Seit einiger Zeit gilt als gesichert, dass sich die Spezies Homo sapiens vor über 300.000 Jahren in Afrika entwickelte. Doch wann genau sind die Fähigkeiten zum Geschichtenerzählen und der Herstellung von Kunstwerken entstanden? Seit den Entdeckungen der Höhlenmalereien in Lascaux (rund 18.000 Jahre alt) und Chauvet (etwa 36.000 Jahre alt) schien klar, dass der entscheidende kulturelle Entwicklungssprung vor ungefähr 40.000 Jahren in Europa stattgefunden haben muss. 2014 wurde diese Annahme jedoch durch einen wichtigen wissenschaftlichen Fortschritt infrage gestellt: Dank einer neuen Datierungsmethode konnte nachgewiesen werden, dass Felsmalereien auf der indonesischen Insel Sulawesi, die bislang nur auf einige Tausend Jahre geschätzt worden waren, mindestens 40.000 Jahre alt sind. Seither wurden auf Sulawesi Hunderte weiterer Höhlen mit Malereien entdeckt, deren Mindestalter inzwischen auf 51.200 Jahre datiert wurde. Diese Entdeckungen schafften es auf die Titelseiten renommierter Wissenschaftsjournale und sorgten für ein neues Verständnis der evolutionären Entwicklung des Homo sapiens. In der Januarausgabe 2026 der Fachzeitschrift "Nature" stellt ein Artikel die bislang älteste bekannte Malerei der Welt vor - sie soll mindestens 67.800 Jahre alt sein. Diese bahnbrechende Erkenntnis zeigt, dass Homo sapiens figurative Darstellungen mehr als 20.000 Jahre früher schuf als bislang angenommen. Die Funde auf Sulawesi legen zugleich nahe, dass die Fähigkeit zur Kunst bereits wesentlich früher entstanden sein könnte - möglicherweise noch in Afrika, bevor sich Homo sapiens von dort aus über andere Teile der Welt verbreitete.
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