05.01.2026 Arzt-Kolumne

Hörverlust durch ständig hohe Lärmbelastung

von Stefan Appenrodt
Ein 30-jähriger Patient offenbart einen ungewöhnlichen Hörverlust. Seit seiner Jugend als Schlagzeuger und DJ tätig, leidet er an einem Hörschaden durch hohe Lärmbelastung. Ein individueller Gehörschutz könnte ihm helfen, weiteren Schaden zu vermeiden.
Dr. Stefan Appenrodt im weißen Kittel
Dr. Stefan Appenrodt ist Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Allergologie in München. Fotoquelle: Dr. Appenrodt/ Claudia Goepperl

Ein 30-jähriger Patient suchte kürzlich meine Sprechstunde auf und erklärte, dass er immer schlechter hören könne. Für einen Patienten seines Alters ist das sehr ungewöhnlich, da es sich nicht um einen altersbedingten schleichenden Hörverlust handeln kann. Ich untersuchte den Dreißigjährigen eingehend und führte auch verschiedene Tests durch. Diese ergaben, dass der Patient bereits einen gewissen Hörschaden hatte.

Als ich mit dem Patienten die Diagnose besprach, fragte ich ihn, ob er beruflich oder privat häufig einer hohen Lärmbelastung ausgesetzt sei. Der Patient antwortete, er sei seit seiner Teenagerzeit Schlagzeuger in einer Band und arbeite außerdem als DJ. Dies konnte seinen Hörverlust gut erklären. Die Sinneszellen in seinen Ohren hatten keine Möglichkeit sich zu erholen, weil sie dauerhaft und intensiv lauten Geräuschen ausgesetzt waren. „Wird sich mein Gehör denn nie wieder erholen?“, fragte mich der junge Mann besorgt. „Sie müssen auf jeden Fall Intensität und Dauer der Geräusche vermindern, damit es nicht noch schlimmer wird, eine Regeneration ist leider unwahrscheinlich“, antwortete ich ihm.

Ich erklärte ihm das Prinzip der Sinneszellen in seinem Innenohr mit einem Vergleich: „Sie können intakte Sinneszellen mit einem schönen grünen Rasen vergleichen. Wenn Sie nun für kurze Zeit einen leichten Blumentopf auf diesen stellen, dann wird das Gras an der Stelle platt sein, aber sich wieder aufrichten, sobald Sie den Topf wegstellen. Stellen Sie einen sehr schweren Topf für eine längere Zeit auf den Rasen, bleibt eine braune Stelle. Das veranschaulicht die Möglichkeiten der Erholung des Gehörs: Diese ist abhängig von Dauer und Intensität der Lärmbelastung.“

Mein Patient benötigte zwar noch kein Hörgerät, ich riet ihm aber, alle unnötigen Lärmbelästigungen konsequent zu meiden. Außerdem gab ich ihm den Tipp, einen für Musiker angepassten Gehörschutz zu tragen. Dieser wird individuell gefertigt, um einen hohen Tragekomfort zu gewährleisten. Durch eine lineare Dämmung des Schalls können alle Frequenzen gleichmäßig reduziert werden, sodass der Klang unverfälscht bleibt. Diese speziellen Hilfsmittel schützen vor Hörschäden und sind entweder als wiederverwendbare Ohrstöpsel mit Filtern oder als maßgefertigte Otoplastiken beim Hörgeräteakustiker erhältlich, der dafür einen Ohrabdruck anfertigt.