Die neue romantische Komödie der ARD wurde an Originalschauplätzen im Iran gedreht. Werden auch kontroverse Themen behandelt oder verkommt der Film zum Sehnsuchtskitsch?

"Willkommen im Iran, Alter!" – Mit einer derartigen Begrüßung hat der leicht verklemmt wirkende und immer latent grimmig dreinschauende Robert (Stuttgart-"Tatort"-Star Felix Klare) nicht gerechnet, als er von der dauerquasselnden und etwas vorlauten Shirin (großartig: Mona Pirzad) in Teheran empfangen wird. Er will seinen Vater finden – oder besser gesagt: er muss. Seine besorgte Mutter bat ihn darum, den Senior im Iran aufzuspüren. Zu Achim (Günter Maria Halmer) hat Robert allerdings kein gutes Verhältnis. Ein "Vater" oder "Papa" kommt ihm nie über die Lippen. Und schon bald muss der Sohnemann feststellen: Sein alter Herr verweilt gar nicht im Gottesstaat. Aber er war schon mal dort – und zwar vor vielen Jahren. Robert will wissen, was es damit auf sich hat und begibt sich auf Spurensuche, begleitet von Shirin. Ein turbulenter Trip nimmt seinen Lauf. Das Erste zeigt sein so romantisches wie humorvolles Roadmovie "Liebe auf Persisch" in einer TV-Premiere.

Florian Baxmeyers TV-Film markiert ein Novum in der deutschen TV-Geschichte: "Liebe auf Persisch" ist die erste deutsche Fernsehproduktion, die tatsächlich an Originalschauplätzen im Iran gedreht werden durfte. Das kommt der Rom-Com sehr zu gute. Denn was in banalen Postkartenkitsch hätte abdriften können, ist so zu einem sehenswerten TV-Film geworden, der sich auch nicht davor scheut, kontroverse Themen anzugehen.

Seit der Islamischen Revolution im Jahre 1979 bezeichnet sich der Staat in Vorderasien als sogenannte Islamische Republik. Unter der Führung des religiösen wie politischen Oberhaupts Ali Chamene'i hat sich das Land gegenüber dem Westen über die Jahre hinweg ziemlich abgeschottet. Religions- und Militärpropaganda sowie eine Abneigung gegenüber den Vereinigten Staaten ("Down with the U.S.A.") sind überall auf Plakaten, Bildschirmen und Hauswänden zu lesen – auch in der ARD-Komödie wird dies glücklicherweise nicht ausgespart.

Das Drehbuch aus der Feder von Sebastian Orlac bedient natürlich eine altbewährte Prämisse: Mit den beiden Hauptfiguren prallen Vertreter unterschiedlicher Kulturen aufeinander, die sich nach und nach von ihren Ressentiments verabschieden und ihre Herzen öffnen. Der zugeknöpfte Deutsche und die offenherzige Iranerin mit dem Herz auf der Zunge durchleben im Laufe des Films ein Abenteuer, das sie vor etliche Probleme stellt und infolgedessen immer mehr zusammenschweißt.

Ja, es gibt peinliche Momente wie den Versuch, Robert davor zu bewahren, an einer Nuss zu ersticken, und auch etliche plumpe Kalauer. Doch die große Stärke des Films sind die witzigen Wortgefechte zwischen dem Recyclingmanager und der Deutschlehrerin, die im Laufe des Films eine Zeit-Ehe eingehen (müssen): "Na dann, auf in die Flitzerwochen!" "Ich glaube das heißt Flitterwochen." "Na wart's mal ab!" Und die ernsten Dialoge erinnern den Zuschauer immer wieder daran, dass Sittenwächter, Zwangsheirat und die Beschneidung von Freiheiten im Iran zum Alltag gehören – insbesondere für Frauen: "Ich darf hier lernen, studieren, aber ich darf nichts damit anfangen!"

Sicher, all dies kommt nicht ohne Übertreibungen und Zuspitzungen aus, doch der ARD-Film trägt das Herz am rechten Fleck und beweist letztendlich mal wieder: Liebe kennt keine Grenzen. Dass dabei auch ernste Themen nicht ausgespart werden, ist ein großer Verdienst von Autor und Regisseur.


Quelle: teleschau – der Mediendienst