„Lux“ ist das Alter Ego von Tim Seebach, den Sie in „Mord oder Watt“ spielen. Was hat der Schauspieler in der Serie für ein Verhältnis zu der Figur, die ihn seit Jahren zum Star macht?
Oliver Mommsen: In der Figur von Tim Seebach darf ich mich als Schauspieler selbst auf die Schippe nehmen. Tim erfüllt einige der Klischees, die man von Schauspielern so kennt. In erster Linie ist er sehr von sich selbst überzeugt. Dann lebt er seine Filmfigur gerne mal im Alltag weiter. Die Grenzen sind da bei ihm fließend. Und er hat schwer daran zu knapsen, dass man sich seitens der Produktion langsam fragt, ob er nicht bald zu alt ist, um einen Actionhelden zu geben. Das ist mir alles nicht fremd.
Der Star Oliver Mommsen spielt einen Star, der sich selbst von seiner Rolle gar nicht mehr trennen kann? Wie ist das, wenn man in dieser Art ‚Metaebene‘ spielt, worauf muss man achten?
Oliver Mommsen: Die Linie, auf der das ganze Spaß macht und amüsant ist, ist sehr dünn. Zu viel, und das ganze wird albern. Zu wenig, und es zündet nicht. Zusammen mit André Erkau und dem tollen Ensemble loten wir diese feine Grenze immer wieder neu aus. Angefangen beim Drehbuch von Michael Gantenberg bis zur tollen Kamera von Fee Strohmann. Eins vereint uns alle: Wir brennen für diese Filme.
Nach all den Krimi-Drehs in Ihrem Leben: Was versteht eigentlich Oliver Mommsen von Ermittlungsarbeit? Wann haben Sie der Polizei mal geholfen?
Oliver Mommsen: Tolle Frage. Nix! Nur weil ich 17 Jahre eine Plastikwaffe getragen habe, eigne ich mich definitiv nicht zum Dorf-Sheriff. Aber einen Schauspieler zu spielen, der einen Schauspieler spielt, der einen bekannten TV-Kommissar spielt: Dafür waren die 17 Jahre beim Bremer Tatort die perfekte Ausbildung. Das macht sowas von Spaß. Und vor allem alles ohne den beknackten Tatort-Faktencheck.
Welchen Umgang raten Sie den Zuschauern in Bezug auf Familiengeheimnisse?
Oliver Mommsen: Das ist der Stoff, aus dem große Filme, dicke Romane und unzählige Geschichten gewebt sind. Ich bin eine bunte Promenadenmischung aus dem schrägsten, was die Mommsens und die Budings zu bieten hatten, und dafür bin ich dankbar. Lauter Verrückte!
Was ist für Sie die emotionalste Szene im Film?
Oliver Mommsen: Tim wehrt sich lange gegen seine Gefühle. Es hat uns großen Spaß gemacht auszureizen, wie er vor allem durch blinden Aktivismus buchstäblich versucht, vor ihnen davonzurennen. Man sieht ihn zum Beispiel, wie er in den absurdesten Momenten Sport macht. Aber irgendwann muss er ran, und dabei spielt Hannah die entscheidende Rolle. Alte Familienfotos zu gucken, haut selbst den stursten Tim um.
Ulrike C. Tscharre sagte mal, dass die Ex-Kapitänin Hannah und Tim Seebach zusammen erwachsener werden in ihrer Beziehung? Sehen Sie das auch so? Haben Sie einen Ratschlag?
Oliver Mommsen: Reden hilft.
Ihr Verhältnis zu Pferden? Können Sie eine Kutschfahrt durchs Watt genießen? Oder lieber zu Fuß?
Oliver Mommsen: Im ersten Film hatten wir schon die, wie André Erkau unser Regisseur sagte, langsamste Verfolgungsjagd der Filmgeschichte. Tim verfolgt im Showdown mit Erik und seiner Wattkutsche eine andere Kutsche. Das war großartig. Diesmal war es auch wieder speziell, denn es stürmte regelrecht. Der Hut einer Kollegin flog davon, und die verzweifelten Versuche unseres Berichterstatters Henning van Lill, diesen Hut wieder einzufangen war bester Slapstick. Immer wieder, wenn er es fast geschafft hat, kam eine neue Brise. Es sah fast so aus, als würde sich der Wind einen Spaß daraus machen.
Was hat es mit der Tradition des Schlickschlittenrennens im Weltnaturerbe Watt auf sich?
Oliver Mommsen: Keine Ahnung, aber diese Szenen haben uns fast gekillt. Beim ersten Mal mussten wir den logistisch penibelst durchgetakteten Drehtag abbrechen. Trotz aller Vorhersagen, Recherchen und Berechnungen haute trotz Ebbe das Wasser nicht ab. Also kein Schlick! Kein Schlick, kein Schlickschlittenrennen. Katastrophe! Beim zweiten Anlauf hat es geklappt, und die Schlickschlammschlacht, die vor allem Antonia, Ulrike und ich uns am Ende geliefert haben, hat es zwar nicht ganz in den Film geschafft, hat uns alle aber nochmal mehr zusammengematscht.
Sind Sie als Berliner ein Stadtmensch, wie vermutlich alle denken, oder heimlich doch Landmensch, der am Strand freier atmen kann?
Oliver Mommsen: Ich brauche beides. Und durch die Dreharbeiten zwischen Bremerhaven und Cuxhaven komme ich da voll auf meine Kosten. Auf der einen Seite das quirlige Chaos in Berlin. Und auf der anderen Seite die komplette Entschleunigung in Cuxhaven. Mittlerweile kennen wir da auch ein paar Piraten und diesmal war es tatsächlich ein bisschen wie nach Hause kommen. Und wie gesagt, nach dem Watt bin ich süchtig.
Was ist ihr schönstes Nordseeerlebnis in ihrem Leben gewesen?
Oliver Mommsen: Morgens direkt nach dem Aufwachen barfuß in Richtung Sonnenaufgang ins Watt zu latschen und in den endlosen Himmel zu glotzen, macht mich einfach nur glücklich. Selten waren meine Batterien so schnell wieder aufgeladen. Das Ganze gilt natürlich auch in Richtung Sonnenuntergang. Man sollte dringend, nachdem die Sonne versunken ist, noch paar Stunden bleiben! Dann nimmt das Farbspektakel erst richtig Fahrt auf.
Ihr Herzensort an der See?
Oliver Mommsen: Die Cote d’Azur. Da durfte ich groß werden. Letztes Jahr war ich nach sehr langer Zeit im Rahmen der Filmfestspiele in Cannes wieder in der Gegend und fühlte mich tatsächlich wie der berühmte Fisch im Wasser.
Der „Mord oder Watt – Die wilde Hilde“ läuft am 20. Februar, 20.15 Uhr, im Ersten.