Ein Film, der in die Welt des Adels entführt: Ein junger Biobauer, illegitimer Spross eines verstorbenen reichen Grafen, fordert seinen Erbteil ein. Zwei Anwältinnen ziehen für jeweils ihre Sicht von Recht und Gerechtigkeit vor Gericht.

Der ARD-Freitagabend ist der Zeitpunkt, an dem man sich nach einer langen Arbeitswoche gerne auch mal in mehr oder weniger verträumte Welten entführen lassen kann. Ganze Segmente der breitgefächerten deutschen Medienlandschaft leben von der Sehnsucht, sich ab und an in eine für Normalbürger meist unerreichbaren Sphäre der Reichen und Schönen sowie im ganz Speziellen in die vermeintlich längst untergegangene Schicht der Adeligen zu versetzen. Wie tröstlich dann die verzuckerte Botschaft, dass auch in dieser Welt intrigiert, gelogen und betrogen wird – und dass Geld allein angeblich nicht glücklich macht. Auf dieser bonbonbunten Welle versucht die ARD-Komödie "Dennstein & Schwarz", die von Auseinandersetzungen um einen illegitimen Grafen-Spross sowie vom Kampf um Familienehre erzählt, einfach mal mitzuschwimmen.

Auf der Oberfläche ist die von Konstanze Breitebner geschriebene und von Michael Rowitz (einst Regisseur der Fernsehserie "Der König") ansprechend in Szene gesetzte Geldgeschacher-Komödie eine einzige juristische Auseinandersetzung. Und natürlich müssen mal wieder zwei sehr unterschiedliche Frauen und ihre jeweils stark divergierenden Ansichten über Recht, Gerechtigkeit und seriöse Prozessführung aufeinandertreffen: Die Adelsseite des alten Geschlechts Dennstein vertritt Paula Dennstein (Maria Happel, bekannt aus der ZDF-Serie "SOKO Wien"), die eine durchsetzungsstarke, mit allen Wassern gewaschene Advokatin spielt. Ihre Gegenspielerin ist die junge, unerfahrene Anwältin Therese Schwarz (Martina Ebm, "Vorstadtweiber"), die sich den Luxus leistet, noch idealistisch zu sein.

Schwarz vertritt den Biobauern Fritz (Robert Finster), der sich mit einem weitreichenden Anspruch Gehör zu verschaffen versucht: Er sei der uneheliche zweite Sohn des verstorbenen Grafen Dennstein. Und Fritz fordert nun ein Drittel des Familienvermögens als Erbe. Doch nicht nur sehr viel Geld steht auf dem Spiel. Es geht auch – in welchen Zeiten spielt dieser Film? – angeblich darum, den Ruf des Grafen-Geschlechts zu verteidigen. Und natürlich darf sich auch der Fall für Therese Schwarz alles andere als einfach gestalten: Die junge Anwältin war einst die Jugendliebe von Fritz, der inzwischen allerdings anderweitig verheiratet ist. Doch – schnüff! – sie hängt eben noch sehr an ihm. Zudem gibt es mit ihrem Vorgesetzten, dem Kanzleiinhaber Dr. Biron (Wolfram Berger), einen Finsterling, der die Rechtsvertreterin immer wieder ausbremsen will. Auch Biron spielt nicht mit offenen Karten: Er steht vor allem der intriganten Gräfin Alexandra (Krista Stadler) sehr nahe.

Vermutlich dämmerte den Verantwortlichen, dass sich derlei blaublütiges Bauerntheater nicht so einfach in die zum Glück doch aufgeklärte Gegenwart (1918 wurde in beiden Entstehungsländern des Films, Deutschland wie Österreich, die ständische Aufteilung der Gesellschaft per Gesetz abgeschafft) übertragen lässt. Deswegen decken die beiden Anwältinnen, die nach und nach Gemeinsamkeiten erkennen und ihre Fronten verlassen, ein "wohlgehütetes Familiengeheimnis" auf. Da öffnet sich dann doch noch die Chance für Emanzipation und feministische Schulterschlüsse. Ganz so eben, wie es eine der beiden Hauptdarstellerinnen in ihren Erklärungen zum Film zum Ausdruck bringen darf: "Es geht um zwei Frauen, die sich für Recht oder Gerechtigkeit einsetzen", sagt die Schauspielerin Martina Ebm. "Und zwar jede auf ihre Art und Weise – sehr konträr. Das macht das Ganze auch sehr lustig, weil jede ihre eigene Auslegung der Gerechtigkeit hat."

So weit, so gut. "In Wirklichkeit kämpfen sie am Anfang gegeneinander und finden dann heraus, dass sie sich total sympathisch finden und dass sie es nicht nötig haben, sich von Männern lenken zu lassen. Zwei starke Frauen, die zueinander finden." Unterhaltsamen Freitagabend, trotz allem!


Quelle: teleschau – der Mediendienst