Dem Sterben zum Trotz
29.11.2021 • 22:50 - 23:35 Uhr
Info, Gesellschaft + Soziales
Lesermeinung
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Originaltitel
Dem Sterben zum Trotz
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2020
Info, Gesellschaft + Soziales

Ein Ende an Apparaten

Von Andreas Schoettl

Welche Krankenhauskosten sind gerade in den letzten Jahren eines Lebens noch berechtigt und welche Behandlungen überhaupt noch sinnvoll? Ein investigativer Film beschäftigt sich mit solchen Fragen und deckt dabei auf, an welchen Symptomen das deutsche Gesundheitssystem krankt.

Es ist ein trauriges Ende: In Deutschland sterben immer mehr Menschen an Apparaten. Zahlen belegen das. Mittlerweile wird etwa jeder dritte Sterbende noch beatmet. Die Anzahl augenscheinlich hoffnungsloser Patienten, die noch operiert wurden, stiegen zwischen 2007 und 2015 um 21 Prozent, die Zahl der Dialysen um 30 Prozent und die der dauerhaften Luftröhrenschnitte um 16 Prozent. Auch das gehört zu den Folgen, die die fortschreitende Ökonomisierung des Gesundheitssystems mit sich gebracht hat. Es ist eben oft genug nicht mehr der Mensch, der bei medizinischen Behandlungen gerade in den Krankenhäusern im Vordergrund steht. Stattdessen haben Großinvestoren den Markt mit dem Leid für sich entdeckt. Sie pumpen Unmengen an Kapital in den Aufbau und die Übernahme von Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Unterm Strich sollen diese dann vor allem eines: sich lohnen.

Mit ihrem Film deckt Alexandra Hardorf auf, wie ein System entstanden ist, das gerade den kranken Menschen aus dem Blick verliert und verheerenden Druck und größte Not bei Patienten, Pflegekräften und Ärzten auslöst. Im Rahmen von "Die Story im Ersten" ist der Beitrag nun zu sehen.

Dabei musste sich die Autorin zunächst selbst im engsten Familienkreis mit dem sehr schwierigen Thema eines würdevollen Ablebens auseinandersetzen. Bei ihrem Schwiegervater wurde ein Aneurysma im Bauch entdeckt. Diagnose: nicht operabel. Schließlich fällte die Familie eine Entscheidung. Wenn das Gefäß platzt, sollen keine lebenserhaltenden Maßnahmen eingeleitet werden.

Hardorf fragt, wann sei es an der Zeit eine Therapie abzubrechen? Und schließlich: Wer profitiert überhaupt davon, wenn trotz fehlender Aussicht auf Besserung der Gesundheit immer weiter behandelt wird – und das zu immensen Kosten? Für Antworten spricht die Filmemacherin mit Ärzten, Aussteigern, Informanten und Betroffenen. Ein eindeutiges Ergebnis aber ist kaum zu erwarten – die Lage ist hochkomplex. Klartext spricht Matthias Töns. Der Palliativarzt sagt: "Eine Vielzahl der Behandlungen am Lebensende geschieht sogar gegen oder zumindest ohne den ausdrücklichen Willen der Menschen."

Die Story im Ersten: Dem Sterben zum Trotz – Mo. 29.11. – ARD: 22.50 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Das beste aus dem magazin

Das Buch "Pfoten im Sand"
Gesundheit

Für Sie gelesen: "Pfoten im Sand"

Dr. Sybille Morch tauschte ihr Leben als Oberärztin gegen ein neues Glück auf Koh Samui: In ihrem Buch "Pfoten im Sand" erzählt sie von ihrer Reise und ihrem Einsatz für behinderte Hunde.
Ronald Reng
HALLO!

Ronald Reng: "Die Nation hat sich entkrampft"

Ronald Reng („Robert Enke“, „Miro“, „Spieltage“) blickt in seinem neuen Buch „Der deutsche Sommer“ (Piper Verlag) auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zurück. Im Interview erklärt er, warum dieses Turnier auch 20 Jahre danach immer noch als „Sommermärchen“ gilt.
Prof. Dagny Holle-Lee ist Leiterin des Westdeutschen Kopfschmerz- und
Schwindelzentrums Essen sowie Oberärztin der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen.
Gesundheit

Auch Schwindel kann Migräne sein

Vestibuläre Migräne überrascht oft, da sie sich durch Schwindel statt der typischen Kopfschmerzen äußert. Viele Betroffene fühlen sich benommen oder wie auf einem Schiff. Die richtige Diagnose dauert oft Jahre, doch die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig und erfolgversprechend.
Olivia Jones (l.) und Johannes Hegemann 
HALLO!

Olivia Jones über den Film "Olivia": "Das ist wie ein Ritterschlag"

Oliver ist seit vielen Jahren unter dem Namen Olivia Jones als Travestie-Künstler erfolgreich. Besonders die Teilnahme an „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus” 2013 machte Olivia einem großen Publikum bekannt. Der Film „Olivia“ (ab 5. Mai in der ZDFmediathek und am 13. Mai um 20.15 Uhr im ZDF) erzählt eindrucksvoll die Lebensgeschichte des Künstlers.
Der Kalendermonat Mai.
Gesundheit

Aktionstage für die Gesundheit

Der Mai ist reich an Gesundheitstagen: Von Rauchfrei-Aktionen über den Welt-Hebammentag bis hin zum Asthma-Tag wird auf wichtige Gesundheitsthemen aufmerksam gemacht.
Dr. Lena Schlender ist Zahnärztin im Carree Dental in Köln.
Gesundheit

Gegen schädliche Bakterien: Zahnseide richtig nutzen

Zahnseide ist ein unverzichtbares Werkzeug in der Mundhygiene. Doch viele machen beim Flossing einen entscheidenden Fehler: Das kreuz und quer Anwenden. Warum das schädlich ist und wie es richtig geht, erfahren Sie hier.