Jakob Michael Reinhold Lenz, 20jähriger livländischer Pfarrerssohn, verläßt seine pietistische Heimat und trifft in Straßburg auf die "Sturm und Drang"-Generation um Klinger, Goethe und Herder. Bald verehrt der ambitionierte Jung-Poet Goethe und kann nicht verstehen, dass dieser Straßburg verläßt, um an den Weimarer Hof zu gehen. Fünf Jahre später besucht Lenz Goethe in Weimar. Er findet einen mit den herrschenden Mächten konziliant umgehenden Staatsmann. Lenz ignoriert dies so lange, bis ihn dieser aus der Stadt werfen läßt. Während Goethe zum deutschen Dichterfürsten aufsteigt, geht Lenz psychisch zugrunde und stirbt einsam mit 41 Jahren auf einer Moskauer Straße.

Egon Günther legt in seinem fundierten Historiendrama hohen Wert auf Authetizität, verlagert sich dabei aber etwas zu sehr auf die Wortgefechte der Literaten. So bildet die Gesprächswut der jungen Genies und die Kommunikation in einer stürmischen Aufbruchszeit den eigentlichen Mittelpunkt. Jörg Schüttauf, vielen als "Fahnder"-Nachfolger bekannt, bietet hier allerdings eine famose schauspielerische Leistung.