Ein Hauch von Amerika
Serie, Historienserie • 01.12.2021 • 20:15 - 21:00
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Darf ein deutsches Mädchen einen schwarzen Besatzer lieben? Anfang der 50er-Jahre kommen Bauerntochter Marie (Elisa Schlott) und GI George (Reomy D. Mpeho) in der pfälzischen Provinz zusammen. Ihre Beziehung trifft auf vielerlei Widerstände und steht als eine von mehreren Geschichten im Zentrum des ARD-Dreiteilers "Ein Hauch von Amerika".
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Was hat ein Panzer der Army auf dem Acker der Familie Kastner zu suchen? Noch dazu während (von links) Marie (Elisa Schlott), ihr Bruder Vinzenz (Paul Sundheim), Mutter Luise (Winnie Böwe) und Vater Heinrich (Aljoscha Stadelmann) mühsam die Kartoffeln ernten wollen ...
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Im Haushalt der Amerikanerin Amy McCoy (Julia Koschitz) lernt Bauerntochter Marie (Elisa Schlott) eine ganz neue Welt kennen.
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ARD-Dreiteiler "Ein Hauch von Amerika": Marie Kastner (Elisa Schlott) erlebt, wie sich nach Ansiedlung der Amerikaner das Leben der Pfälzer Dorfgemeinschaft - aber auch das ihrer Besatzer - verändert.
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Maries (Elisa Schlott) Verlobter Siegfried (Jonas Nay, zweiter von links) kommt aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Wie soll es  nun mit George (Reomy D. Mpeho) weitergehen?
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Colonel McCoy (Philippe Brenninkmeyer, links) und Bürgermeister Strumm (Dietmar Bär, zweiter von links) haben schnell gelernt, miteinander Geschäfte zu machen. McCoys Assistent Meadow (Artjom Gilz übersetzt.
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Erika (Franziska Brandmeier, rechts) erhofft sich von den amerikanischen Soldaten eine neue Perspektive für ihr Leben. Dass Marie (Elisa Schlott) sich mit dem Bauernleben begnügen will, ist ihr fremd.
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Bill Meadow (Artjom Gilz) findet Bürgermeistertochter Erika Strumm (Franziska Brandmeier) attraktiv. Erika fühlt sich geschmeichelt - und träumt von einer "amerikanischen" Zukunft.
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Zwei US-Militär-Angehörige sind gekommen, um Marie (Elisa Schlott, dritte von links) zum Colonel zu bringen. Ihre Mutter Luise (Winnie Böwe) und Bruder Vinzenz (Paul Sundheim) haben Angst, dabei verbirgt sich ein Job-Angebot hinter der "Vorladung".
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Als wäre der Führer noch am Leben: Wiltrud Strumm (Marie Anne Fliegel, zweite von links) lebt in ihrer Vergangenheit. Damit irritiert sie ihren Sohn Friedrich (Dietmar Bär) und Schwiegertochter Anneliese (Anna Schudt).
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Produktionsland
D
Produktionsdatum
2021
Serie, Historienserie

Die Gedanken sind frei, aber nur die ...

Von Eric Leimann

Der ARD-Mehrteiler "Ein Hauch von Amerika" erforscht deutsch-amerikanische Befindlichkeiten Anfang der 50er-Jahre an einem US-Truppenstützpunkt in der Pfalz. Das mit Stars gespickte Event-Programm erzählt von Aufbruch und Zukunftsträumen, aber auch von Rassismus dies- und jenseits des Atlantiks.

Nachdem Drittes Reich, Weltkrieg sowie die deutsche Teilung und Wiedervereinigung in zahlreichen Event-Movies und Mehrteilern aufgearbeitet wurden, scheint sich die Nachkriegszeit als neues Setting für fiktionales Erzählen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen herauszukristallisieren. Klar, passt schon irgendwie. Der Altersschnitt der Zuschauer des linearen ARD- und ZDF-Programms liegt bei gut 60 Jahren. Schon der ARD-Dreiteiler "Unsere wunderbaren Jahre" beschäftigte sich vor gut anderthalb Jahren mit der ganz jungen Bundesrepublik. In der Verfilmung des gleichnamigen Buches von Peter Prange standen damals die Einführung der D-Mark und das Entstehen einer neuen gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Ordnung als Thema Pate. Hauptsächlich wurde jedoch ein Familienmelodram um drei Schwestern erzählt.

