Die Klinik - Ärzte, Helfer, Diagnosen
17.07.2018 • 20:15 - 22:20 Uhr
Report, Reportage
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Produktionsland
Deutschland
Produktionsdatum
2017
Altersfreigabe
12+
Report, Reportage

So schlägt das Herz eines Krankenhauses

Von Eric Leimann

Viermal 90 Minuten lang begleitet eine erstaunlich aufwendige und ernsthafte Dokureihe das Personal eines großen Klinikkomplexes.

2.000 Angestellte des Klinikums Frankfurt Höchst kümmern sich pro Jahr um etwa 140.000 Patienten. 17 der professionellen Helfer – vom Krankenpflegeschüler über die hübsche Assistenzärztin bis zum Herzchirurgen – durften die Macher der Sendung "Die Klinik – Ärzte, Helfer, Diagnosen" 100 Tage lang begleiten. Es entstand eine ambitionierte und durch und durch ernsthafte Dokureihe über das Personal eines großen Klinikkomplexes. Wie gehen Mediziner und Pfleger mit Krisen um, die bei den meisten von ihnen zum Arbeitsalltag gehören? Wie bewältigen sie den Stress eines 24 Stunden-Dienstes, in dem es immer wieder um Leben und Tod geht? Sollte die Quote des sehenswerten Prestigeprogramms stimmen, wollen kabel eins und die Frankfurter Klinik ihre Zusammenarbeit fortsetzen. Dann könnten aus vorerst vier Folgen mit 90 Minuten Netto-Sendezeit in Zukunft mehr werden.

Es ist ein interessanter Perspektivwechsel, den die kabel eins-Verantwortlichen und die Produzenten Bärbel Jacks sowie Florian Falkenstein mit diesem Format vornehmen. Anstatt die hundertste Patienten-Doku ins Fernsehen zu bringen, heftet sich dieser Dreh an die Fersen der Helfer. "Gescripted", also bestenfalls "an der Realität orientiert", erscheint hier nichts. Mehr als ein Dutzend Protagonisten, darunter eine Putzfrau, ein Lagerverwalter, aber auch eine Hebamme und Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen, ließen sich über drei Monate über die Schulter schauen. Interviews, zwar am Arbeitsplatz aufgenommen, aber wieder mit "Ruhepuls", reflektieren das, was Zuschauer und Protagonisten zuvor erlebt haben.

Natürlich gehorchen die meisten der vorgestellten Typen dem Verdikt von Kamera- und Story-Tauglichkeit. Die hübsche, aber sich stets aufopfernde Assistenzärztin. Der leidenschaftliche Kardiologe in seinem Hightech-OP. Die handfeste, Untertitel-würdig hessisch "babbelnde" Putzfrau, die noch im Rentenalter auf den Hocker steigt, um Blutspritzer von der Decke zu entfernen. Der Krankenpfleger mit italienischen Wurzeln und Helfersyndrom. Dennoch verkommen die Protagonisten nicht zum Klischee. Die Nähe der Produktion zum Alltag in der Klinik ist beeindruckend. Und dort laufen die Dinge angenehmer Weise nicht immer so, wie der dramaturgisch an vielen ausgedachten TV-Klinikaufenthalten geschulte Zuschauer es kennt.

Die härteste Szene der ersten Folge, in der unter anderem auch ein Hüftknochen zersägt wird – unter Vollnarkose, versteht sich! – ist der Verbandswechsel bei einem Mädchen im Kindergartenalter. Die Kleine hat sich am Finger verletzt. Obwohl Notaufnahmen-Chefarzt Peter-Friedrich Petersen den Job mit väterlich-empathischer Zuwendung beginnt, endet die Szene in Schreikrämpfen mit Fixierungsbedarf. Eine Patientin verweigert – trotz Kamera – die notwendige Kooperation, einer der undramatischsten Fälle sorgt so für die krassesten Bilder.

Meist ist Realität eben spannender als jenes klischeehafte Leben, da sich andere, pseudo-dokumenatarische Formate ausdenken. Dass das Mädchen am Ende mit neuem Verband – friedlich, als wäre nichts gewesen – an der Hand des Vaters die Klinik verlässt und der erfahrene Arzt trotz Schweiß auf der Stirn wieder lachen kann: ein Happyend wie dieses gehört ebenso zu einem Primetime-Programm wie jene "emotionalisierende" Musik, die vor allem bei den Privaten wohl ewig über Szenen dudeln wird, die auch allein genug Kraft hätten. Trotzdem, ein sehenswertes Programm!


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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