Ein Zimmer für Papa
11.10.2024 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Drama
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Originaltitel
Ein Zimmer für Papa
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2024
Fernsehfilm, Drama

Leben in der Eltern-WG: Wenn der Vater zur Tochter pendelt

Von Maximilian Haase

Was tun, wenn das eigene Kind in einer anderen Stadt lebt? Um mehr Zeit mit seiner Tochter zu verbringen, muss ein Teilzeitvater im ARD-Familienfilm "Ein Zimmer für Papa" sein bisheriges Leben auf den Kopf stellen – und regelmäßig pendeln.

Ob lustig, dramatisch oder einfach nur unterhaltsam: Filme über Vaterschaft erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit. Kein Wunder, scheint doch die Fallhöhe zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und Realität für Papas jedweden Alters vergleichsweise groß. In Sachen Gleichberechtigung gibt es bei der Vaterrolle noch viel zu tun – und das liefert eine Menge Drehbuchstoff. Im Falle des neuen ARD-Familienfilms "Ein Zimmer für Papa" geht das so: Jonas (David Rott) führt ein erfolgreiches Leben als Vertriebler in Frankfurt, seine Tochter Laila (Indira Corrales Ehlers) lebt jedoch bei ihrer Mutter in Hamburg und will ihren Vater gerne öfter zu sehen. Damit das klappt, muss der aber seine Komfortzone verlassen – und zwar im wörtlichen Sinn: Der Teilzeitpapa beginnt fortan, regelmäßig zu pendeln und zieht zu diesem Zweck in eine Erwachsenen-WG.

So kann es kommen, wenn der One Night Stand direkt zum Kinde führt: Schwupps, ist man Papa. Was aber, wenn die Tochter mit fortgeschrittenem Alter plötzlich mit Nachdruck fordert, dass ihr Vater nicht nur sporadisch, sondern beständig in ihrem Leben präsent ist? Eine große Frage, die der locker erzählte Film mit einem hübschen Kniff beantwortet: Zum Ärger seiner Freundin stellt Jonas seinen Alltag auf den Kopf und bezieht die titelgebende Bleibe in der Einrichtung namens "Ein Zimmer für Papa", die Vätern das Pendeln zu ihren Kindern ermöglicht. Ausgedacht ist das Ganze allerdings keineswegs, existiert das Konzept doch auch bei realen Hilfsinitiativen wie "kindwärts – Unterstützung für Trennungsfamilien", von denen die Elternpendler-WG im Film inspiriert wurde.

Charmant und vorhersehbar

Handlung und Aufbau des Films sind so vorhersehbar wie charmant: In Papas WG gibt es schräge Mitbewohner und humorvolle Begegnungen, ebenso wie eine fürsorgliche Leiterin (Petra Kleinert) mit bodenständiger Art (und eigenen privaten Problemchen). Derweil läuft, wie ebenfalls im Genre üblich, für Jonas' Vatermission natürlich nicht alles glatt: Bald merkt er, dass seine Bemühung, als Vater alles richtigzumachen, kein Selbstläufer ist – auch, weil es für ihn bisher immer ausgereicht hat, den finanziellen Teil zu übernehmen. Nun, da Laila mehr einfordert, muss die anfangs natürlich in Sachen Vollzeitelternschaft tollpatschige Hauptfigur neue Herausforderungen meistern, "Jonas macht viele Dinge falsch, aber er lernt, und ich mag ihn", sagt Darsteller David Rott über seine Figur. Ein guter Vater sei seiner Meinung nach "präsent und ehrlich, wobei die Präsenz für mich nicht zwingend bedeuten muss, immer vor Ort zu sein".

Auch wenn die Frauen im Film, der im Übrigen von einem mehrheitlich weiblichen Team produziert wurde, erfrischend klischeefrei daherkommen, bleiben sie – wie so oft im "Papa-muss-noch-was-lernen"-Genre – die Vorlagengeberinnen, an denen man(n) sich abarbeitet: Die bislang alleinerziehende Mutter Shari ((Sabrina Amali) vertraut ihrem Ex-Lover verständlicherweise nicht so recht, und sie sieht es überhaupt nicht gern, dass ihre Tochter mehr Zeit mit dem Mann verbringt, der sie einst mit Kind alleine ließ. Zudem ist auch Jonas' neue Freundin Kim (Adina Vetter) alles andere als davon begeistert, dass Jonas plötzlich zum Superpapa mutiert und sein Leben umkrempelt.

"Liebesgeschichte der anderen Art"

Typische Konflikte von Patchworkfamilien werden hier ebenso ausführlich ausgeführt wie das Klischee vom Vater, der lernen muss, Verantwortung zu übernehmen. Trotzdem: Die aufgeworfenen Fragen sind so klassisch wie zeitlos relevant: Wie lässt sich ein Leben zwischen Karriere, neuer Liebe und der Rolle als Vater unter einen Hut bringen? Es geht um Verdrängung, Vergebung und Vertrauen – und um den Glauben an Neuanfänge und die Fähigkeit des Menschen zur Veränderung. Dazwischen bunte Karaokeabende und jubelnde Väter beim Fußballspiel der Tochter, aber auch enttäuschte Kindergesichter und ratlose Papaminen.

Regisseurin Katja Benrath will in ihrem Film zeigen, dass Vatersein mehr ist, als nur ab und zu im Leben des Kindes aufzutauchen. Es habe sie "berührt, dass es immer mehr Lösungen gibt, wie Eltern und Kinder kindgerecht zusammen sein können". Es seien diese Geschichten, in denen sich Menschen auf das Wesentliche besinnen, die erzählt werden müssten. Als "Liebesgeschichte der anderen Art" will Benrath ihren Film verstanden wissen. Einen allzu hocherhobenen Zeigefinger muss man derweil nicht befürchten – stattdessen liefert der ARD-Film eine sympathische Mixtur aus Alltagskomik und nachdenklichen Momenten.

Ein Zimmer für Papa – Fr. 11.10. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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