Im August vergangenen Jahres geriet Chemnitz in die Schlagzeilen. Nach dem gewaltsamen Tod von Daniel H. war die Stadt gespalten. Rechte machten Asylbewerber dafür verantwortlich. Linke protestierten dagegen. Was hat sich seit jenem verhängnisvollen Tagen in der Stadt in Sachsen geändert?

Der Mordfall Daniel H. liegt noch immer wie ein Schatten über Chemnitz. Im August vergangenen Jahres wurde der junge Mann im erweiterten Rahmen des Stadtfestes erstochen. Die mutmaßlichen Täter: Asylbewerber. Als die Umstände der Tat mehr und mehr bekannt wurden, versammelten sich spontan die Chemnitzer. Sie protestierten gegen eine aus ihrer völlig gescheiterte Flüchtlingspolitik. Sie trauerten um einen Mitbürger. Auf der anderen Seite formierten sich Demonstranten gegen Rechts. Mittendrin die TV-Kameras der Nachrichten. Bilder eines rechten Mobs, der zudem ausländische Mitbürger durch die Stadt gejagt haben soll, machten die Runde und wurden auch international bekannt. Die zum Teil hysterisch geführte Debatte hat sich irgendwann zwar wieder gelegt, angespannt ist die Situation aber nach wie vor.

Was ist seitdem passiert in der Stadt in Sachsen? Das fragt nun im Rahmen von "Die Story im Ersten" der Autor Marcel Siepmann. Sein Ergebnis: "Wir sind nicht eins", wie sein Film im Untertitel bereits verrät. Ein Jahr nach den Vorfällen führt er dafür Beispiele auf.

Die Krankenpflegerin Margarete Rödel etwa war von den Demonstrationen vor einem Jahr schockiert. Sie hat sich entschlossen, politisch aktiver zu sein, will ihre Stadt nicht den Rechten zu überlassen und engagiert sich bei der grünen Jugend.

Arthur Österle hingegen war Chefordner bei den Pro-Chemnitz-Demonstrationen vor einem Jahr. Heute bekennt sich Österle zur AfD, die sich inzwischen von Pro Chemnitz distanziert. Auch bei der AfD bringt er sich als Ordner ein. Österle ist sich sicher: Der Einfluss der AfD wird stärker. Das wird sich alsbald wohl zeigen. Am Sonntag, 1. September, sind Landtagswahlen in Sachsen.

Unterdessen hat der Mordfall Daniel H. ein Ergebnis. Der Angeklagte Alaa S. wurde vom Chemnitzer Landgericht zu neuneinhalb Jahren Haft wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Seine Verteidiger legten kurz nach der Verurteilung ihres Mandanten Rechtsmittel ein. Bei der Revision am Bundesgerichtshof könnte das Urteil gekippt werden.


Quelle: teleschau – der Mediendienst