Back for Good

  • "Back for Good" von Mia Spengler durfte 2017 gleich zur Berlinale. Zu Recht: TV-Sternchen Angie (Kim Riedle, rechts) will in der Tragikomödie ihre kleine Schwester Kiki (Leonie Wesselow) beschützen. Vergrößern
    "Back for Good" von Mia Spengler durfte 2017 gleich zur Berlinale. Zu Recht: TV-Sternchen Angie (Kim Riedle, rechts) will in der Tragikomödie ihre kleine Schwester Kiki (Leonie Wesselow) beschützen.
    Fotoquelle: SWR / ZumGoldenenLamm
  • Die pubertierende Kiki (Leonie Wesselow) stützt ihre kranke Mutter Monika (Juliane Köhler) nach einem Zusammenbruch. Anschließend hat Angie ihre Teenager-Schwester an der Backe. Vergrößern
    Die pubertierende Kiki (Leonie Wesselow) stützt ihre kranke Mutter Monika (Juliane Köhler) nach einem Zusammenbruch. Anschließend hat Angie ihre Teenager-Schwester an der Backe.
    Fotoquelle: SWR / ZumGoldenenLamm
  • Für ein kleines bisschen Ruhm muss Angie (Kim Riedle, Mitte) immer mehr Haut zeigen. Die Konkurrenz im TV ist hart. Vergrößern
    Für ein kleines bisschen Ruhm muss Angie (Kim Riedle, Mitte) immer mehr Haut zeigen. Die Konkurrenz im TV ist hart.
    Fotoquelle: SWR / ZumGoldenenLamm
Spielfilm, Drama
Warten auf das Dschungelcamp
Von Claudia Nitsche

Infos
Originaltitel
Back for Good
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2017
Altersfreigabe
12+
Kinostart
Do., 31. Mai 2018
ARD
Mi., 23.09.
00:40 - 02:10


Gleich zwei tolle Frauen kann man in dieser überraschenden Free-TV-Premiere entdecken, die sensibel über die Medien und das Leben erzählt.

Einen Titel wie "Back for Good" für einen Film zu wählen, wirkt schon beinahe fahrlässig. Dem Gros der Fernseh-Zuschauer wird sofort Take That einfallen, denn die britische Boyband hatte mit diesen drei Worten einen ihrer großen Hits – und trotz des Lobes blieb der gleichnamige Film für viele unter dem Radar. Doch selbst wenn einem die Melodie der Schmachtballade zunächst noch im Kopf umherschwebt, steht dieser Film für sich – mit einer überragenden Regisseurin und Hauptdarstellerin sowie einem immer noch akutellen Thema. Nun ist die Tragikomödie als Free-TV-Premiere im Ersten zu sehen.

Und es stimmt alles, auch wenn das zu Anfang alles andere als absehbar ist in diesem sensationell unkonventionellen Film von Mia Spengler. Die Regisseurin fand für ihr damaliges Kino-Debüt mit Kim Riedle die perfekte Hauptdarstellerin, eine, die trotz künstlicher Fingernägel beherzt mit anpackt, um den Film zu schultern. Leicht hat es ihre Angie nicht. Denn nach dem inszenierten Drogenentzug muss das blondierte TV-Sternchen zurück zur gestrengen Mutter (Juliane Köhler), weil sich niemand findet, der ihr kurzfristig eine Couch anbietet, bis sie ins Dschungelcamp darf.

Zu diesem Zeitpunkt wähnt die im Stile einer Katzenberger ausgestattete Wasserstoffblondine ihre Karriere noch am Gedeihen. Im Grunde trifft es sich ganz gut, mal wieder zu Hause bei der kleinen Schwester (Leonie Wesselow) zu sein, für die es wichtig gewesen wäre, dass Angie ihre Freundschaftsanfrage auf Facebook nicht abgelehnt hätte. Doch das war der Manager, derselbe, der gerade seine Frau geschwängert hat, statt sie für Angie zu verlassen.

Zu Hause auf dem Dorf ist die Welt ohnehin nicht glamourös, das merkt man spätestens, wenn man Angie in der Badewanne stehend zum Fenster hinausrauchen sieht. Um ihre Schwester Kiki kümmert sie sich rührend ungeschickt. Sie möchte dem Teenager beistehen, sich gegen die Gluckenmama zu wehren, auch wenn Kiki leichte Epilepsieschübe hat und daher etwas aufpassen muss. Doch der Schutzhelm hilft ihr weniger, als dass er sie als Außenseiterin brandmarkt.

Immer wieder wechselt Angie Schauplatz und Rolle: Da die Familie, dort ein Laufsteg und ein verzweifeltes Telefonat, um sich anzubiedern. D-Promi Angie ist ein Oberflächengemälde, doch Kim Riedle erweckt diese Frau zum Leben, indem jedes Gefühl in ihrem Gesicht zu lesen ist. Ein Gesicht, das nie zur Fratze einer Dramaqueen wird, sondern so beeindruckend minimalistisch mimt, dass es eine wahre Freude ist.

Spenglers Thema sind die Medien, die sowohl bei der älteren als auch bei der jüngeren Schwester über Wohl und Wehe, über Erfolg und Scheitern bestimmen. Wie verloren sich ein Mensch in diesen Fesseln fühlt, zeigt dieser Film, ohne je den Boden der Realität unter den Füßen zu verlieren. Dafür werden viele kleine Momente gebastelt, die man selbst entdecken darf und damit das Gefühl bekommt, Angie und ihre Mutter besser kennenzulernen. Vielleicht sogar besser als gewollt.

"Back for Good" lief als Eröffnungsfilm der Perspektive Deutsches Kino bei der Berlinale 2017 und schaut unter die Oberfläche, ohne plakativ zu sein. Kim Riedle hatte an dieser Stelle bereits ihr Meisterwerk geschaffen, zuletzt war sie an der Seite von Heino Ferch im Fernsehfilm "Liebe verjährt nicht" zu sehen.

Back for Good – Di. 22.09. – ARD: 00.40 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Eine Filmkritik sowie weitere Infos zu "Back for Good" finden Sie hier.


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Der Trailer zu "Back for Good"

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