Feindbild Polizei
16.06.2020 • 20:15 - 21:35 Uhr
Info, Gesellschaft + Soziales
Lesermeinung
Die Bereitschaftspolizisten aus Nordrhein-Westfalen können ohne individuelle Kennzeichnung an der Uniform in den Einsatz. Für Kritiker ist dies ein Nachweis mangelnder Transparenz.
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Der französische CRS-Polizist Jessy Castane hat das Diensthandy immer in Reichweite, da er ständig zum Einsatz abberufen werden könnte. Zuletzt musste er oft sechs Wochen am Stück arbeiten.
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Zakaria Hadji Mmadi (li.) und Mamadou Camara (re.) kennen die Polizei nicht als Helfer, sondern als Bedrohung. Seit ihrem 12. Lebensjahr wurden sie im Pariser Vorort Epinay-sur-Seine regelmäßig kontrolliert so wie zwölf Millionen Jugendliche jedes Jahr.
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Polizeihauptkommissar Jan-Patrick Huke im Einsatz beim Bundesparteitag der AfD in Braunschweig: Er hat kein Verständnis für Kollegen, die mit der AfD sympathisieren.
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Originaltitel
Feindbild Polizei: Gewalt und Gegengewalt ohne Ende?
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2020
Info, Gesellschaft + Soziales

Mit Metall-bespickten Geschossen gegen Beamte

Von Andreas Schoettl

Die Konflikte zwischen Bevölkerung und Polizei nehmen zu. Sowohl in Frankreich als auch in Deutschland ist die Polizei zum Feindbild geworden. Gewalt und Gegengewalt eskalieren.

Dichte Rauchwolken umhüllen den Arc de Triomphe in Paris. Zu sehen ist, wie Protestierende unter dem Deckmantel der Gelbwesten-Bewegung in Frankreich eigens gebastelte Sprengsätze werfen. Ihr Ziel ist an jenem 1. Dezember 2018 auch die Polizei. Die Gewalt eskaliert endgültig, als die Beamten in Sturmuniform und unter martialisch anmutenden Helmen mit unvergleichlicher Härte zurückschlagen. Es bleibt längst nicht nur beim Einsatz von Schlagstöcken. Was genau ist hier passiert, und warum eskaliert die Gewalt auch hierzulande scheinbar zusehends? – Die Hintergründe werden nun in der sehenswerten ARTE-Dokumentation "Feindbild Polizei" aufgearbeitet.

"Ich bin nicht Polizist geworden, um mit Molotow-Cocktails beschmissen zu werden, mit Pflastersteinen und mit Metall-bespickten Geschossen", sagt Jessy Castane im Film von Sebastian Bellwinkel. Der französische Polizist war damals in Paris im Einsatz. Der erfahrene Beamte einer Sondereinheit stellt fest: "Vor 20 Jahren war das noch nicht so heftig bei den Demos. Diese Gewalt des schwarzen Blocks, diese gezielte Gewalt der Splittergruppen ist wirklich heftig geworden."

Gewalt auf beiden Seiten

Doch woran liegt das, dass sowohl in Frankreich als auch Deutschland die Gewalt nicht nur bei Demonstrationen weitere Blüten treibt? – "Immer mehr Aufgaben, Stress und Gewalt setzen auch die Polizisten unter Druck. Wer dem nicht standhält, bleibt oft auf sich gestellt. Auch deshalb brennt immer wieder die Sicherung durch und sie schlagen unrechtmäßig zu", erklärt Dr. Sven Steffes-Holländer, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

Bellwinkels Dokumentation bleibt trotz zahlreicher drastischer Bilder nicht nur aus Paris, sondern auch vom G20-Gipfel in Hamburg oder einer Demonstration am Rande eines AfD-Parteitages objektiv und neutral. Der Polizei wird nicht einfach der Schwarze Peter zugeschoben. Sowieso haben die Beamten selbst mit schrecklichen Konsequenzen der harten Einsätze zu kämpfen. In Frankreich beispielsweise haben sich nach Angaben der Polizeigewerkschaft UNSA Police allein im vergangenen Jahr 59 Polizisten das Leben genommen. Und in Deutschland sind pro Tag 32 Gewaltattacken gegen Polizeibeamte statistisch belegt. Andererseits werden polizeiinterne Probleme nicht ausgeklammert. Der Kriminalhauptkommissar Oliver von Dobrowolski kritisiert im Namen des Vereins PolizeiGrün unter anderem die Fehlerkultur in den eigenen Reihen. Von manchen Kollegen wird er dafür gemobbt ...

Feindbild Polizei – Di. 16.06. – ARTE: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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