Anne Marie Fuchs' dritter Fall, Zeitgeschichte im Krimiformat: Kurz vor der Wende hat man der Ex-Agentin ihren kleinen Sohn entführt, angeblich verstarb er in einem DDR-Waisenhaus.

Dritter Fall für Anne Marie Fuchs (Lina Wendel), die sie "die Füchsin" nennen. "Das is' ja wie früher!", sagt die ehemalige DDR-Spionin, als sie im Büro ihres Ex-Führungsoffiziers und jetzigen Inhabers einer florierenden Düsseldorfer Sicherheitsfirma hinter einer Steckdose endlich die Unterlagen über den Verbleib ihres tot geglaubten Sohnes findet. Vor 30 Jahren war der fünfjährige Florian plötzlich verschwunden, sie war damals kurz vor dem Ende der DDR aus der Stasi ausgestiegen. Ihr Ex-Mann Konrad Gelden hatte im Verteidigungsministerium der BRD gearbeitet, sie war damals auf ihn angesetzt. Nach einem Hinweis ist nun Anne Marie mit ihrem Detektei-Kollegen Youssef (Karim Cherif) unterwegs, um Gelden zum Verbleib ihres gemeinsamen Kindes zu befragen.

Doch just als die Ex-Agentin in Geldens Villa angekommen ist, kracht es laut. Erst geht der Ex-Mann, dann aber auch noch die ohnmächtig gewordene Anne Marie zu Boden. Plötzlich ist man in einem Mordfall unterwegs – und nicht nur auf der Suche nach Anne Maries inzwischen erwachsenem Sohn. Ein komplizierter Fall, wie sich denken lässt. Gelden hatte zwei Söhne, so stellt sich heraus – und zwei Familien gewissermaßen: die eine "von Berufs wegen", die andere privat. Der eine seiner beiden Söhne lebt in der Düsseldorfer Villa, der andere wurde in die DDR verschleppt, lebte im Waisenhaus und war dort verstorben, so hieß es offiziell. Er sei "schwierig" gewesen, sagt später seine Adoptivmutter, bei der er in Wahrheit weiter lebte. Er sei auch im Gefängnis gewesen. War er am Ende der Mörder seines Vaters?

Stasi-Geschichten wie diese lassen sich leider nicht mit leichter Hand und schon gar nicht mit einem unterhaltsamen Augenzwinkern im Krimiformat erzählen. Die Vergangenheit – sie lebt. Weshalb Lina Wendel als frühere Stasi-Frau auch immer mit einem Gesicht herumläuft, als sei ihr gerade die Magensäure hochgestiegen. Das mag schlüssig gespielt sein, gefriert aber neben den zahllosen Mitteilungen über die Vergangenheit auch die Handlung mit ein. Bald weiß oder ahnt man zumindest all das, was es auch hier über Stasi-Machenschaften zu wissen gibt: über Kindsentführungen, vor allem, aber auch über ehemalige Seilschaften, die sich kurz nach der Wende wieder zusammentaten.

Es sind eher die kleinen Momente, die den Zuschauer mitnehmen. Beispielsweise, wenn es ins ehemalige Waisenhaus in Dessau geht. "Dessau in Thüringen", sagt Youssef, bevor sie sich auf die Reise machen. "In Sachsen-Anhalt", belehrt ihn Anne Marie. Und wenn dann Youssef an der Front des heruntergekommenen Waisenhauses einen Hinweis auf den örtlichen Heimatverein entdeckt, bei dem sie sicher "alles wissen" über die Kinder von damals und über den vermissten Sohn (ist dann auch so), ist das mal schönster Pulp. Und wenn sie auf ihrer Suche in einem Kölner Hinterhof auf einen von Sahin Eryilmaz in Türkdeutsch gespielten korpulenten Mitbewohner des gesuchten Sohnes treffen, lockt Youssefs Wette ("Ich machen den besten türkischen Kaffee, fuffz'sch Euro!") den Mitbewohner fort, damit Anne Marie unbehelligt ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen kann – der Computerschnüffelei. Da bekommt der Film jene Lockerheit, die ihm sonst inmitten der vielen Mitteilungen und Behauptungen fehlt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst