Voodoo statt Wellness: Die Journalistin Cora Stein (Susan Hoecke) lässt ihren Urlaub sausen, um die Gründe für den Selbstmordversuch einer jungen Frau aufzuklären. Antworten erhofft sie sich bei einem sozialen Projekt – und einem uralten Kult.

Okkultismus scheint gerade Hochkonjunktur zu haben – zumindest im deutschen Fernsehen. Erst kürzlich geriet Nina Kunzendorf in "Totenfieber – Nachricht aus Antwerpen" (ARD) auf der Suche nach ihrer verschwundenen Tochter in die Fänge eines Voodoo-Kults. Auch die Stuttgarter "Tatort"-Kommissare Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) ermittelten zuletzt im okkultistischen Milieu. Doch sowohl der ARD-Sonntagabend-Klassiker als auch der Krimi-Ausflug in die Niederlande verloren sich in schwarzmagischen Klischees und kruden Handlungssträngen. Besser machen will es nun SAT.1, das mit "Das vergessene Dorf – Cora Steins erster Fall" eine neue Krimi-Reihe aus der Taufe hebt.

Noch ein letztes Mal ihre Computerdaten sichern, dann kann es für die Journalistin Cora Stein (Susan Hoecke) in den wohlverdienten Wellness-Urlaub gehen. Als sie jedoch auf ihrer Speicherplatte verstörende Videos findet, ist klar: Die Festplatte wurde offensichtlich vertauscht. Coras journalistischer Spürsinn ist geweckt und leitet sie in die Wohnung gegenüber, wo sie Maren Grubow (Luise von Finckh) auffindet – mit aufgeschnittenen Pulsadern. Die junge Frau überlebt knapp, und Cora macht sich fortan auf die Suche nach den Gründen für Marens Verzweiflungstat.

Die Videoclips führen die Journalistin in das kleine Dorf Kahlewitz, wo sie auf das Hilfsprojekt des Pfarrers Albert Kuhn (Jörn Hentschel) stößt. Der Priester hat in einem abgelegenen Haus einen Zufluchtsort für Flüchtlinge aus Afrika geschaffen. Maren hatte vor ihrem Selbstmordversuch für eine Reportage recherchiert und sich dort mit Joy (Karen Changu Zimana) angefreundet. Schnell wird klar: Die verschlossene Frau hat ein schreckliches Geheimnis. Im Zuge ihrer Nachforschungen wird Cora auch auf ein verlassenes Kaufhaus aufmerksam, in dem vor kurzem eine verkohlte Leiche gefunden wurde. Doch was hat das alles miteinander zu tun, und was bedeuten die Voodoo-Symboliken, die Cora zu verfolgen scheinen?

Braves Debüt

In Rückblenden leistet Regisseurin Christiane Balthasar Stück für Stück Aufklärung, weshalb sich Marie selbst umbringen wollte. Parallel dazu schickt sie Cora auf Entdeckungstour in Kahlewitz, wo sie mit der fremden, zumeist in Afrika beheimateten Voodoo-Religion konfrontiert wird. Anders als in den eingangs erwähnten Negativbeispielen bestimmt der für Europäer beunruhigend anmutende Kult aber nicht die Handlung. Stattdessen spinnt er eine bedrohliche Atmosphäre und schafft Spannungsmomente, ohne in plakative Klischees über schwarze Magie auszuarten.

Atmosphärisch einschüchternd kommen auch die Szenen in dem leerstehenden Kaufhaus daher, toll eingefangen von Kameramann Hannes Hubach. Schade nur, dass das Potenzial des düsteren Konsumtempels mit seinen unzähligen ausdruckslosen Schaufensterpuppen nicht noch besser ausgenutzt wird. Von Drehbuchautor Nils Willbrandt hätte man sich ebenfalls mehr Mut gewünscht. Zwar ergeben die einzelnen Handlungsschritte Sinn, einen neuen Twist verleihen sie dem Krimigenre allerdings nicht. Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Schließlich ist "Das vergessene Dorf" der Auftakt einer neuen Krimireihe, der durchaus Lust auf mehr macht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst