02.11.2021 Moderator

Arnd Zeigler: "Thomas Müller ist der würdige Sprüche-Nachfolger"

Von Felix Förster
Arnd Zeigler
Arnd Zeigler Fotoquelle: Michael Philipp Bader

Im unendlichen Kosmos der Fußball-Kuriositäten finden sich so manche witzige und skurrile Zitate. Und niemand bringt diese dem Publikum so nah wie Arnd Zeigler, Moderator der Sendung "Wunderbare Welt des Fußballs" im WDR. In seinem beliebten Abreiß- und Tischkalender "Traumfußball" vereint er auch 2022 wieder die schönsten Zitate und Bilder aus Zeiglers kurioser Fußballwelt – Tag für Tag mit den unterschiedlichsten Sprüchen. prisma hat mit Arnd Zeigler über Sprüche im Fußball, moderne Spieler, seinen Fußballkonsum und Podcasts gesprochen.

Der Fundus an Fußball-Sprüchen ist schier endlos. Was glauben Sie, macht gerade den Fußball so einzigartig für dieses Phänomen?

Arnd Zeigler: Fußballer werden oft und live zu nahezu allen Themen des Lebens befragt. Anders als Theaterschauspieler, Filmstars oder Politiker können sie sich auf Interviews in der Regel nicht vorbereiten und müssen verschwitzt und aus der Emotion heraus Fragen beantworten. Dadurch bekommt man als Resultat viel Spontanes und Ungefiltertes, was uns den jeweiligen Menschen etwas näherbringt als es jedes Illustrierten-Interview mit einem Star aus einer anderen Branche könnte.

Worauf können sich die Leser bei Ihrem Kalender freuen?

Arnd Zeigler: Auf eine ganz spezielle Art von Poesie, die in vielen Fällen entwaffnend allen Gesetzen von Logik und manchmal auch Satzbau trotzt. Aber auch auf scharfsinnige und brillant aus der Hüfte geschossene Satzkunstwerke. Fußballzitate sind längst zu einer eigenen Kulturform geworden.

Haben Sie einen Lieblingsspruch? Wie lautet der?

Arnd Zeigler: Ich sammle solche Zitate schon mein halbes Leben lang. Aber, um leicht abgewandelt mit einem ehemaligen Funktionär des 1. FC Kaiserslautern zu sprechen: Ich wäre ja mit Puder gepudert, wenn ich jetzt einen einzigen Spruch herauspicken würde.

Heutzutage wirken viele Fußballer, um es etwas despektierlich auszudrücken, wie Sprechroboter. Verdenken kann man es ihnen nicht, der nächste Shitstorm wartet schließlich um die Ecke. Was würden Sie jungen Spielern dahingehend raten?

Arnd Zeigler: Ich würde ihnen ganz grundsätzlich raten: Versucht, euch selbst so gut es geht zu verstehen! Versucht herauszufinden, wie und wer ihr seid. Spielt keine Rolle! Entwickelt eine Haltung zu den Dingen, die euch etwas bedeuten – und meidet die Plastikwelt sozialer Medien, die aus keinem Fußballer einen Popstar macht, sondern dies nur vorgaukeln will. Persönlichkeit kommt von innen, nicht von TikTok. Und Persönlichkeit ist spannend.

Vermissen Sie die Zeiten der Stilblüten eines Andy Brehme, Olaf Thon oder Lothar Matthäus?

Arnd Zeigler: Nein. Sie haben würdige Nachfolger gefunden. Ich sage nur: Thomas Müller. Und Lothar Matthäus ist ja alles andere als weg.

In Ihrer Sendung "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs" halten Sie nach wie vor den Spaß am Fußball hoch. Wie schwer fällt Ihnen das im Zuge des Wandels, den der Fußball durchlebt, Stichwort Kommerzialisierung, Politisierung, Diskussion WM alle zwei Jahre et cetera?

Arnd Zeigler: Manchmal denke ich, dass es immer schwieriger wird, aber deshalb gleichzeitig auch immer bedeutsamer und wichtiger. Das ist ja das Phänomenale am Fußball: Es gibt immer mehr Ärgernisse, aber wir wollen unsere Leidenschaft und Liebe für das alles unbedingt behalten. Der Fußball begleitet uns durchs ganze Leben. Das bedeutet, dass wir uns immer wieder neu auf das besinnen müssen, was uns einmal zu Fans hat werden lassen. Heute müssen wir Fußball und auch andere Leidenschaften schützen gegen einen Ausverkauf, der immer weiter fortschreitet. Und dabei bin ich gerne behilflich.

Wie sieht Ihr persönlicher Fußballkonsum aus? Ist das weniger oder mehr geworden?

Arnd Zeigler: Er ist beruflich bedingt unverändert hoch, aber ich ertappe mich dabei, weniger begeisterungsfähig und auch schneller unaufmerksam zu sein, wenn ich Spiele gucke. Manchmal fange ich an, bei laufenden Spielen Wäsche aufzuhängen oder zu saugen. Selbst bei der Europameisterschaft ist das vorgekommen. Das hätte ich früher nie gekonnt.

Welche Sendungen schauen Sie?

Arnd Zeigler: Im Grunde alle, die auf mich lebendig wirken. Also alles, was live und impulsiv ist. Was ich meide sind die vorgestanzten Hochglanz-Sendungen, die wie Imagefilme wirken und mir Fußball als "Premium-Produkt" unterschieben wollen.

Sie haben einen eigenen Podcast namens "Ball You Need Is Love". Was ist die Idee dahinter?

Arnd Zeigler: Die Idee ist einerseits, mit bekannten Fußballfans aus fußballfernen Berufen darüber zu reden, wie sie ihre Leidenschaft entwickelt haben und ausleben. Und es hat generell etwas sehr befruchtendes, aus den Medien vertrauten Menschen dabei zuzuhören, wie sie sich nackig machen, was ihre Liebe zum Fußball betrifft. Oft sind meine Gäste Musiker. Und da ist ein immer wiederkehrendes Thema die enge Verwandtschaft zwischen der Leidenschaft für Fußball und der für Popmusik. Beides entwickelt man als Kind und beides behält man im Idealfall bis ans Lebensende. Das schaffen sonst fast keine anderen Hobbys.

Im Meer der Fußball-Podcasts ist die Auswahl schier riesig. Haben Sie Tipps für unsere Leser?

Arnd Zeigler: Nein, es sind inzwischen viel zu viele. Ich kenne nur meinen eigenen. Der ist gut. Hört ihn euch ruhig mal an.

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