25.01.2021 Arzt-Kolumne

Wenn die Finger plötzlich kribbeln oder schmerzen

Von Thomas Schneider
Dr. Thomas Schneider ist leitender Facharzt für Orthopädie, Sportmedizin und Unfallchirurgie der Gelenk-Klinik Gundelfingen. Spezialisiert ist er auf Fuß- und Sprunggelenkserkrankungen einschließlich Endoprothetik. Arthroskopische Operationen der Gelenke von Hüfte, Knie, Schulter und Ellenbogen sind weitere Behandlungsschwerpunkte.
Dr. Thomas Schneider ist leitender Facharzt für Orthopädie, Sportmedizin und Unfallchirurgie der Gelenk-Klinik Gundelfingen. Spezialisiert ist er auf Fuß- und Sprunggelenkserkrankungen einschließlich Endoprothetik. Arthroskopische Operationen der Gelenke von Hüfte, Knie, Schulter und Ellenbogen sind weitere Behandlungsschwerpunkte.   Fotoquelle: Gelenk-Klinik Gundelfingen

"Seit Wochen kribbeln und schmerzen meine Finger" – mit diesem Krankheitsbild konsultierte mich kürzlich eine 53-jährige Patientin. Sie vermutete Arthrose. Doch die Untersuchung zeigte, dass ein Karpaltunnelsyndrom der Auslöser ihrer Beschwerden war.

Darunter leiden hierzulande schätzungsweise rund sechs Millionen Menschen. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Grund dafür sind hormonelle Umstellungen. Vielfach sind aber auch Verletzungen oder Brüche im Handgelenk, Rheuma, Diabetes oder etwa schwere körperliche Arbeit Ursache eines Karpaltunnelsyndroms.

Neben den Schmerzen sind Gefühlsstörungen und sogar Lähmungen im Bereich des Daumens, Zeige- und Mittelfingers typische Symptome. Verschwinden diese Beschwerden nicht nach drei Tagen, sollte der Orthopäde oder Neurologe konsultiert werden. Anhand einer Nervenleitungsmessung erkennt dieser, ob eventuell die Impulsübertragung verzögert ist. Aufschluss gibt meist aber schon ein kurzer (Selbst-)Test: Schmerzt es, wenn man innen aufs Handgelenk (den Karpaltunnel) drückt, so ist das ein sicheres Anzeichen für eine Erkrankung. In diesem Fall ist eine Behandlung unerlässlich – obwohl die Beschwerden in der Regel zunächst nur gering sind. Doch unbehandelt kann es Jahre später zum Muskelschwund im Daumenballen kommen. Man kann nicht mehr richtig zugreifen, hat Probleme beim Schreiben.

Hilfreich sind Stützverbände und Schienen (Orthesen) über dem Handgelenk, die auch der erwähnten Patientin halfen. Linderung brachten ihr unterstützend Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente. Kurzfristig lassen sich zudem oftmals durch Kortison-Tabletten oder -Spritzen in den Karpaltunnel die Beschwerden reduzieren. Bewirkt dies alles nichts oder drohen bleibende Nervenschäden, muss operiert werden. Bei einem frühzeitigen Eingriff ist die Chance eines dauerhaften Behandlungserfolgs sehr hoch.

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