Jonas - Vergiss mich nicht
23.11.2018 • 20:15 - 21:35 Uhr
Spielfilm, Romanze
Lesermeinung
Beim Abendessen erzählt Jonas (Nicolas Bauwens, Mi.) seinen Eltern (Pierre Cartonnet, li., Marie Denarnaud, re.) von seinem neuen Mitschüler Nathan.
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Jonas (Félix Maritaud) weiß nicht wohin und nimmt sich ein Zimmer in einem teuren Hotel.
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Die beiden Verliebten im Kino: Immer wieder gelingt es Nathan (Tommy-Lee Baïk, re.), Jonas (Nicolas Bauwens, li.) um den Finger zu wickeln.
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Immer wieder durchlebt der junge Jonas (Nicolas Bauwens) die traumatisierende Szene ...
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Nach dem Verhör auf der Polizeibehörde kehrt Jonas (Félix Maritaud) zum "Boys Paradise" zurück, um sein Motorrad abzuholen.
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Jonas (Félix Maritaud) wird nach dem Zwischenfall im "Boys Paradise" von der Polizei zur Behörde gefahren.
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Als Jonas zum ersten Mal bei Nathan zu Hause eingeladen ist, lernt er dessen hochschwangere Mutter (Aure Atika) kennen.
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Geistesblitz: Jonas (Félix Maritaud, li.) begreift plötzlich, dass Léo (Ilian Bergala, re.) Nathans kleiner Bruder ist ...
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Hint
Foto, Synchronfassung, Produktion: En Compagnie des Lamas, ARTE F, Audiodeskription, ARTE+7 Homepage: videos.arte.tv
Originaltitel
Jonas
Produktionsland
Frankreich
Produktionsdatum
2018
Spielfilm, Romanze

Ein starker, cooler Freund

Von Wilfried Geldner

Jonas, 15, ist durch den Wind. Es ist etwas passiert mit seinem Freund, über das er auch 18 Jahre danach noch nicht hinwegkommt. Ist er schuld am Tod seines Freundes?

Jonas, jetzt 33 Jahre alt, ist wieder mal aus der Gay-Disco "Boys" im südfranzösischen Toulon rausgeflogen – zu viel Alkohol, zu viele Männer. Einen hat er in den Arm gebissen und damit eine Schlägerei angezettelt. Jetzt sitzt er im Polizeiauto, das ihn aufs Revier bringen wird. Neben ihm Caroline, eine freundliche Polizistin, die vor vielen Jahren mit ihm in die Schule gegangen ist. Caroline kann es kaum fassen, dass er sich so gar nicht mehr an sie erinnern kann. Doch Jonas hatte damals eben nur Augen für den frechen, so selbstsicheren Nathan, der ihm zeigte, wie das Leben geht – auch das von Mann zu Mann. Christophe Charriers Erstlingsfilm "Jonas" gewann beim internationalen Fernsehfilmfestival von La Rochelle 2018 den Preis für den besten französischen Fictionfilm. Nun kommt er (unter dem Titel "Jonas – Vergiss mich nicht") bei ARTE zur Free-TV-Premiere.

Es war eine kurze Liebe, damals 1997 – aus dem Fernseher kommen die Meldungen über Dianas Tod in Paris. Auch 18 Jahre danach – die Meldungen drehen sich jetzt um den Terror in Paris – ist Jonas noch immer nicht über das plötzliche Ende seiner Freundschaft mit Nathan hinweggekommen. Nathan hatte Caroline, die spätere Polizistin, ganz selbstverständlich in der Klasse vom Platz neben dem verträumten Jonas verdrängt. Und er konnte sich einfach mal so vom Stuhl fallen lassen und den Leidenden spielen, nur um den Unterricht zu schwänzen, um in der verlassenen Turnhalle mit Jonas eine Zigarette zu rauchen und erste Küsse zu tauschen. Die Mobbingversuche eines lästigen Mitschülers hielt er sich und Jonas vom Leibe, indem er die von diesem geschnorrten Zigaretten mit unverträglichen Zutaten versah.

Doch dann war Nathan verschwunden, Jonas' Eltern nahmen auch ihn von der Schule. Heute, mit 33, ist er ein gebrochener, noch immer auf der Suche nach sich selbst befindlicher Mann. Immer wieder werden von Christophe Charrier (Buch und Regie) die Szenen von damals und heute ineinander geschnitten, um Jonas Trauma, sein Aus-der-Zeit-gefallen-sein, zu verdeutlichen. An sich keine schlechte Idee, aber sie verhindert auch, sich in Jonas wirklich hineinzuversetzen, der immer noch mit dem Gameboy von damals spielt, den ihm Nathan schenkte. Seine Unruhe, seine Wut geben Rätsel auf.

Dabei wird bereits früh angedeutet, dass Jonas damals eine schwere Schuld auf sich geladen hat, er verließ in einer prekären Lage den wohl toten Freund. Als Nachklapp wird dann Jonas spätes Zusammentreffen mit der Familie des Verschwundenen geliefert, Nathans jüngerer Bruder weist da den Weg. Nach erteilter Absolution führt Jonas Nathans Bruder gar in den Vergnügungspark "Magic World" – dort hatte sich Nathan als Kind einst eine mit Stolz getragene Gesichtsnarbe geholt – und eben nicht bei der Abwehr eines übergriffigen Priesters, wie er selbst zunächst erzählte.

Da begibt sich der Versuch, eine Coming-of-Age-Geschichte mit thrillerhaften Spannungsmomenten zu kreuzen, dann doch in recht seichte Gewässer. Die von Nicolas Bauwens (Jonas jung) und Tommy-Lee Baik (Nathan) lebensnah gespielten Freunde, vor allem aber Félix Maritaud als traumatisierter Wutmensch halten die Spannung jedoch trotz der Zeit übergreifenden Springprozession am Schneidetisch lange erstaunlich hoch.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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