„Ist ein solcher Eingriff in meinem Alter nicht zu gefährlich?“ Diese Frage stellte mir besorgt ein 81-jähriger Patient, bei dem ich eine undichte Herzklappe entdeckt und eine Herzklappeninsuffizienz diagnostiziert hatte. Das ist in seinem Alter keineswegs selten. Mit zunehmendem Alter verlieren Herzklappen an Elastizität. Manchmal sind sie aber auch durch frühere Erkrankungen vorgeschädigt, was sich dann erst im Alter bemerkbar macht. Die Herzklappen schließen nicht mehr richtig, wodurch das Blut „in die falsche Richtung“ fließt. Das Herz muss gegen diesen Rückfluss anpumpen. Das kann zu Atemnot, Müdigkeit, geschwollenen Beinen oder fehlender Belastbarkeit im Alltag führen. Unbehandelt steigt das Risiko einer Herzschwäche deutlich.
Die gute Nachricht: Der Eingriff ist heute viel schonender als früher. Musste früher der Brustkorb geöffnet und das Herz vorübergehend stillgelegt werden, setzen wir dank neuester Medizintechnik heute immer häufiger auf minimalinvasive Katheterverfahren. Über einen dünnen Schlauch, meist durch die Leiste, gelangen wir direkt an die erkrankte Herzklappe. Dort können wir sie mit winzigen Clips reparieren oder sogar, falls erforderlich, die kranke Klappe komplett ersetzen. Das Herz schlägt dabei weiter. Der Eingriff ist für den Körper deutlich weniger belastend. Das Risiko des Eingriffs ist erheblich geringer. Für ältere oder vorerkrankte Menschen, die zum Teil als „nicht operabel“ galten, ist das ein großer Fortschritt. Viele Betroffene können schon nach wenigen Tagen wieder entlassen werden. Je eher eine undichte Herzklappe entdeckt wird, desto größer sind die Chancen, sie derart schonend und erfolgreich zu behandeln. Symptome wie Atemnot, anhaltende Erschöpfung oder Herzstolpern sollten daher früh abgeklärt werden.
Auch mein 81-jähriger Patient war überrascht, wie schnell er sich erholte. Sein Klinikaufenthalt war kurz. Er hatte praktisch keine Schmerzen und konnte rasch in seinen Alltag zurückkehren. Dank des Eingriffs erfreut er sich eines Alltags ohne weitere Einschränkungen. Moderne Herzmedizin bedeutet heute nicht mehr, nur ein längeres Leben führen zu können, sondern auch lange mehr Lebensqualität zu genießen.