküle lassen sich in zwei spiegelbildliche Varianten anordnen, vergleichbar mit einer linken und einer rechten Hand. Chiralität nennt man dieses Phänomen. Und so gibt es rechts- und linkshändige Moleküle. Mit einer Besonderheit: "Das Leben hat sich immer nur für eine Spiegelform entschieden", sagt Cornelia Meinert von der Universität Côte d'Azur in Nizza. "Die Aminosäuren in den Proteinen sind ausschließlich linkshändig und die Zuckermoleküle in der DNA immer rechtshändig". Wie genau diese merkwürdige Vorliebe des Lebens vor etwa 3,8 Milliarden Jahren zustande kam, ist nach wie vor unklar. Was wäre, wenn wir dieses Gesetz auf den Kopf stellen und die lebenswichtigen Moleküle spiegeln würden? "Das könnte einen großen Nutzen für die Medizin bringen", sagt Kate Adamala von der University of Minnesota. Spiegelmoleküle werden dank ihrer entgegengesetzten Anordnung nicht von der Körperabwehr erkannt und könnten daher ihre medizinische Wirkung besser entfalten. Doch diese positive Eigenschaft könnte auch gravierende Folgen haben - dann nämlich, wenn wir statt einzelner Spiegelmoleküle einen ganzen gespiegelten Organismus erschaffen würden - etwa ein Spiegelbakterium. "Es sind Szenarien denkbar, in denen sich ein Spiegelbakterium in der Umwelt ausbreitet, Ökosysteme umwälzt, Pflanzen und Tiere infiziert und schließlich auch uns Menschen", warnt David Bikard vom Institut Pasteur in Paris. Noch gibt es keine Spiegelbakterien aus dem Labor. Doch die Wissenschaft ist alarmiert und fordert, das Spiel mit dem Spiegeln des Lebens nicht zu weit zu treiben.
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