09.02.2026 Seniorenverkehr

Fit genug zum Autofahren?

Viele Senioren möchten ihren Führerschein nicht missen – manchmal sollten sie aber, etwa wegen gesundheitlicher Einschränkungen, besser auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Bei begleiteten Rückmeldefahrten bekommen sie ein ehrliches Feedback.
Ein alter Mann schaut im Auto über seine Schulter.
Ab wann ist man nicht mehr fit genug zum Autofahren? Fotoquelle: Gettyimages/Jevtic

Viele – gerade auch ältere – Menschen verbinden das Autofahren mit einem Gefühl von Freiheit und Eigenständigkeit: Ich fahre alleine zum Einkaufen, ich regele meine Besuche beim Arzt oder meine Freizeitaktivitäten selbst. Auch wenn sich ihre gesundheitliche Verfassung verschlechtert, hängen Senioren oft an ihrem Führerschein, manchmal aus Angst, ohne Auto isoliert zu sein oder andere häufig um Hilfe bitten zu müssen, manchmal auch aus der Überzeugung, trotz ihrer Einschränkungen fürs Fahren doch noch fit genug zu sein. Immer wieder wird darüber diskutiert, ob Senioren ab einem bestimmten Alter regelmäßig ihre Gesundheit überprüfen lassen sollten, wie es in anderen europäischen Ländern etabliert ist. Der Blick in die Unfallstatistik der vergangenen Jahre zeigt, dass ältere Menschen zwar gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung seltener an Verkehrsunfällen beteiligt sind, diese aber oft schwerwiegender verlaufen. Zudem tragen ältere Pkw-Fahrer, insbesondere ab einem Alter von 75 Jahren, sehr oft die Hauptschuld an einem Unfall. Häufig kommt es bei Senioren laut Statistischem Bundesamt zu Unfällen wegen Fehlern beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren sowie wegen Vorfahrts- oder Vorrangsfehlern. Nicht angepasste Geschwindigkeit oder Alkoholeinfluss sind hingegen selten ein Problem – anders als bei jungen Fahrern.

Bisher gibt es in Deutschland weder verpflichtende Gesundheitschecks noch eine Altersgrenze fürs Autofahren. Somit bleibt es dem Einzelnen überlassen, seine Fahrtüchtigkeit einzuschätzen. Karin Müller, Projektreferentin für das Themenfeld „Ältere Menschen“ bei der Deutschen Verkehrswacht, betont: „Allgemein lässt sich sagen, dass das kalendarische Alter für sich genommen wenig darüber aussagt, wie gesund, leistungsfähig und verkehrstüchtig ein Mensch ist. Altersbegleitende Gesundheits- und Leistungseinbußen sind individuell sehr unterschiedlich.“ Relevant seien Veränderungen, die wichtig sind, um Abläufe im Verkehrsgeschehen richtig einzuschätzen: „Es fällt älteren Menschen zunehmend schwerer, viele Informationen gleichzeitig zu verarbeiten und schnelle Entscheidungen zu treffen. Auch Aufmerksamkeit, Konzentration, Beweglichkeit und viele andere Fähigkeiten lassen nach. Dadurch haben ältere Fahrende vermehrt Probleme in komplexen Situationen, etwa an einer stark befahrenen Kreuzung oder im dichten Berufsverkehr.“ Hinzu kommen oftmals etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen,  Bluthochdruck und auch Demenzerkrankungen, die Auswirkungen auf das Fahren haben können. Zudem können manche Menschen altersbedingt im Dämmerlicht oder nachts nicht mehr gut sehen. Das lasse sich auch mit Sehhilfen nicht beheben, sagt Müller, und könne dazu führen, dass Ampeln, Verkehrszeichen oder auch andere Verkehsteilnehmer  zu spät erkannt werden.

Die Verkehrswachten vor Ort bieten regelmäßig Veranstaltungen und Trainings zur sicheren Mobilität im Alter an. Dort können Senioren sich informieren und austauschen, teilweise auch an Fahrsimulatoren ihre Fähigkeiten überprüfen. Auf einer digitalen Lernplattform gibt es zudem Videos und andere Inhalte zu den relevanten Themen.

Eine Einschätzung zur Fahrkompetenz könnten begleitete Rückmeldefahrten geben, und für ein sichereres Verhalten in schwierigen Verkehrssituationen seien spezielle Fahrsicherheitstrainings eine gute Anlaufstelle, erklärt Karin Müller. Die begleiteten Rückmeldefahrten werden von manchen Verkehrswachten, aber auch etwa vom ADAC, TÜV oder direkt über Fahrschulen angeboten. Hierbei beobachten entsprechend geschulte Personen – wie zum Beispiel Fahrlehrer – in einer Stunde das jeweilige Fahrverhalten und geben anschließend eine qualifizierte Rückmeldung dazu. Außerdem geben sie bei Bedarf Tipps, wie der Fahrer beispielsweise in gefährlichen Situationen besser reagieren könnte. Sollte sich zeigen, dass jemand eigentlich nicht mehr geeignet für das Autofahren ist, bleibt die Entscheidung, den Führerschein abzugeben, dennoch bei ihm. Eine Meldung an die Behörden erfolgt nicht.

Wer sich zu den Themen der Deutschen Verkehrswacht informieren möchte, schaut im Netz unter www.verkehrswacht.de oder schreibt eine Mail an: [email protected]