Schlitten fahren auf der Wiese: So wurde Stonehenge herbeigeschafft.

Als sich ein Mann namens John Crow auf langer Wanderung den blauen Steinen von Stonehenge nähert, überkommt es ihn einfach: Er muss sie umarmen.

Der walisische Autor John Cowper Powys beschreibt diese Szene in seinem Roman Glastonbury Romance.

Das erste Morgenlicht am Horizont und die kunstvoll angeordneten Hünen aus der Steinzeit, das ist zu viel für Crows Nerven – Gefühle und Zeiten vereinigen sich zum Sinnesrausch.

Im Roman befinden wir uns, nur zur Orientierung, in den frühen Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, da durfte man das Stonehenge-Terrain noch ehrfurchtsvoll betreten.

Heute, in der Realität der Zehnerjahre des 21. Jahrhunderts, wäre das strengstens verboten. Trotzdem wirft Stonehenge weiter Fragen auf. Studenten der University of London haben jetzt eine beantwortet.

Sie legten Birkenstämme wie Eisenbahnschwellen auf einen Rasen, bauten einen Schlitten aus Ahornholz und versuchten, Blausteine von einer Tonne Gewicht darauf zu bewegen.

Es ging besser als erwartet. Zehn Leute schafften etwa 15 Meter pro Minute. Heißt, die Frage nach dem Steintransport scheint geklärt.

Die betreffende Gesteinsformation existiert so nur in den Preseli Mountains im südlichen Wales, ca. 220 Kilometer von Stonehenge in der Salisbury-Ebene entfernt.

Wie aber schafften es die Menschen vor 4000 bis 5000 Jahren (in der Jungsteinzeit), die Ungetüme über einen so weiten Weg zu wuchten?

Antwort: Sie bedienten sich einer Schlittentechnik, wie sie zur selben Zeit auch in Japan, China und Indien üblich war.

Außerdem mögen bei dem prähistorischen Kraftakt mehr und auch kräftigere Leute als nur zehn zivilisationsgeschädigte Studenten mitgewirkt haben.

Das Mysterium Stonehenge hat sich halbiert. Jetzt wüssten wir noch gern, wozu die Steine eigentlich dienten.