Dem Sterben zum Trotz
Info, Gesellschaft + Soziales • 29.11.2021 • 22:50 - 23:35
Lesermeinung
Mehr und mehr ein Milliardengeschäft: 90 Prozent der Kosten, die ein Mensch über sein Leben hinweg bei den Krankenkassen verursacht, entstehen im letzten Jahr seines Lebens.
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Der Palliativarzt Dr. Mathias Thöns stellt eine erschütternde Diagnose. Er sagt: "Eine Vielzahl der Behandlungen am Lebensende geschieht sogar gegen oder zumindest ohne den ausdrücklichen Willen der Menschen."
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Vorsorge wird immer wichtiger. Mit einer Patientenverfügung beispielsweise lassen sich würdelose Therapien unterbinden.
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Er ist einer vonn vielen Betroffenen eines kranken Gesundheitssystems: Heinz Sening kämpft um Gerechtigkeit für seinen Vater.
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Originaltitel
Dem Sterben zum Trotz
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2020
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Ein Ende an Apparaten

Von Andreas Schoettl

Welche Krankenhauskosten sind gerade in den letzten Jahren eines Lebens noch berechtigt und welche Behandlungen überhaupt noch sinnvoll? Ein investigativer Film beschäftigt sich mit solchen Fragen und deckt dabei auf, an welchen Symptomen das deutsche Gesundheitssystem krankt.

Es ist ein trauriges Ende: In Deutschland sterben immer mehr Menschen an Apparaten. Zahlen belegen das. Mittlerweile wird etwa jeder dritte Sterbende noch beatmet. Die Anzahl augenscheinlich hoffnungsloser Patienten, die noch operiert wurden, stiegen zwischen 2007 und 2015 um 21 Prozent, die Zahl der Dialysen um 30 Prozent und die der dauerhaften Luftröhrenschnitte um 16 Prozent. Auch das gehört zu den Folgen, die die fortschreitende Ökonomisierung des Gesundheitssystems mit sich gebracht hat. Es ist eben oft genug nicht mehr der Mensch, der bei medizinischen Behandlungen gerade in den Krankenhäusern im Vordergrund steht. Stattdessen haben Großinvestoren den Markt mit dem Leid für sich entdeckt. Sie pumpen Unmengen an Kapital in den Aufbau und die Übernahme von Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Unterm Strich sollen diese dann vor allem eines: sich lohnen.

Mit ihrem Film deckt Alexandra Hardorf auf, wie ein System entstanden ist, das gerade den kranken Menschen aus dem Blick verliert und verheerenden Druck und größte Not bei Patienten, Pflegekräften und Ärzten auslöst. Im Rahmen von "Die Story im Ersten" ist der Beitrag nun zu sehen.

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Dabei musste sich die Autorin zunächst selbst im engsten Familienkreis mit dem sehr schwierigen Thema eines würdevollen Ablebens auseinandersetzen. Bei ihrem Schwiegervater wurde ein Aneurysma im Bauch entdeckt. Diagnose: nicht operabel. Schließlich fällte die Familie eine Entscheidung. Wenn das Gefäß platzt, sollen keine lebenserhaltenden Maßnahmen eingeleitet werden.

Hardorf fragt, wann sei es an der Zeit eine Therapie abzubrechen? Und schließlich: Wer profitiert überhaupt davon, wenn trotz fehlender Aussicht auf Besserung der Gesundheit immer weiter behandelt wird – und das zu immensen Kosten? Für Antworten spricht die Filmemacherin mit Ärzten, Aussteigern, Informanten und Betroffenen. Ein eindeutiges Ergebnis aber ist kaum zu erwarten – die Lage ist hochkomplex. Klartext spricht Matthias Töns. Der Palliativarzt sagt: "Eine Vielzahl der Behandlungen am Lebensende geschieht sogar gegen oder zumindest ohne den ausdrücklichen Willen der Menschen."

Die Story im Ersten: Dem Sterben zum Trotz – Mo. 29.11. – ARD: 22.50 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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