Schon als Kind hatte William Wolff Rabbiner werden wollen. Er wurde dann aber erstmal Parlamentsreporter im Londoner Exil. Später doch noch Rabbi geworden, pendelte er noch jüngst zwischen seinem Londoner Zuhause und seinen deutschen Gemeinden hin und her.

Die "Zeit" gab ihm den Titel "Der skurrilste Rabbiner unter der Sonne", und fürwahr: der deutsch-britische Rabbi William Wolff ist höchst ungewöhnlich. Die Dokumentaristin Britta Wauer hat den charmanten alten Herrn ein Jahr lang, kurz vor seiner Pensionierung, begleitet und porträtiert. Schon in ihrem preisgekürten Film "Im Himmel, unter der Erde" über den jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee hatte er als Erzähler gewirkt. Im neuen Film "Rabbi Wolff – Ein Gentleman vor dem Herrn" (2016) geht es mit viel Humor um das wiedererwachte jüdische Leben, nicht um die einst Ermordeten.

Wolff, 1927 in Berlin geboren, 1933 mit den Eltern erst nach Amsterdam und dann nach London emigriert, wollte schon als Kind Rabbiner werden, wurde aber dann zunächst Parlamentsreporter in London. Rabbi wurde er dann erst mit 50. Er betreute bis vor Kurzem die jüdischen Gemeinden in Schwerin und Rostock, lebte aber weiter in London und pendelte zwischen den Städten hin und her. Lieber noch als mit dem Rabbinerhut zeigt er sich mit Cut und Zylinder in Ascot beim traditionellen Pferderennen, selbstredend in weiblicher Begleitung. "Ich setze immer auf die Pferde, die die bekanntesten Jockeys haben", sagt er listig. In London lebt er in einem Single-Haushalt, und das nicht unbedingt koscher. Zwischen den Flughäfen Heathrow und Hamburg pendelte der zur Drehzeit 89-Jährige alle zwei bis drei Wochen.

"Wenn etwas im Leben nicht mehr Spaß macht, dann habe ich immer dafür gesorgt, dass ich gewechselt habe", sagt Wolff und spielt damit auf seine Pensionierung an. Er hätte noch weitergemacht, obwohl die Gemeindevorstände auf mehr Disziplin pochten. "Das Zuhause ist, wo das Herz ist, heißt es in einem englischen Sprichwort", sagt er. "Bei mir ist das Zuhause, wo die Bücher sind." Nach dem Unruhestand will er nun selber eins schreiben.


Quelle: teleschau – der Mediendienst