25.08.2020 TV-Koch

Dirk Hoffmann

Von Felix Förster
TV-Koch Dirk Hoffmann.
TV-Koch Dirk Hoffmann. Fotoquelle: privat

Das Format der Kochsendungen ist seit vielen Jahren Alltag im deutschen Fernsehen. Dort waren zeitweilig so viele Fernsehköche zu sehen, dass Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki anlässlich der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises schon 2008 ausrief: "Und zwischendurch immer wieder Köche, nichts als Köche!" Mittlerweile ist das ein wenig abgeebbt. Einer, der schon seit vielen Jahren regelmäßig auf der Mattscheibe gegen den Strom der Standardformate ankocht, ist Dirk Hoffmann. Der Düsseldorfer arbeitet seit 14 Jahren für Kabel eins und ist mit Formaten wie "Gaumenschmaus oder Gaumengraus" und "Abenteuer Leben: Hoffmann on Tour" bundesweit bekannt geworden. Wir haben uns anlässlich seines neuesten Projekts "Food Truck Battle 2020" mit ihm über seine Fernsehkarriere, markige Sprüche, fehlende Berührungsängste und Ketchup aus Pflaumen unterhalten.

Herr Hoffmann, Sie sind mittlerweile seit vielen Jahren für Kabel eins aktiv und in den unterschiedlichsten Formaten zu sehen. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Die Frage wird mir immer wieder gestellt, gerade auch auf Facebook. Das kam ganz einfach so: Ich führte mit Benders Marie ein traditionsreiches und beliebtes Lokal in der Düsseldorfer Altstadt und hatte stets einen guten Draht zu meinen Gästen. Da wurde im Gastraum geflirtet, geflachst und herumgealbert. Ich war einfach Dirk Hoffmann mit der Schnodderschnüss, wie man hier im Rheinland sagt. Da fielen natürlich immer mal wieder lustige Sprüche. Eines Abends saßen dann drei Redakteurinnen von Kabel eins bei mir und hörten einfach mal zu. Ein weiblicher Gast bekam keinen Sitzplatz und beschwerte sich bei mir, sie hätte doch bereits vor drei Wochen einen Tisch bestellt, wo der denn jetzt wäre. Daraufhin antwortete ich 'Wir sind hier ein Restaurant und nicht Möbel Knuffmann'. Den Spruch und den ganzen Schlagabtausch bekamen die Mädels mit und sprachen mich darauf an, ob ich das nicht auch vor der Kamera machen könnte. Wohl gemerkt, das war im Herbst oder Winter. Ich sagte dann, es wäre Hauptsaison, ich arbeite momentan 14 bis 16 Stunden im Restaurant, aber im Sommerloch können wir das gerne mal probieren...

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Sie kommen im TV ungekünstelt und authentisch rüber…

Ich bin da ganz ich selbst. Die Sprüche kommen ja aus mir heraus, und ich bin im Leben immer spontan. Als Wirt und Koch, der mit seinen Gästen ständig im Kontakt steht, muss man das ja auch sein. Für mich sind Gäste nicht gleich Feinde, sondern die Menschen, von denen ich lebe. Das sehen nicht alle Gastronomen so. Die Verantwortung für die Gäste spüre ich, da gehört etwas Flirten, Plaudern und Späße machen einfach dazu.

Wie genau ist die Fernsehkarriere dann gestartet?

Das war 2006, als ich einen Probedreh bei Kabel eins gemacht habe. Daraufhin meinte der zuständige Redakteur, ich müsste unbedingt sofort Fernsehen machen ... Und nun bin ich immer noch beim Sender. Das ist mittlerweile wie eine Familie für mich, und ich bleibe Kabel eins treu. Kurze Ausflüge zu den Öffentlich-Rechtlichen und zu Pro Sieben waren nur Intermezzi.

Warum drehen Sie ausschließlich für Kabel eins? Es muss doch weitere Angebote gegeben haben.

Bei den anderen Sendern war mir das immer zu sehr gescriptet und nach Drehbuch. Ich hatte kaum Mitspracherecht. Das gefällt mir nicht, auch wenn einige meiner Kollegen ausschließlich so arbeiten. Wenn mir als altem Hasen dann irgendwelche Jungredakteure erzählen wollen, was ich zu machen habe, ist das schwierig. Ich lasse mich da nicht verdrehen. Da ging es dann mitunter auch mal hoch her. Die Kölner Mediengruppe will mich seit Jahren haben, aber warum sollte ich das machen? Bei Kabel eins bin ich in einem Team unter Freunden, wir kennen und schätzen uns, und es läuft. Wir sind alle auf Augenhöhe, und ich beziehe mitunter auch mal den Kameramann oder die Redakteure mit ein. Und wenn einer vom Team mal Bock hat, reiche ich ihm das, was wir da gerade kochen, während der Sendung auch mal gerne weiter. Mein Traum wäre ja das Geruchsfernsehen, dann würde man die vierte Wand einreißen und sich direkt an die Zuschauer wenden können.

