Die Deutschen und ihr Geld: Am liebsten zahlen sie noch in bar. Aber weshalb? Denn digitales Bezahlen bietet viele Vorteile. prisma hat sich umgesehen.

Frühmorgens, 6.30 Uhr, in einem großen Hauptbahnhof. Eine längere Menschenschlange vor einer Bäckerei. Es muss schnell gehen, wie so oft morgens auf dem Weg zur Arbeit: ein belegtes Brötchen, dazu noch ein mittlerer Kaffee. Macht 3,90 Euro. "Ich zahle digital", sagt der Kunde und hält sein Smartphone vor das Lesegerät auf der Theke. Dank dieser Bezahlart (= Mobile Payment) ist die Transaktion in Sekundenschnelle getätigt – keine Suche nach dem passenden Kleingeld beim Kunden, kein Geldwechseln bei der Bäckereiverkäuferin. Währenddessen gibt bereits der nächste Kunde seine Bestellung auf: eine Laugenstange für 1,10 Euro. Er zahlt mit Girocard, gibt diese aber nicht aus der Hand. Er hält sie dicht vor das gleiche Lesegerät und übermittelt den Geldbetrag somit kontaktlos und ohne Eingabe einer PIN. Denn bei Kleinbeträgen unter 25 Euro ist das nicht nötig. Die Warteschlange vor der Bäckertheke löst sich schnell auf.

Geschwindigkeit und Mehrwerte

Für das Geschäftsmodell von Christian Pirkner, CEO der Blue Code International AG, ist die Geschwindigkeit des Bezahlvorgangs nicht der einzige Vorteil: „Mobiles Bezahlen ist besonders nützlich, wenn es zusätzliche Mehrwerte bietet, die über die eigentliche Zahlung hinausgehen. Wenn der blaue Barcode am Handydisplay gescannt wird, können Kunden damit nicht nur den Einkauf bargeldlos bezahlen und einen digitalen Beleg erhalten, sondern beispielsweise automatisch auch mit ihrer digitalen Kundenkarte Treuepunkte sammeln oder an Bonusprogrammen der Händler teilnehmen.“ Das Bluecode-System, das über eine kostenlose App auf das Smartphone geladen wird, kommt bereits an vielen Stellen zum Einsatz. Zum Beispiel bundesweit in den GLOBUS-SB-Warenhäusern und auch bereits in der Fußball-Bundesliga. Dort haben die Fans in der Halbzeitpause nicht viel Zeit für den Kauf von Stadionwurst und Getränken. Mobile Payment beschleunigt den Bezahlvorgang hier deutlich.

Laut Bundesbank werden jährlich im deutschen Einzelhandel rund 20 Milliarden Zahlungen getätigt. "Drei von vier Zahlungen an der Ladenkasse werden bar abgewickelt", sagte Vorstandsmitglied Johannes Beermann zuletzt bei der Vorstellung einer Studie der Bundesbank. Ganz anders in Schweden. Dort zahlt inzwischen kaum noch jemand mit Bargeld. Viele Einzelhändler verfügen über keine Bargeldkassen mehr. Kartenzahlung und Mobile Payment sind längst vorherrschend. Bis 2030 plant Schweden komplett bargeldlos zu sein.

Alternativen sind vorhanden

Und in Deutschland? Der Bargeldanteil am Umsatz im Einzelhandel sank 2018 laut Handelsforschungsinstitut EHI auf 48,3 Prozent. Die Deutschen zahlen vermehrt mit Karte. Und Bezahl-Apps von Sparkassen und Volksbanken erlauben inzwischen immer mehr Kunden das nutzerfreundliche und unkomplizierte Bezahlen mit dem Smartphone. Weltweit sind Apple Pay und Google Pay die großen Vorreiter. Alternativen zum Bargeld sind also vorhanden. Doch noch reicht es in Deutschland nicht zum vollständigen Durchbruch, vor allem nicht von Mobile Payment. Kritiker fürchten Datenmissbrauch und Sicherheitslücken. Befürworter sehen vor allem eins: Es ist praktisch.