Paddy Considine

Unglaublich wandelbar: Paddy Considine. Vergrößern
Unglaublich wandelbar: Paddy Considine.
Fotoquelle: Featureflash/shutterstock.com
Patrick George Considine
Geboren: 05.09.1974 in Burton-on-Trent, Staffordshire, England

Traurig, aber wahr: Das Ego mancher Stars ist unerträglich groß. Überdeutlich schimmert ihr Geltungsbedürfnis durch. Filme und Rollen sind für sie lediglich Mittel zum Zweck, so scheint es. Der Brite Paddy Considine hingegen besitzt eine völlig andere Berufsauffassung: Er verschwindet in seinen Rollen. Er verschmilzt mit dem Charakter, den er spielt.

Dem Mann mit dem spitzbübischen Lächeln, dessen Spezialität gebrochene und problembeladene Typen sind, gelingt das auch deshalb so gut, weil er jeden beliebigen Dialekt des Englischen aufgreifen kann. Und weil seine Stimme so unglaublich wandelbar ist. Deshalb sollte man Filme mit Paddy Considine nach Möglichkeit immer in der Originalfassung sehen. Doch neben dem künstlerischen Aspekt gibt es einen weiteren Grund, warum der Familienvater nie sich selbst, sondern immer seine Rollen in den Vordergrund stellt. Es ist sein ausgeprägtes Bedürfnis nach Privatsphäre: "Sollte ich jemals eine Berühmtheit werden, dann verschwinde ich und mache irgendwo Schuhe, so wie es Daniel Day-Lewis einst tat."

Schauspieler - das war eigentlich nicht geplant

Diese Scheu, zum Star zu werden, hat sicher auch etwas mit Paddy Considines Lebensweg zu tun. Schauspieler - das war eigentlich nicht geplant. Erst mit 25 Jahren gab er sein Filmdebüt, als gestörter Hausfreund in "A Room for Romeo Brass". Die Tragikomödie, bei der sein Kumpel Shane Meadows Regie führte, wurde 1999 für drei British Independent Film Awards nominiert. Bis dahin hatte Patrick George Considine, so sein voller Name, das ruhige, unbedrängte Leben eines Durchschnittsbürgers kennen und schätzen gelernt.

Paddy Considine wurde 1974 in der englischen Grafschaft Staffordshire geboren und wuchs am Rande der recht beschaulichen Bierstadt Burton-on-Trent zusammen mit fünf Geschwistern auf. Bei einem Schauspielkurs am College seiner Heimatstadt lernte er Shane Meadows kennen, den späteren Regisseur. Die beiden wurden Freunde und gründeten eine Band, die aber wenig bleibenden Eindruck hinterließ. Considine zog weiter und studierte Fotografie in Brighton.

Danach arbeitete er in diesem Beruf, bis ihm sein Kumpel Meadows die bereits erwähnte Rolle in "A Room for Romeo Brass" anbot. Paddy Considine mag damit über Beziehungen ins Filmgeschäft gekommen sein, aber er nutzte diese Chance und zeigte sein schauspielerisches Talent. Er fand Gefallen an dieser für ihn noch so neuen Ausdrucksform. Nach einigen Kurzfilmen, wiederum unter der Regie von Meadows, wirkte Considine im Jahr 2000 in Pawel Pawlikowskis vielfach ausgezeichnetem Immigranten-Drama "Last Resort" mit. Vier Jahre später spielte er unter demselben Regisseur im Coming-of-Age-Film "My Summer of Love" an der Seite von Emily Blunt und Natalie Press.

Considine übernahm den Part von McGregor

Als weiterer Meilenstein seiner Karriere darf das Emigranten-Drama "In America" gelten. Für den Part des Iren Johnny, der mit seiner Familie in New York Fuß fassen will, war ursprünglich Ewan McGregor vorgesehen. Paddy Considine übernahm den Part - und McGregor wurde nicht vermisst. Jim Sheridans Film wurde 2004 für drei Oscars nominiert, die Tür nach Hollywood stand nun weit offen für Paddy. Im Blockbuster-Milieu machte sich der Junge aus Staffordshire schnell einen Namen, denn die Produzenten hatten kapiert, dass ein Schauspieler wie Considine eine ungewöhnliche Tiefe in Nebenrollen bringen kann. Sie engagierten ihn für Filme wie "Das Comeback" mit Russell Crowe, "Das Bourne Ultimatum" mit Matt Damon oder "Blitz" mit Jason Statham.

Doch der Engländer bleibt seiner Heimat mit dem Herzen jederzeit verbunden. Es zieht ihn immer wieder zurück, nicht nur aus privaten Gründen, sondern auch beruflich. Denn in vertrauter Umgebung, bei der Arbeit mit Bekannten, ruft Considine sein ganzes Potenzial ab. So wundert es nicht, dass er die vielleicht stärkste Performance seiner Laufbahn in der Zusammenarbeit mit seinem Freund Shane Meadows ablieferte: In "Blutrache - Dead Man's Shoes" spielte er einen kaltblütigen Racheengel, dessen Motive nur zu menschlich sind.

2007 war Considine in der absurd-witzigen britischen Krimikomödie "Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis" zu sehen. Der Film mit den "Shaun of the Dead"-Stars Simon Pegg und Nick Frost in den Hauptrollen war ein voller Kinoerfolg. Im selben Jahr gab Considine sein Regie-Debüt mit dem Kurzfilm "Dog Altogether", der bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet wurde. 2011 folgte die zweite Regie-Arbeit, die wiederum auf der ersten basiert: "Tyrannosaur" erzählt eine Lovestory unter schwierigen Umständen. Offenbar hat sich da Paddys Kumpel Shane Meadows, sein Entdecker, einen Konkurrenten in Sachen Regie herangezogen. Aber diese alte Freundschaft zieht daraus sicher wieder nur Positives ...

Weitere Filme mit Paddy Considine: "Born Romantic" (2000), "Hand in Hand mit dem Tod" (2001), "The Martins" (2001), "24 Hour Party People" (2002), "Doctor Sleep" (2002), "My Wrongs 8245-8249 and 117" (2002), "Bouncer" (2002, Kurzfilm), ""Stoned" (2005), "Das Geheimnis des Waldes" (2006), "The Half Life of Timofey Berezin" (2006), "My Zinc Bed" (2008), "Der Schrei der Eule" (2009), "Yorkshire Killer 1980", "Le Donk & Scor-zay-zee" (2009), "Submarine" (2010), "The Suspicions of Mr Whicher" (2011), "Blitz" (2011), "Now Is Good" (2012), "Liebe und andere Turbulenzen", "The World's End" (beide 2013), "Pride" (2014), "Kind 44" (2015).


Zur Filmografie von Patrick George Considine
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