Zweiter Fall für den erblindeten früheren Chefinspektor Haller (Philipp Hochmair). Bei einem Theaterbesuch mit seinem Freund Niko (Andreas Guenther) wird seine Schwester entführt.

Nachdem der frühere Wiener Kommissar Haller (Philipp Hochmair) bereits in seinem ersten Fall schwer vom Schicksal getroffen war – seine Lebensgefährtin starb bei einem Anschlag, er selbst erblindete dabei -, führt auch der zweite Fall ("Die verlorenen Seelen von Wien") in die Untiefen von Blinds Privatleben zurück. Das Schicksal hat es auf den Wiener abgesehen: Diesmal wird seine Schwester Sophie (Patricia Aulitzky) entführt. Bald nachdem Haller, wie nicht anders zu erwarten, eine Weile im Dunkel tappt, stellt sich heraus: Hier sind üble Erpresser am Werk, mit denen nicht zu scherzen ist.

Erstaunlich ernst und für Ösi-Verhältnisse recht humorlos, wird denn auch der Fall durchgezogen, der zwar optisch mit seiner melancholischen Atmoshäre nichts zu wünschen übrig lässt (Regie: Jano Ben Chaabane), dem es aber doch an überraschenden Einfällen und am Wiener Schmäh – wie man ihn etwa von den ORF-Stadt- und Landkrimis her kennt, gebricht. Enttäuschte Erwartungen also – und das nicht nur, weil einem Falco zu Beginn aus dem Off mit seinem "Der Kommissar geht um" ganz anderes verspricht.

Sightseeing und Spannung

Der Reiz der Buddykomödie zwischen Haller und Niko, seinem Freund und Helfer, ist ein Kernstück dieser deutsch-österreichischen Koproduktion, verbraucht sich leider allzu schnell. An ihren besten Stellen funktioniert sie eher indirekt – etwa, wenn sich Niko (Andreas Guenther) im Theaterfoyer in einem vom blinden Haller aufgetragenen "Aufmerksamkeitstraining" übt, damit er vor seiner Begleitung schöne Frauen ungerügt taxieren kann. Als dann seine Begleitung, eben Hallers Schwester, zur Toilette geht, bleibt sie nach dem Schrillen der Pausenglocke verschwunden.

Das Motiv der Entführer, eines Pärchens nämlich, das nichts als das gemeine Verbrechen selbst zusammenzwingt, wird dann sehr allmählich gelüftet. Hallers reiche Familie und deren Patriarch spielt da eine entscheidende Rolle. Dass Haller selbst in einem pompösen Ringstraßenhotel haust, das der Familie gehört, ist schon zu viel des Guten und ebenso wie Riesenrad und Burgtheater offensichtlich dem Versuch geschuldet, die Sightseeing-Tradition des Donnerstagskrimis mit einer hoffentlich spannenden Handlung zu verbinden.

Da die dritte Ausgabe von "Blind ermittelt" bereits im Kasten ist (Sendung am 05.03. im Ersten), weiß man, dass die Produktion von den eher egozentrischen Familienangelegenheiten Hallers endlich abrücken wird. In "Das Haus der Lügen" ermittelt er in einem Mädcheninternat. Eine Musiklehrerin hilft ihm dort über den schmerzlichen Verlust seiner Lebensgefährtin hinweg. Das zumindest klingt vielversprechend.

Blind ermittelt – Die verlorenen Seelen von Wien – Do. 27.02. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH