Es begann mit einem stechenden Schmerz im Gegensicht. Die Betroffene aus meiner Sendung war Anfang 30, als sie zum ersten Mal diese Attacken spürte: brennend, elektrisierend, wie Nadelstiche - so heftig, dass sie kaum mehr sprechen konnte. "Früher hab ich immer gesagt, das ist wie König Triton von Arielle, der seinen Dreizack da oben reinbohrt und den dreht", erinnert sie sich.
Als ausgebildete Physiotherapeutin weiß sie viel über ihren Körper – und doch fand sie keine Erklärung. Sie suchte Hilfe bei Hausärzten, Fachärztinnen und in Kliniken. Zwei Jahre lang. Immer wieder hoffte sie auf eine Diagnose, doch die Ursache für ihre Schmerzen blieb unklar. Schmerzmittel halfen kaum. „Man sieht in den Augen der Ärzte, dass sie auch verzweifelt sind. Und das macht einem dann noch mehr Angst.“
Erst bei Schmerztherapeut Dr. Oliver Emrich aus Ludwigshafen findet sie Antworten. Eine kleine, fast unscheinbare Narbe am Kinn bringt ihn auf die Spur: „Die Narbe ist der Restzustand einer Nervenentzündung, hier von einer Gürtelrose“, erklärt er. „Geblieben ist ein chronischer Schmerz, eine Überreizbarkeit der Nerven-Austrittsstelle.“ In Folge hat sich ein sogenanntes Schmerzgedächtnis entwickelt: Das Gehirn reagierte überempfindlich, selbst ohne akuten Auslöser. Die Schmerzerfahrung, so beschreibt es Dr. Emrich, sei im Gehirn regelrecht „eingraviert“ – ähnlich wie ein erlernter Bewegungsablauf, den man nie mehr vergisst. Schon ein kleiner Reiz kann ausreichen, um den alten Schmerz wieder hervorzurufen.
Heute hilft der Betroffenen eine gezielte Therapie: Etwa alle Zehn Wochen betäubt Dr. Emrich die betroffenen Nervenaustrittspunkte unter der Haut mit einem Lokalanästhetikum. So lässt sich die überreizte Schmerzleitung vorübergehend unterbrechen. Auch spezielle Medikamente für Akutfälle stehen bereit – doch die braucht sie dank der regelmäßigen Behandlung immer seltener.
„Wenn das Betäubungsmittel wirkt, ist das wie beim Zahnarzt, wenn die Backe taub wird. Ich kann dann einfach durchatmen“, beschreibt sie das Gefühl der Erleichterung. Ganz verschwinden wird der Schmerz wohl nie. Aber sie hat gelernt, damit zu leben – und sich Stück für Stück Lebensqualität zurückzuholen.