Ein Tag im Juli - Ahrtalflut 2021
19.05.2026 • 20:15 - 21:45 Uhr
Info, Zeitgeschichte
Lesermeinung
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Vergrößern
Originaltitel
Ein Tag im Juli - Ahrtalflut 2021
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2026
Info, Zeitgeschichte

Jubiläum einer Apokalypse: Hat man aus den Fehlern gelernt?

Von Hans Czerny

Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe vom 14. Juli 2021 versucht eine ZDF-Dokumentation von Oliver Halmburger eine Rekonstruktion der Ereignisse. Betroffene und Zeugen berichten von der alle Vorstellungen übertreffenden Apokalypse.

Auch fünf Jahre nach der Katastrophe, bei der die Ahr, ein Nebenfluss des Rheins, meterhoch über die Ufer trat, sitzt der Schock noch tief – die Erinnerung kehrt zurück. "Es kommt immer wieder hoch, wenn Jahrestage sind", sagt einer der überlebenden Insassen der Lebenshilfe-Einrichtung für Behinderte im "Terra X History"-Film "Ein Tag im Juli – Ahrtalflut 2021". Damals starben zwölf Bewohner des Heims, weil sie nicht vorgewarnt wurden. Insgesamt starben im Ahrtal 135 Menschen. "Man wünscht sich die Freundin zurück, die man verloren hat", sagt die Mitbewohnerin Andrea neben ihm. – Es ist einer der vielen unter die Haut gehenden Momente der Doku von Oliver Halmburger, der sich bei seiner Erinnerung weitgehend auf überlebende Zeugen der Katastrophe und auf trauernde Hinterbliebene stützt.

Mit Schuldzuweisungen hält sich der Film, den die reißende braune Flut mitsamt abgerissenen Häusern, Autos und herum schwimmenden Baumstämmen leitmotivisch durchzieht, weitgehend zurück. "Schuldige" wurden gesucht und wohl auch gefunden. Es gab einen Untersuchungsausschuss, auch ein Gerichtsurteil. Wegen fahrlässiger Tötung wurde der zuständige Landrat angeklagt, jedoch freigesprochen. Es gab keine zentrale Leitstelle, keine Koordination für den Katastrophenfall, der sich in den vergangenen Jahrhunderten, auch Jahrzehnten mehrfach ereignet hatte. Im aktuellen Ausmaß allerdings nie. Viel zu spät wurde der Katastrophenalarm ausgelöst – nach Stunden der ab Mittag gestiegenen Pegelstände, um 22.04 Uhr.

Geradezu diametral stehen die Bilder der Betroffenen in Angst und Todeserwartung den nicht gegebenen Warnungen entgegen. Davongekommene filmen den vermeintlichen bevorstehenden eigenen Untergang. Angst, Resignation, Selbstaufgabe werden bei mitlaufender Handykamera bezeugt. Es ist wie in einem Katastrophenfilm, aber es ist die Realität. An der Glastüre steht das Wasser bereits meterhoch, dann zieht es das Opfer mitsamt einer Hauswand in die Fluten hinein.

Besonders berührend ist ohne Frage, das Schicksal, das eine hilfsbereite Feuerwehrfamilie ereilt. Auf einem Campingplatz wollten Vater und Tochter Leben retten, bei ihrer Ankunft waren viele der Camping-Unterkünfte bereits zerstört. "Dann geht sie um die Ecke und kommt nie mehr zurück", sagt Vater Udo über die Tochter Katharina unter Tränen. Ein schwarzes Loch wird bleiben, auch wenn die Gemeinde mittrauert in Dankbarkeit und Solidarität. Das alles geht unglaublich nah.

Ist man auf kommende Katastrophen vorbereitet?

Eine andere Familie hat es während des Urlaubs der Eltern getroffen. Die Tochter telefonierte, während das Hochwasser unaufhörlich in der Wohnung stieg, mit den Eltern, bis das Videogespräch unterbrochen wurde. Auch die Feuerwehr konnte in der Sturzflut nicht mehr helfen, wie sie den Eltern beschied. Näher kann man den Opfern nicht sein als in dieser 90-Minuten-Dokumentation. Alles wird gegenwärtig, die Zeit wird zurückgedreht. Da hilft es wenig, wenn Experten auf die Struktur des Tales verweisen – eine flache Senke mit steil ansteigenden Hängen, auf denen die Reben wachsen.

Wenn man eines beklagen will, so ist es die fehlende Antwort auf die Frage: Wie sehr wurde der Katastrophenschutz im Ahrtal und andernorts inzwischen verbessert? Hat man aus den Fehlern gelernt? – Die Eltern der Opfer glauben nicht so recht daran. Indessen haben sie längst mit dem Wiederaufbau begonnen, arbeiten an ihrer neuen Existenz. Auch unter fleißiger Mithilfe der Nachbarschaft hier und mit über ganz Deutschland verstreuten Helfern. Einer, ein wie durch ein Wunder Geretteter, kann Hubschrauber nicht mehr sehen. Aber dankbar ist er doch, als man ihn nach 15 Stunden von seiner Kiesbank holt, auf die ihn die Flut samt seiner Behausung geschleudert hat.

Terra X History: Ein Tag im Juli – Ahrtalflut 2021 – Di. 19.05. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Das beste aus dem magazin

Maret Hoffmann ist Apothekerin und lacht in die Kamera.
Gesundheit

Mit Heilpflanzen gegen Rheuma

Rheuma bringt schmerzende Gelenke mit sich. Doch welche Heilpflanzen helfen wirklich? Von Teufelskralle bis Rosmarin: Eine Apothekerin klärt auf und gibt Tipps.
Corinna Elling-Audersch, Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Rheuma-Liga lacht.
Gesundheit

Rheuma selbst managen

Die Deutsche Rheuma-Liga bietet Selbstmanagement-Kurse an, um Betroffenen den Alltag mit Rheuma zu erleichtern. Teilnehmer lernen, mit Schmerzen umzugehen und ihre Handlungsmöglichkeiten zu erweitern. Ernährungstipps und Entspannungsübungen sind Teil des Programms.
DJ Ötzi lacht.
HALLO!

DJ Ötzi im Interview: "DJ Ötzi ist extrovertiert, Gerry dagegen sehr introvertiert"

Gerry Friedle alias DJ Ötzi spricht über die anstehende Mountain Mania in Köln, seine Heimatverbundenheit und den Unterschied zwischen seiner Person und seinem Bühnenalter Ego.
Eine Kastanie im Herbstlaub
Gesundheit

Gesund durch den Herbst

Der Herbst bringt oft Erkältungen mit sich. Doch mit einfachen Maßnahmen wie guter Handhygiene, ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung kann man Infektionen vorbeugen. Impfungen und Entspannung helfen zusätzlich, gesund durch die kalte Jahreszeit zu kommen.
Professor Dr. med. Burkhard Sievers
Gesundheit

Luftnot bei Frauen: oft verkannt und falsch eingeschätzt  

Eine 54-jährige Patientin litt unter Luftnot und erhielt nach gründlicher Untersuchung die Diagnose Asthma bronchiale. Ein kortisonhaltiges Spray soll nun Linderung verschaffen.
Martin Reinl und die Figuren der Sesamstraße.
HALLO!

Martin Reinl: „Die Sesamstraße ist für jede Generation etwas anderes“

Martin Reinl, bekannt als Stimme von Elmo und Grobi, gibt Einblicke in seine Arbeit als Puppenspieler und sein neues Buch über die Geschichte der Sesamstraße. Zusammen mit Julian Schlichting beleuchtet er die facettenreiche Welt der Puppen und die Herausforderungen der Produktion.