Jens Söring wurde in den Vereinigten Staaten wegen Doppelmordes angeklagt und verurteilt. Bis heute sitzt er seine Haftstrafe ab, bis heute bestreitet er seine Schuld. Ein grandioser Dokumentarfilm widmet sich dem mehr als mysteriösen Fall.

"Am 25. August 1984 habe ich die Elisabeth Haysom kennengelernt", sagt Jens Söring im großartigen Dokumentarfilm "Das Versprechen" (2016). "Da war ich 18 Jahre alt und zum ersten Mal in meinem Leben von zu Hause weg." Was Söring damals noch nicht wusste: Diese Begegnung sollte sein Leben nachhaltig beeinflussen. Man kann auch sagen: zerstören. Denn nicht einmal ein Jahr später werden Haysoms Eltern in ihrem Haus in Virginia (USA) ermordet. Jens Söring und Elisabeth Haysom fliehen nach Großbritannien. Als sie gefasst werden, legt Söring ein Geständnis ab. Er habe Elisabeths Eltern auf dem Gewissen. Später widerruft er sein Geständnis, er habe Elisabeth schützen wollen. Doch sie bestätigt seine Schuld vor Gericht. Um von sich selbst abzulenken?

"Ich bin unschuldig", sagt Jens Söring, als er 1990 in Virginia zu zweimal lebenslänglich wegen Mordes verurteilt wird. Elizabeth Haysom sitzt da bereits seit zwei Jahren im Gefängnis, verurteilt zu 90 Jahren Haft wegen Anstiftung zum Mord. Bis heute ist unklar, was sich im Haus der Haysoms abgespielt hat. Die Filmemacher Marcus Vetter und Karin Steinberger recherchierten mehr als drei Jahre lang und fanden neue Beweise, die für Sörings Unschuld sprechen. Auch Söring selbst kommt zu Wort.

In 100 aufwühlenden Minuten, die als "Dokumentarfilm im Ersten" ARD-Premiere feiern, wird genau erklärt, wie der damals 19-Jährige in diese Situation geriet. Nachdem Söring und Haysom in England gefasst wurden, wurden sie getrennt voneinander zu dem Mord an Haysoms Eltern verhört. "Da habe ich mich dazu entschlossen und gesagt, dass ich es war. Ich dachte, ich sei ein Held. Ich dachte, ich sei ein ganz toller Kerl und rette ihr Leben", so der Diplomatensohn über seine Aussage damals, vor über 30 Jahren.

Wenn er spricht, wirkt es fast so, als rede er über jemand anderen. Nicht über sein Leben, das durch Elisabeth Haysoms Anschuldigungen zerstört wurde. "Ich habe sie geliebt. Sie ist bis heute die einzige Frau, mit der ich geschlafen habe." Die Geschichte über den Doppelmord in Virginia ist zugleich eine Geschichte über Gewalt, Missbrauch, Drogen, Leidenschaft, Sex. Es ist eine Geschichte über die erste große Liebe. Und der Film zeigt, wie verhängnisvoll ein einziger Fehler im Leben eines Menschen sein kann. Erzählt wird das spannender, als jeder fiktionale Krimi es je sein könnte, mit einer enormen emotionalen Wucht.

Trotz der neuen Beweise, die Vetter und Steinberger fanden, sitzt Jens Söring bis heute in Virginia im Gefängnis. Bewegung in den Fall kam zuletzt im Oktober 2017, nach Fertigstellung des Films. Bei einer Anhörung des Bewährungsausschusses, bei der auch der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff und der deutsche Botschafter Peter Wittig anwesend waren, forderte Söring erneut seine Freilassung. Eine Entscheidung steht noch aus.

Am Ende des Interviews hat Jens Söring für die Filmemacher noch einen Tipp: "Passt bloß auf, ihr seid in Virginia. Benehmt euch ganz besonders gut. Denkt an den Jens."


Quelle: teleschau – der Mediendienst