Eine dieser Schwestern verkörperte Elisa Schlott, die nun in "Ein Hauch von Amerika" auch die Hauptrolle spielt. Im neuen Nachkriegsepos, das in der Mediathek bereits ab Mittwoch, 24. November, als sechsteilige Miniserie abrufbar ist, spielt die 27-Jährige Bauerntochter Marie. 1951 macht sie im beschaulichen Pfälzer Ort Kaltenstein Bekanntschaft mit den amerikanischen Besatzern. Nach der Explosion einer alten Fliegerbombe auf dem Kartoffelacker ihrer Familie zerstört ein amerikanischer Panzer auch noch deren Ernte. Der Fahrer des Panzers, ein schwarzer Soldat namens George (Reomy D. Mpeho), will den Schaden wieder gut machen und ist sofort fasziniert von Marie. Doch die bleibt erst mal reserviert. Ihre Freundin Erika (Franziska Brandmeier), Tochter von Bürgermeister Strumm (Dietmar Bär), ist dagegen begeistert vom Lebensgefühl, das die Amerikaner in das verschlafen-konservative Kaltenstein bringen. Sie könnte sich eine Beziehung zu einem GI durchaus vorstellen ...

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Schwarze GIs in Deutschland: Rassismus von zwei Seiten

Ebenso euphorisch sind George und seine schwarzen Kameraden, die in Deutschland zum ersten Mal einen Hauch von Freiheit erleben, wenn sie in der Kaltensteiner Kneipe grenzenlos Bier bestellen und mit einem "Fräulein" ausgehen können. Während Erikas Bürgermeister-Vater mit den Amerikanern fleißig Geschäfte macht, legt sich Marie mit den GIs an. Als ihr Vater (Aljoscha Stadelmann) nach einem Wutausbruch verhaftet und dann auch noch sein Land für den Bau eines US-Militärkrankenhauses annektiert wird, nimmt Marie einen Job auf der Army-Base im Haushalt des Colonel Jim McCoy (Philippe Brenninkmeyer) an, um den Hof und die Existenz ihrer Familie zu retten. Vor allem mit McCoys Frau Amy (Julia Koschitz) versteht sich die junge Deutsche ausgezeichnet. Währenddessen ist unklar, ob Maries Verlobter Siegfried (Jonas Nay) noch einmal aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehren wird ...

Die Themen jenes "Culture Clashs" der frühen Besatzerjahre, der sowohl für junge Deutsche wie auch die amerikanischen GIs sehr prägend waren, verpacken die 270 Minuten Event-Fernsehen ziemlich effizient in ein typisches deutsches Fernsehmelodram. Die empfundene Freiheit der schwarzen GIs in Deutschland, der Rassismus gegen sie vonseiten der Deutschen wie auch ihrer weißen Vorgesetzten und Kameraden – all das wird hier erstmals in einem großen deutschen TV-Programm thematisiert.

Auch von älteren Deutschen wird erzählt, deren Wurzeln in die Vergangenheit scheinbar gekappt waren. Im Mittelpunkt steht jedoch jene junge Generation Deutscher, die den "Hauch von Amerika" als große Verheißung, ja als Traum von einem besseren und freieren Leben verstand. Sogar der erschreckende Nachkriegs-Antisemitismus gegen Juden, die frühzeitig in Deutschland Lokale eröffnen durften, kommt im Mehrteiler vor.

Das große Amerika in der kleinen deutschen Provinz

Ja, all diese Themen waren damals sehr präsent in der jungen BRD, zumindest unter der Oberfläche – auch wenn sie der Film etwas zu melodramatisch (Drehbuch: Johannes Rotter, Jo Baier, Christoph Mathieu, Ben von Rönne) und in der Bildsprache arg klassisch aufbereitet. Der Film von Dror Zahavi (Teil 2 am Samstag, 4.12., Teil 3 am Mittwoch, 8.12., jeweils 20.15 Uhr) wendet sich deutlich an ein älteres Publikum. Der ein oder andere Zuschauende kann sich vielleicht sogar noch an jene Jahre erinnern, als das große Amerika selbst in die kleinste deutsche Provinz einzog.

"Unsere wunderbaren Jahre" interessierte vor anderthalb Jahren sechs bis sieben Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer. Wer damals zufrieden war, wird es auch jetzt wieder sein. Sehr sehenswert ist auf jeden Fall die Dokumentation zum Thema: "Ein Hauch von Amerika – Die Doku" von Sigrid Faltin wird im Anschluss an den letzten Teil am Mittwoch, 8.12., um 21.45 Uhr, ausgestrahlt.

Ein Hauch von Amerika – Mi. 01.12. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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