Auf der Internetseite des Senders gibt es eine riesige Auswahl an Videos von und mit Dirk Hoffmann. Da kann man schon einmal den Überblick verlieren ...

Sie dürfen nicht vergessen, dass ich für "Hoffmann unterwegs" bereits 62 Stationen weltweit bereist habe und der Dauerbrenner "Gaumenschmaus oder Gaumengraus" läuft ja nach wie vor auch weiter. Wir haben mal gescherzt, dass man mit dem Material drei Tage Hoffmann am Stück gucken kann, zwischendurch schlafen inklusive (lacht). Mittlerweile sind wir auch auf YouTube, da habe ich den Sender überzeugt, das auch zu machen.

"Hoffmann unterwegs" und "Gaumenschmaus oder Gaumengraus" sind Dauerbrenner bei Kabel eins. Erinnern Sie sich an besondere Erlebnisse?

"Gaumenschmaus oder Gaumengraus" ist das älteste Kochformat der Sendergruppe. Uns gehen die Rezepte nicht aus. Wichtig ist mir, dass die Sachen unkompliziert sind. Das ist bei diesem Format besonders wichtig, und ich glaube, die Leute kochen zu Hause häufig wirklich so. Das ist deren Alltag, aus Convenience Food etwas zu kochen. Das berühmteste Video ist nach wie vor das Cola-Huhn und das schmeckt wirklich ausgezeichnet, auch wenn man es kaum glauben mag.

Und Ihre internationalen Auftritte?

Bei "Hoffmann unterwegs" haben wir mal in der Verbotenen Stadt und auf dem Platz des himmlischen Friedens in Peking gedreht, das darf eigentlich keiner. Das war sehr spannend. Wir machen das auch nicht nur als reines Entertainment, die Leute sollen auch was davon haben. Ich muss auch nicht beweisen, dass ich der Spitzenkoch bin. Das überlasse ich lieber anderen.

Eine geplante Reise in die USA mussten Sie kurzfristig wegen Corona absagen, Sie haben dann einfach in Düsseldorf texanisch gegrillt und dort gedreht. Sie haben aus der Not also eine Tugend gemacht und kurzfristig umdisponiert. Wie läuft so etwas ab?

Das geht mit meinem Team relativ unkompliziert. Ja, Corona hat mir bei einigen Reisen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Auftragslage war riesig. Wir wollten wegen Olympia nach Japan, dann waren unter anderem auch Hawaii und Ägypten geplant. Das mussten wir alles absagen, einiges werden wir jedoch nachholen. Wir haben aber neue Konzepte wie "Pimp my Konserve", wo wir aus den Dingen, die die Leute zuhause gehortet haben, etwas machen. Dann wollen wir den Leuten zeigen, wie man mariniert, einkocht, selbst Lebensmittel haltbar macht. Soßen, Marmeladen, also zurück zu den Ursprüngen.

Was steht jetzt als nächstes an?

Ich habe eine gute Verbindung zu Sebastian Lege, der regelmäßig auf verschiedene Sender im TV kocht.  Er ist ein guter Freund von mir und wir bieten uns regelmäßig Zweikämpfe, sogenannte Battles. Der "Food Truck Battle 2020" ist am 30. August sonntags um 22.20 Uhr auf Kabel Eins in einem Spezial zu sehen. Wegen Corona mussten wir auch da unter erschwerten Bedingungen arbeiten, doch was dabei heraus gekommen ist, macht wirklich Spaß. Sebastian und ich haben jeder einen Foodtruck, mit dem wir auf einen Roadtrip gehen und verschiedene Stationen anfahren. Dort kochen wir dann für die Leute, müssen das marktschreierisch anpreisen und den Kunden schmackhaft machen. Das kommt meinem Naturell natürlich total entgegen. Also, liebe Zuschauer, Ihr dürft gespannt sein! 

Sie haben vor Kurzem Ihren eigenen Ketchup auf den Markt gebracht – statt Tomaten sind Pflaumen die Grundlage. Wie kam es zu dieser außergewöhnlichen Idee?

Ich war in Ex-Jugoslawien und habe festgestellt: Diese Powerfrucht ist da viel angesagter als hier bei uns. Wieder daheim angekommen, hab ich aus einem Körbchen Zwetschgen dann ein Chutney angerührt, das war exzellent. Das wollte aber keiner meiner Bekannten probieren. Da hab ich das Ganze püriert und daraus wurde mein Pflaumen-Ketchup. Was soll ich sagen? In meinem Bekanntenkreis gibt es keine Grillparty mehr ohne Dirks Pflaumen-Ketchup. Mittlerweile produzieren wir zwei Tonnen monatlich, und das läuft echt gut. Vorteil: Er ist vegan, ohne Bindemittel und Chemie und hat wegen des Fruchtzuckers nur acht Prozent Zuckerzusatz. Einfach ideal.

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