Sind die neuen Bundesländer AfD-Land, rettungslos verloren, abgesoffen in Ostalgie? Oder sind sie zwar abgehängt, aber rettbar? Eine 90-minütige Doku, die exemplarisch Biografien vorstellt, sie aber auch mit belastbarer Statistik unterfüttert, läuft kurz vorm 30. Jahrestag der Deutschen Einheit.

Kurz vor dem 30. Jahrestag der Deutschen Einheit räumt die ARD ihre Primetime am Montagabend frei, um, salopp gesagt, den Ostdeutschen an sich zu untersuchen. Dies geschieht unter Federführung zweier Sendeanstalten (rbb und MDR), die in den neuen Bundesländern angesiedelt sind und unter Leitung des Filmemachers Lutz Pehnert, der ab 1961 im Osten Deutschlands aufwuchs und sozialisiert wurde. Dabei bringt Pehnert bereits reichlich Osterfahrung in seinem Werk mit. Für seine mehrteilige Doku "DDR Ahoi! Helden der See" erhielt er 2011 den Grimme-Preis. Pehnerts Stärke ist das biografische Porträt – und so darf man sich auch bei seiner Einheits-Doku darauf freuen, dass hier nicht schnipselhaft in Bausch und Bogen erzählt wird, sondern über wenige, ausgewählte Biografien. So gelingt ein greifbares Mosaik deutscher Lebensgeschichten mit Ost-Hintergrund, das bereits ab 14. September in der Mediathek zur Verfügung steht.

"Sind die neuen Bundesländer AfD-Land, rettungslos verloren, abgesoffen in Ostalgie? Oder sind sie abgehängt zwar – aber rettbar? Oder sind sie ein Spielfeld der Möglichkeiten, der Zukunft zugewandt, mit großem Vorsprung durch Resilienz?" – Bereits an Fragestellungen wie diesen sieht man, dass es der als multimediales Projekt angelegten Doku durchaus um eine durchaus tiefer gehende Analyse der Deutschen Einheit – Standort Ost – geht. Noch immer nämlich verblüffen einige Fakten, die der Film mit aktuell neu erhobenen Statistiken in sein Erzählen über Menschen einfließen lässt.

Beispielsweise kommt heraus, dass selbst drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung erhebliche Unterschiede zwischen den Einstellungen, Wertemustern und Verhaltensweisen von Ost- und Westdeutschen festzustellen sind. So kann man nachweisen, dass die Vermögensbildung in Ostdeutschland der im Westen nach wie vor stark hinterherhinkt – und dass in den vergangenen Jahren der Abstand sogar größer geworden ist.

Das Wagnis komplexer Wahrheiten

Neben jenen Zahlen, die direkt in die TV-Doku einfließen, werden viele weitere Statistiken über die Projektseite "Wir Ostdeutsche – 30 Jahre im vereinten Land" unter DasErste.de grafisch auf- und abrufbar sein. Auch diese Webseite geht zeitgleich mit der Dokumentation am 14. September online. Ein drittes Modul des Gesamtprojekts – ebenfalls exklusiv auf der Projektseite bei DasErste.de – versucht, Fragen wie diesen nachzugehen: Lebt es sich anders in den Neuen Bundesländern, auch wenn sie längst nicht mehr neu sind? Kann man Freiheit heute anders genießen, wenn man in der ehemaligen DDR aufgewachsen ist? Und: Wie berechtigt ist es, im Jahr 30 der Deutschen Einheit noch über die "Ostdeutschen" oder die "Westdeutschen" zu sprechen?

Promis wurden gebeten, in sich zu gehen und ihre Gedanken in Form persönlicher Texte der Öffentlichkeit zu präsentieren. Herauskommt, wenige Tage vor den Feierlichkeiten des 30. Jahrestags der Deutschen Einheit, ein buntes, aber erfreulich diffenziertes Bild des Deutschseins im Osten.

Wir Ostdeutsche – Mo. 28.09. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH